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18.01.2013

19:26 Uhr

US-Großbank

Aktienhandel steigert Morgan Stanleys Gewinn

Die US-Großbank Morgan Stanley verdient in ihrem Kerngeschäft wieder richtig Geld. Um fast 50 Prozent stiegen die Einnahmen im Aktienhandel im vergangenen Quartal. Im Gesamtjahr aber wird es nichts mit dem Gewinn.

Morgan-Stanley-Werbung am New Yorker Times Square: Die Investmentbank machte im ersten Quartal einen Gewinn. dapd

Morgan-Stanley-Werbung am New Yorker Times Square: Die Investmentbank machte im ersten Quartal einen Gewinn.

New YorkIn den USA boomen die Finanzmärkte wieder – davon profitieren die großen Investmentbanken in besonderem Maße. Jüngstes Beispiel ist Morgan Stanley. Das Geldhaus verdiente im Schlussquartal 2012 mehr als 570 Millionen Dollar nach einem Verlust von 222 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.

Wesentlicher Gewinntreiber waren sprudelnde Erträge im Aktienhandel, wie das Institut am Freitag mitteilte. Die Ergebnisse kamen am Markt gut an: Die Aktien zogen um 6,5 Prozent an. Auch der Erzrivale Goldman Sachs hatte in dieser Woche überraschend starke Zahlen vorgelegt und damit die Anleger begeistert.

Bei Morgan Stanley stiegen die Einnahmen im Kerngeschäft Handel um 43 Prozent auf knapp drei Milliarden Dollar. Auch in der Vermögensverwaltung gab es Zuwächse um immerhin acht Prozent. Die Aufkaufprogramme der US-Notenbank Fed am Markt für Hypothekenkredite und weitere Geldschwemmen der Währungshüter haben die Märkte in den USA wieder in Schwung gebracht.

Investmentbanken verdienen in einigen Bereichen wieder wie zu besten Zeiten. "Unser Konzern kann nun die Renditen erwirtschaften, die im besten Sinne unserer Aktionäre sind", erklärte Bankchef James Gorman. Er will künftig unter anderem die Vermögensverwaltung ausbauen, um weniger stark den Schwankungen des Investmentbankings ausgesetzt zu sein.

Über das Jahr gesehen reichte das Plus zwischen Oktober und Dezember aber nicht aus, um einen Gewinn zu erzielen. Wegen der Neubewertung der eigenen Schulden steht für 2012 ein Verlust von 117 Millionen Dollar in den Büchern. Die Bewertung eigener Schulden ist ein reiner Bilanzierungseffekt, der sich in guten Zeiten für die Banken negativ auswirkt, in schlechten das Ergebnis schönt. In Deutschland lief das Jahr indes nicht schlecht: Morgan Stanley kletterte hierzulande 2012 in der viel beachteten Thomson-Reuters-Rangliste der wichtigsten Fusionsberater auf Platz eins.

Soviel Bonus Zahlen die größten US-Banken

Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs erhielten im Gesamtjahr 2012 pro Kopf 399.506 Dollar. Der Bonustopf wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Die Bank zählt 32.400 Angestellte.

Quelle: Bloomberg

JP Morgan

Die Großbank verteilte 11,3 Milliarden Dollar an 52.151 Mitarbeiter. Dafür ergibt sich für das Jahr 2012 Monate ein Bonus von 216.928 Dollar pro Kopf. Der Bonustopf ist um drei Prozent kleiner als im Vorjahr. JP Morgan betreibt neben dem Investment-Banking aber auch andere Bankgeschäfte.

Morgan Stanley

Die Investmentbank Morgan Stanley hat für das Jahr 2012 für die Bezahlung der Investmentbanker 6,65 Milliarden Dollar aufgewendet. Das sind 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele Mitarbeiter im Investment-Banking tätig sind, teilt die Bank nicht mit. Der Gehaltsaufwand der gesamten Bank belief sich 2012 insgesamt auf 15,6 Milliarden Dollar, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei insgesamt 55.358 – zehn Prozent weniger als Ende 2011.

