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10.04.2013

09:49 Uhr

US-Finanzbranche

Banken steigern Gewinne – und streichen Stellen

Die großen US-Banken verdienten 2012 so gut wie lange nicht mehr. Sie schütten die üppigen Gewinne wieder an die Anteilseigner aus. Doch die Mitarbeiter müssen leiden. Denn die Geldhäuser streichen Tausende Stellen.

Die US-Großbank JP Morgan verbuchte drei Rekordjahre in Folge. Doch bis 2014 streicht das Geldhaus 17.000 Stellen. Reuters

Die US-Großbank JP Morgan verbuchte drei Rekordjahre in Folge. Doch bis 2014 streicht das Geldhaus 17.000 Stellen.

New YorkUS-Banken reagieren auf steigende Aktienkurse, höhere Gewinne, die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen und eine wachsende Wirtschaft auf ihre Weise: Sie bauen weitere Stellen ab. Obwohl die Branche im vergangenen Jahr die besten Ergebnisse seit 2006 erzielte, haben die sechs größten US-Banken in den ersten drei Monaten dieses Jahres angekündigt, rund 21.000 Stellen zu streichen. Dies geht aus Daten des Finanzinformationsdienstes Bloomberg hervor.

Die Zahl entspricht 1,8 Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl und ist der stärkste Stellenabbau seit dem dritten Quartal 2011. Die Großbank JP Morgan hat mit 259.000 Angestellten drei Jahre in Folge Rekordgewinne erzielt. Jetzt rückt die Bank beim Stellenabbau an die Spitze und will bis Ende 2014 mit 17.000 Mitarbeitern weniger auskommen.

Die Kreditinstitute stehen unter Druck, den Gewinn trotz eines geringen Wachstums bei den Erträgen zu steigern. Neben den Zinskosten sind die Mitarbeiter einer der größten Kostenfaktoren. Am stärksten gefährdet sind Mitarbeiter in Bereichen, wo die Nachfrage sinkt – wie beispielsweise Zwangsvollstreckungen bei Hypotheken. In den vergangenen fünf Jahren sind bei US-Finanzdienstleistern bereits 320.000 Stellen weggefallen, wie die Daten zeigen.

Näheres zu ihren Personalplänen dürften die Banken bei der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal bekanntgeben. Am Freitag dieser Woche läuten JP Morgan und Wells Fargo die Berichtssaison bei den US-Banken ein.

Der größte Teil der Kündigungen werde voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2013 erfolgen, erwartet Jason Kennedy, Vorstandschef der Londoner Personalvermittlung Kennedy Group. „Im vergangenen Jahr haben sie mit Stellenstreichungen gewartet und es wurden immer wieder einige wenige Arbeitsplätze abgebaut“, erläutert Kennedy. In diesem Jahr warteten die Banken nicht mehr ab, ergänzt er.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Angesichts der Erholung am US-Immobilienmarkt benötigen die Banken weniger Personal für die Bearbeitung notleidender Kredite oder Zwangsvollstreckungen. JP Morgan hatte im März angekündigt, bis Ende 2014 im Hypothekenbereich zwischen 13.000 und 15.000 Stellen abzubauen.

Die Bank of America – nach Bilanzsumme die Nummer zwei – hat in ihrer Bewertungssparte rund fünf Prozent der Stellen gestrichen. Zudem will die Bank mehr als 370 Stellen in Kalifornien abbauen, teilweise im Hypothekenbereich, wie ein Sprecher der Bank erklärte. Vorstandschef Brian Moynihan will die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 267.000 um insgesamt 30.000 verringern.

Kommentare (1)

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Freidenker

10.04.2013, 11:47 Uhr

Ja das ist doch ein nettes, menschfreundliches System, gelle...wo das Geld über den Menschen steht!!!!!!!! kotz...

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