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09.09.2016

08:58 Uhr

US-Großbank

Scheinkonten bei Wells Fargo

VonFrank Wiebe

Die US-Bank muss Millionenstrafe wegen der Schädigung von Kunden zahlen. Eine wichtige Rolle dabei hat das Vergütungssystem für die Mitarbeiter gespielt. Insgesamt 5300 Banker wurden wegen ihres Fehlverhaltens gefeuert.

5300 Mitarbeiter wurden entlassen. AP

Wells Fargo

5300 Mitarbeiter wurden entlassen.

New YorkDie US-Bank Wells Fargo hat seit dem Jahr 2011 hunderttausende an Konten für Kunden eröffnet, ohne dazu deren Auftrag oder Einverständnis zu haben. Außerdem haben Bankmitarbeiter ungefragt Kreditkarten beantragt und sogar falsche Email-Adressen eröffnet, um Kunden zum Online-Banking anzumelden.

Das Bankhaus in San Francisco, das rund 40 Millionen Privatkunden hat und mehr als jeder Konkurrent in der breiten Fläche der USA vertreten ist, hat sich zur Zahlung einer Strafe von insgesamt 185 Millionen Dollar an drei US-Behörden verpflichtet. Der Löwenanteil geht mit 100 Millionen an das staatliche Büro zum Schutz der Kunden von Finanzdienstleistern (CFPB), das nach der Finanzkrise neu geschaffen wurde und in der Branche relativ unbeliebt ist. Es handelt sich um die bisher höchste Strafe dieser Behörde.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

Die Bank hat außerdem 2,6 Millionen Dollar an Gebühren an die betroffenen Kunden zurückbezahlt, rund 25 Dollar pro Konto. Sie hat sich öffentlich für die Vorfälle entschuldigt. Bank-Chef John Stumpf wandte sich mit einem Schreiben an seine Mitarbeiter und forderte: „Wenn Sie je ein Verhalten bemerken, das mit unserem Ethik-Kodex unvereinbar ist, melden Sie das bitte sofort bei Ihrem Vorgesetzten, der Personalabteilung oder dem anonymen Ethik-Telefon.“

Die Bank hat von Anfang 2011 bis März 2016 in dem Zusammenhang insgesamt 5300 Mitarbeiter gefeuert, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigte. Der Konzern hat rund 268.000 Beschäftigte. Eine große Rolle spielten bei dem Fehlverhalten die finanziellen Anreize für die Banker. Einige von ihnen fühlten sich offenbar stark unter Druck, die Zahl der Konten und Kreditkarten in ihrem Bereich zu erhöhen.

Diese Bankchefs verdienen am meisten, Teil 2

Platz 11: António Horta-Osório, Lloyds Banking Group

2015: 11 Millionen Dollar

2014: 12,9 Millionen Dollar

2013: 12,5 Millionen Dollar

Platz 12: David McKay, Royal Bank of Canada

2015: 8,8 Millionen Dollar

2014: 7,2 Millionen Dollar

2013: 12,5 Millionen Dollar

Platz 13: William Downe, Bank of Montreal

2015: 8,2 Millionen Dollar

2014: 9,1 Millionen Dollar

2013: 9,3 Millionen Dollar

Platz 14: José Álvarez, Banco Santander

2015: 7,7 Millionen Dollar

Platz 15: Jes Staley, Barclays

2015: 6,9 Millionen Dollar

Der CEO von Barclays wurde erst im Dezember 2015 angestellt. In einem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

Platz 16: Mike Smith, ANZ

2015: 6,4 Millionen Dollar

2014: 9,9 Millionen Dollar

2013: 10,4 Millionen Dollar

Platz 17: Ross McEwan, Royal Bank of Scotland

2015: 6,1 Millionen Dollar

2014: 7,4 Millionen Dollar

2013: 5,1 Millionen Dollar

Platz 18: Jürgen Fitschen, Deutsche Bank

2015: 5 Millionen Dollar

2014: 9,9 Millionen Dollar

2013: 10,6 Millionen Dollar

Platz 19: John Cryan, Deutsche Bank

2015: 4,7 Millionen Dollar

Der Chef der Deutschen Bank begann im Juli 2015, damals noch mit Co-Chef Jürgen Fitschen an seiner Seite. Mittlerweile leitet er die Bank alleine.

Platz 20: Carlos Torres, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria

2015: 4,2 Millionen Dollar

Der CEO der BBVA begann im Mai 2015.

CFPB-Direktor Richard Cordray stellt den Vorgang als warnendes Beispiel für die gesamte Branche hin: „Finanzielle Anreize können schwer wiegende rechtliche Folgen haben, wenn sie nicht mit sorgfältigen Kontrollen verbunden sind.“ Wells Fargo hat die Vorgänge mit externer Hilfe aufklären lassen und sich verpflichtet, die Kontrollen zu verbessern und die Kunden automatisch besser zu informieren – etwa bei Konto-Eröffnungen.

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Im Vergleich zu anderen Bank-Skandalen sind die Strafe und der entstandene Schaden in diesem Fall überschaubar, aber das Vorgehen der Banker ist doch ungewöhnlich dreist und lässt zudem erahnen, dass bei der Steuerung der Bank Volumen-Ziele im Vordergrund vor dem Ertrag gestanden haben. Außerdem hatte die Bank offenbar Mühe, das Fehlverhalten in den Griff zu bekommen, nachdem schon 2011 die ersten Kündigungen deswegen ausgesprochen wurden.

Nach der Finanzkrise mussten in den USA tätige Banken bis zu zweistellige Milliardenstrafen zahlen, vor allem wegen der Vergabe problematischer Immobilienkredite. Wells Fargo kam hierbei glimpflicher davon als einige Konkurrenten wie JP Morgan oder Bank of America, hat aber Anfang des Jahres in dem Zusammenhang 1,2 Milliarden Dollar gezahlt.

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