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23.12.2016

10:43 Uhr

US-Hypothekenstreit

Barclays geht entschlossen auf die Barrikaden

VonKerstin Leitel

Im Gegensatz zu Deutscher Bank und Credit Suisse will Barclays offenbar nicht die von den US-Justizbehörden geforderte Milliardenstrafe für umstrittene Hypothekenpapiere zahlen. Die Bank will „sich zur Wehr setzen“.

Die Bank bietet den US-Behörden erneut die Stirn. Reuters

Barclays-Institut in London

Die Bank bietet den US-Behörden erneut die Stirn.

LondonAnders als die Deutsche Bank, kann Barclays keinen Schlussstrich im Hypothekenstreit machen. Das amerikanische Justizministerium verklagt die Bank und zwei ihrer Manager wegen der Papiere, die sie auf dem Höhepunkt der US-Immobilienblase verkauft haben. Nach Ansicht der Behörde hat Barclays zwischen 2005 und 2007 mit Immobilien besicherte Papiere im Wert von 31 Milliarden Dollar verkauft.

Die Investoren und Ratingagenturen seien dabei über die Kriterien für die Auswahl der Kredite getäuscht worden. Milliardenschwere Kredite mit „schweren Mängeln“ seien ausgereicht worden, heißt es in der Klageschrift. Barclays habe auch Kredite an Kunden ausgegeben, obwohl sie gewusst habe, dass diese sie nicht bedienen könnten. Die Bank weist die Vorwürfe zurück: Die Anschuldigungen „stimmen nicht mit den Fakten überein“, und man werde sich gegen die Klage „entschlossen zur Wehr setzen“, hieß es.

Hohe Strafen gegen Banken (eine Auswahl)

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: Dezember 2016)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

BNP Paribas – 9 Milliarden Dollar

Juni 2014

Es ist die höchste je verhängte Strafe für eine europäische Bank: Wegen Verstößen gegen US-Sanktionen muss die französische Großbank BNP Paribas fast neun Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen. Die Behörden werfen der Bank vor, bei einigen Geschäften amerikanische Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba gebrochen zu haben.

Deutsche Bank - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Deutsche Bank einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar (3,92 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher, das könnte zum Beispiel in Form von Zinsnachlässen erfolgen.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Credit Suisse einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 2,5 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 2,8 Milliarden Dollar (2,68 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar

März 2015

Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Damit sind die Verhandlungen über eine Strafzahlung offenbar gescheitert – anders als bei der Deutschen Bank. Diese hatte in der Nacht auf Freitag erklärt, mit dem US-Justizministerium einen Vergleich erzielt zu haben. Mit einer Strafzahlung von 3,1 Milliarden Dollar legt das deutsche Geldhaus seinen Hypothekenstreit in den USA bei. Zudem stellt die Deutsche Bank 4,1 Milliarden Dollar für Kundenentschädigungen zur Verfügung. Insgesamt kommt das Institut damit auf eine Summe von über sieben Milliarden Dollar. Credit Suisse teilte am Freitag ebenfalls mit, den Streit mit den US-Behörden gegen eine Zahlung von 5,3 Milliarden Dollar beigelegt zu haben.

Barclays hätte mit Blick auf diese Summen mit einer deutlich geringeren Strafe von einer Milliarde Dollar gerechnet sowie eine Milliarde für Entschädigungen und wäre bereit gewesen, insgesamt zwei Milliarden Dollar zu zahlen, berichtet die „Financial Times“ am Freitag. Schließlich habe Barclays wesentlich weniger Hypothekenpapiere ausgegeben als andere Institute und Barclays-Kunden hätten mit den Papieren letztlich geringere Verluste erlitten als die der Konkurrenz. Zudem habe Barclays sogar Papiere aus diesen Transaktionen auf die eigenen Bücher genommen und so ebenfalls Verluste erlitten. Doch zwei Milliarden hätten dem US-Justizministerium nicht gereicht: Dort habe man eher eine Summe in Richtung von fünf Milliarden erwartet.

Angeblicher Hypothekenschwindel: US-Justizministerium verklagt Barclays

Angeblicher Hypothekenschwindel

US-Justizministerium verklagt Barclays

Unverantwortlich und unehrlich sei Barclays laut Loretta Lynch mit Investoren umgegangen. Das US-Justizministerium hat das Geldhaus nun wegen betrügerischer Hypothekengeschäfte angeklagt. Die Bank kündigte Widerstand an.

Die Verhandlungen platzten also – und die US-Behörde legte Klage ein. Um welche Summe es vor Gericht gehen soll, ist nicht bekannt.

Barclays hatte den US-Behörden schon einmal die Stirn geboten: 2014 war die britische Bank aus einem Konsortium von sieben Banken ausgeschert, die mit den britischen und amerikanischen Behörden einen Vergleich über die Manipulation von Devisenkursen schließen wollten. Letztlich hatte Barclays dennoch die Rekordsumme von 2,38 Milliarden Dollar Strafe zahlen müssen. Diesmal will es Barclays-Chef James Staley offenbar auf einen Gerichtsstreit ankommen lassen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.12.2016, 14:03 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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