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17.01.2014

15:16 Uhr

US-Großbank

Rechtsstreit frisst Morgan-Stanley-Gewinn

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley knabbert an hohen Ausgaben für juristische Auseinandersetzungen. Der Gewinn des Konzerns bricht um mehr als zwei Drittel ein. Ein Erzrivale übertrumpft die Bank.

Morgan-Stanley-Verwaltungsratschef James P. Gorman: Der Gewinn bricht ein. ap

Morgan-Stanley-Verwaltungsratschef James P. Gorman: Der Gewinn bricht ein.

New YorkDer andauernde Ärger um den Verkauf von Hypotheken-Papieren vor der Finanzkrise belastet Morgan Stanley. Die US-Investmentbank legte für Rechtsstreitigkeiten weitere 1,2 Milliarden Dollar (880 Mio Euro) zurück. Das sorgte im Schlussquartal für einen Gewinneinbruch.

Morgan Stanley verdiente unterm Strich 133 Millionen Dollar, wie die von James Gorman geführte Bank am Freitag in New York mitteilte. Im Vorjahreszeitraum waren noch 568 Millionen Dollar übrig geblieben. Damit fiel Morgan Stanley deutlich hinter den großen Rivalen Goldman Sachs mit 2,2 Milliarden Dollar Gewinn zurück.

„Wir gehen weiterhin viele der rechtlichen Probleme aus der Zeit der Finanzkrise an“, sagte Bankenchef James Gorman in der Mitteilung. Zudem erwarte die Bank 2014 weitere Fortschritte bei den strategischen Zielen. In das Jahr sei die Bank mit Stärke und Schwung gestartet.

Käufer von Hypotheken-Papieren fühlen sich von Wall-Street-Häusern hinters Licht geführt. Der Vorwurf lautet, die Institute hätten die enthaltenen Hauskredite zu rosig dargestellt. In der Finanzkrise war der Wert der Papiere eingebrochen. Zuletzt zahlte die Großbank JPMorgan Chase eine Milliardenentschädigung.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

„Wir gehen weiterhin viele der rechtlichen Themen aus der Finanzkrise an“, erklärte Bankchef Gorman. Anders als der breit aufgestellte Finanzriese JPMorgan Chase konnte Morgan Stanley die Belastungen aber nur schwer durch das Tagesgeschäft ausgleichen.

Im Schlussquartal warfen die Vermögensverwaltung, der Aktienhandel und die Vorbereitung von Börsengängen mehr Geld ab; dagegen schwächelte wie bei der Konkurrenz der Handel mit Anleihen. Anleger hatten sich wegen der unklaren Geldpolitik der US-Notenbank Fed zurückgehalten.

Aufs gesamte Jahr gesehen konnte Morgan Stanley allerdings frohlocken. Für 2013 wies die Bank einen Gewinn von unterm Strich 2,8 Milliarden Dollar aus, nachdem 2012 noch ein kleiner Verlust angefallen war durch die ungünstige Neubewertung eigener Schulden. Auch die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - stiegen.

Gorman sah dies als Beleg dafür an, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Statt risikoreicher Spekulationen setzt Morgan Stanley verstärkt auf die Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden. Dieses Geschäft gilt als besonders krisenfest.

Trotz der Sonderlasten stiegen die Aktien von Morgan Stanley, die sich in den vergangenen zwölf Monaten schon um mehr als die Hälfte verteuert haben, im frühen Handel an der Wall Street um rund drei Prozent.

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