Trotz des wieder florierenden Wertpapiergeschäfts streicht Morgan Stanley die Boni der Investmentbanker zusammen - wenn auch weniger stark als Goldman Sachs. Im vergangenen Jahr machten die Gehälter im Handel 44 Prozent der Einnahmen aus, 2011 waren es noch 53 Prozent, wie Finanzchefin Ruth Porat sagte. Banker mit mehr als 350.000 Dollar Jahresgehalt bekommen ihre Boni zudem erst in einigen Jahren ausgezahlt. Davon seien weniger als 20 Prozent betroffen. Diese Praxis ist bei anderen Instituten wie der Deutschen Bank auch Usus. Im Investmentbanking wurde die Zahl der Mitarbeiter um rund 5000 reduziert, um die Kosten zu senken. Insgesamt sollen weitere 1600 Banker ihren Job verlieren.

Bankchef James Gorman will die Bank auf ein neues Fundament stellen. So will er die Vermögensverwaltung für reiche Kunden ausbauen. Das Geschäft gilt auch in Krisenzeiten als stabile Ertragsquelle. Die Investmentbank hatte daher zuletzt weitere Anteile an der Vermögensverwaltungs-Tochter Morgan Stanley Smith Barney übernommen, die sie zusammen mit der Citigroup betreibt. Morgan Stanley will den Partner bis 2015 komplett auszahlen. Gorman will damit die Abhängigkeit von den volatilen Finanzmärkten verringern.

Der seit 2010 amtierende Morgan-Stanley-Chef fiel im Oktober mit kritischen Bemerkungen über den Berufsstand auf. Die Bezahlung in der Branche sei immer noch zu hoch, hatte er der „Financial Times“ gesagt. Es gebe zudem trotz der jüngsten Sparrunden weiterhin zu viele Investmentbanker. Für sein Haus stellte er weitere Kürzungen in Aussicht: Die Kosten stünden ungeachtet der jüngst verhängten Maßnahmen weiter auf dem Prüfstand.

Gehälter der Wall-Street-Chefs

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America, Brian Moynihan, verdiente im Jahr 2011 8,1 Millionen Dollar.

James Gorman

James Gorman von Morgan Stanley erhielt 13 Millionen Dollar.

Vikram Pandit

Der Citigroup-Chef verdiente 14,9 Millionen Dollar. Er wurde im Oktober 2012 von Michael Corbat abgelöst.

Lloyd Blankfein

Platz drei der Top-Verdiener erreicht Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein mit 16,2 Millionen Dollar.

John Stumpf

Das zweithöchste Gehalt brachte John Stumpf nach Hause. Der Chef von Wells Fargo erhielt 19,8 Millionen Dollar. Die Bank aus San Francisco betreibt kein Investment-Banking und zählt damit nicht zu den klassischen Wall-Street-Häusern.

James Dimon

Der Chef von JP Morgan, James Dimon, kassierte 2011 ein Gesamtgehalt von 23,1 Millionen Dollar – und setzt sich damit an die Spitze der US-Banker.

Quelle: Unternehmensangaben, „Wall Street Journal“. Die Angaben umfassen Gehalt, Prämien, Aktienausschüttungen und Optionen.

Auch Goldman und die größte US-Bank JP Morgan Chase konnten im vergangenen Jahr von der Erholung der US-Finanzmärkte profitieren. Morgan Stanley war die letzte der sechs größten US-Banken, die ihre Zahlen vorgelegt haben. Dabei glänzten vor allem JPMorgan Chase und Wells Fargo, die 2012 so viel verdient hatten wie noch nie. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs zeigte sich wiedererstarkt und mit deutlich höherem Gewinn (7,5 Milliarden Dollar). Geholfen hat dabei unter anderem auch eine kräftige Erholung am US-Häusermarkt.

Die Bank of America und die Citigroup hatten dagegen noch stark an den Folgen der Finanzkrisen und den Sünden der Vergangenheit zu knabbern. Doch auch diese beiden Häuser hatten einige Milliarden Dollar an Gewinn verbucht. Insgesamt hatten die sechs größten Banken im vergangenen Jahr rund 59 Milliarden Dollar verdient und damit etwa 13 Prozent mehr als 2011.

Für die europäischen Großbanken liegt die Latte damit hoch. Sie dürften angesichts der Euro-Schuldenkrise indes deutlich hinter den Ergebnissen ihrer US-Rivalen zurückbleiben. Die Ergebnisse kommen in den nächsten Wochen. Die von Rechtsstreitigkeiten belastete Deutsche Bank legt die Zahlen am 31. Januar vor – Analysten erwarten für 2012 einen Überschuss von gut drei Milliarden Euro.

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