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23.12.2016

12:20 Uhr

US-Hypothekenstreit

Credit Suisse muss mehr als fünf Milliarden Dollar zahlen

Nach der Deutschen Bank hat auch die Credit Suisse kurz vor Weihnachten ihren Hypothekenstreit in den USA mit einem Milliardenvergleich beendet. Die Bank entrichtet die Entschädigung über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Der Hypothekenstreit kommt der Credit Suisse teuer zu stehen. Reuters

Einigung

Der Hypothekenstreit kommt der Credit Suisse teuer zu stehen.

ZürichDie USA brummen der Credit Suisse die höchste Strafe in der Schweizer Bankengeschichte auf. Tricksereien mit Hypotheken kosten die zweitgrößte Bank des Landes insgesamt 5,3 Milliarden Dollar. Die über den Erwartungen von Analysten liegende Belastung dürfte dem Institut zum zweiten Mal in Folge einen Jahresverlust einbrocken. Zudem wirft die Strafe Konzernchef Tidjane Thiam bei seinen Bemühungen zurück, die Bilanz zu stärken, denn sie übersteigt die Rückstellungen für Altlasten bei weitem. Immerhin dürfte die Credit Suisse Experten zufolge ohne eine weitere Kapitalerhöhung über die Runden kommen.

In einem ersten Schritt muss die Bank eine Geldbuße von 2,48 Milliarden Dollar an das US-Justizministerium überweisen. Dem in der Nacht auf Freitag ausgehandelten Vergleich zufolge kommen über einen Zeitraum von fünf Jahren dann noch Entschädigungen an die Verbraucher von nochmals 2,8 Milliarden Dollar dazu. Unklar blieb zunächst, wie diese Entschädigungen ausgestaltet sind. Die Grundsatzvereinbarung müsse noch unterschrieben und vom Credit-Suisse-Verwaltungsrat genehmigt werden - Experten halten das aber für eine Formsache. Beide Seiten dürften ein Interesse an einem schnellen Abschluss haben, denn der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar könnte einen Deal zu den bestehenden Eckwerten zumindest verzögern.

Hohe Strafen gegen Banken (eine Auswahl)

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: Dezember 2016)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

BNP Paribas – 9 Milliarden Dollar

Juni 2014

Es ist die höchste je verhängte Strafe für eine europäische Bank: Wegen Verstößen gegen US-Sanktionen muss die französische Großbank BNP Paribas fast neun Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen. Die Behörden werfen der Bank vor, bei einigen Geschäften amerikanische Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba gebrochen zu haben.

Deutsche Bank - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Deutsche Bank einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar (3,92 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher, das könnte zum Beispiel in Form von Zinsnachlässen erfolgen.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Credit Suisse einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 2,5 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 2,8 Milliarden Dollar (2,68 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar

März 2015

Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Die Gesamtrechnung, die Credit Suisse für die Fehler in den Jahren bis 2007 begleichen muss, liegt über den Erwartungen von Vontobel-Analyst Andreas Venditti. Reuters vorliegenden Informationen zufolge hatten die Amerikaner zunächst eine Zahlung von fünf bis sieben Milliarden Dollar gefordert, gegen die sich die Bank Insidern zufolge wochenlang gewehrt hatte. Doch offenbar zog es das Geldhaus schließlich doch vor, die bittere Pille einer weiteren Milliarden-Zahlung zu schlucken statt eine im Raum stehende Klage zu riskieren. Einen anderen Weg beschritt die britische Barclays, gegen die das Justizministerium nun Klage erhob. Die Deutsche Bank setzt wie die Credit Suisse auf eine einvernehmliche Lösung, die sie mehr als sieben Milliarden Dollar kostet.

Mit der UBS, Royal Bank of Scotland, HSBC und Wells Fargo stehen weitere internationale Geldhäuser im Visier der Amerikaner. Eine ganze Reihe von anderen US-Instituten konnte das Thema gegen Zahlungen von insgesamt mehreren Dutzend Milliarden Dollar bereits abhaken. Viele Großbanken vergaben Hypotheken an mittellose Familien und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Der Kollaps dieses Marktes im Jahr 2007 war ein Auslöser der Finanzkrise. Dank einer entschlosseneren Restrukturierung und einer raschen Erholung des Heimmarktes holten die amerikanischen Banken auch bezüglich der Wetterfestigkeit ihrer Bilanzen aber einen Vorsprung auf die Europäer heraus.

Die Credit Suisse muss statt der angepeilten Verbesserung der Kernkapitalquote erst mal einen Rückschlag hinnehmen. Denn die Rückstellungen für sämtliche Rechtsstreitigkeiten beliefen sich Ende 2015 auf 1,6 Milliarden Franken. Im November hatte die Bank weitere 357 Millionen Franken vorgemerkt. Das reicht nicht, sodass Credit Suisse im Schlussquartal 2016 weitere zwei Milliarden Franken beiseite legen muss. Immerhin bleibt der Bank wohl ein erneuter Bittgang zu den Aktionären erspart. "Dieser Vergleich beseitigt die größte verbleibende Unsicherheit, ohne dass weitere Kapitalmaßnahmen notwendig sind", erklärte KeplerCheuvreux-Analyst Peter Casanova. An der Börse sanken die Credit-Suisse-Aktien trotz der hohen Strafe lediglich um 0,9 Prozent.

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Auch wenn Credit Suisse nun keine explizite Kapitalerhöhung anpeilt, dürfte der für 2017 angepeilte Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts zum gleichen Ergebnis führen - einer Stärkung der Bilanz. Ende 2015 sammelte das Institut mit einer Kapitalerhöhung bereits sechs Milliarden Franken ein. Konzernchef Thiam hat sich zum Ziel gesetzt, die Credit Suisse sicherer zu machen und will den schwankungsanfälligen Wertpapier-Handel zugunsten der stabileren Vermögensverwaltung stutzen. Regelverstöße, die in die Amtszeit von Thiams Vorgänger fallen, hat die Bank bereits teuer bezahlt. 2014 hatte das Institut wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung amerikanischer Kunden 2,8 Milliarden Dollar abgedrückt, bis dahin ein Rekord in der Schweizer Bankbranche. Beide Strafen fallen in die Amtszeit von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Kommentare (2)

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Herr Manfred Carter

23.12.2016, 09:48 Uhr

"Die Deutsche Bank spart mit einem Schlag sieben Milliarden Dollar." Dieser Satz ist der Brüller des Jahres. Wenn eine völlig überzogene Forderung auf ein halbwegs realistisches Maß zurückgenommen wird, hat das doch nichts mit SPAREN zu tun.

Account gelöscht!

23.12.2016, 14:02 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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