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20.12.2013

14:46 Uhr

US-Hypothekenstreit

Deutsche Bank büßt mit mehr als einer Milliarde

Fannie Mae und Freddie Mac lassen grüßen: Die Deutsche Bank einigt sich kurz vor Weihnachten auf einen Milliardenvergleich mit der US-Wohnungsbehörde. Die Zahlung soll bereits in den Rückstellungen berücksichtigt sein.

Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt: Kurz vor Weihnachten hat das Geldhaus den nach eigenen Angaben größten Hypothekenstreit mit einer Milliardenzahlung beendet. Reuters

Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt: Kurz vor Weihnachten hat das Geldhaus den nach eigenen Angaben größten Hypothekenstreit mit einer Milliardenzahlung beendet.

FrankfurtIm Streit um Hypothekenkredite hat sich die Deutsche Bank mit der US-Wohnungsbehörde FHFA geeinigt. Das Geldhaus zahlt im Zuge der Vereinbarung 1,4 Milliarden Euro, wie die Bank am Freitag mitteilte. Damit werde der größte einzelne Rechtsstreit im Zusammenhang mit Hypothekenkrediten beigelegt.

Die Vergleichssumme sei „bereits weitestgehend in den existierenden Rückstellungen der Bank für Rechtsstreitigkeiten berücksichtigt“, heißt es in der Mitteilung. Es seien keine zusätzlichen materiellen Rückstellungen für den Vergleich erforderlich.

Jürgen Fitschen und Anshu Jain, die Co-Chefs der Deutschen Bank, sagten laut Mitteilung: „Die heutige Vereinbarung ist ein weiterer Schritt, die Altlasten der Bank zu bereinigen. Wir beabsichtigen, in dieser Hinsicht 2014 weitere Fortschritte zu erzielen.“

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

Kirch

Die Bank ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts München mitverantwortlich für die Pleite des Medienkonzerns im Jahr 2002. Grund ist ein Interview des damaligen Bankchefs Rolf Breuer, in dem dieser Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit gesät hatte. Anfang 2014 einigten sich die Streitparteien in einem Vergleich zwar auf Schadenersatz von 925 Millionen Euro (1,23 Milliarden US-Dollar). Doch die strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Spitzenmanager der Bank wegen versuchten Prozessbetrugs liefen weiter. Die Staatsanwaltschaft München erhob schließlich Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie die früheren Spitzenmanager Josef Ackermann, Rolf Breuer und Clemens Börsig.

Prozessauftakt war im April 2015, das Verfahren zog sich hin. In seiner Urteilsverkündung vom 25. April 2016 hat das Landgericht München die Manager und auch die Bank freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision ein. Die weiteren Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang dauern noch an.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Die US-Behörde hatte der Deutschen Bank und 17 weiteren Instituten vorgeworfen, beim Verkauf von verbrieften Hypotheken-Papieren an die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac falsche Angaben zur Qualität der dahinterstehenden Kredite gemacht zu haben. Die FHFA, der Fannie Mae und Freddie Mac unterstehen, hatte den daraus entstandenen Schaden auf 200 Milliarden Dollar beziffert.

Die 18 Banken, darunter auch Barclays, Bank of America, Goldman Sachs, JP Morgan sowie Credit Suisse, waren 2011 von der FHFA verklagt worden. Die Schweizer UBS war in einem Musterprozess mit der Argumentation abgeblitzt, dass die Klage erst nach Ablauf einer dreijährigen Verjährungsfrist eingereicht worden sei. Daraufhin hatte sich die Großbank auf einen 885 Millionen Dollar schweren Vergleich eingelassen. Die anderen Banken hatten erklärt, das Urteil betreffe auch sie und darum ersucht, Berufung einlegen zu dürfen. Das verweigerte ihnen der Oberste Gerichtshof der USA Anfang Oktober.

Kommentare (8)

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Uli

20.12.2013, 15:39 Uhr

Es ist einfach Wahnsinn wie viel Dreck diese Banken am Stecken haben, und das hat absolut nichts mit Bankbashing zu tun. Diese Manager sitzen da, spekulieren und zocken mit allem was der Welt weh tun kann ( Rohstoffe, Nahrungsmittel aber auch Häuslebauerkredten )sie manipulieren mit ihren Hochfrequenzcomputern die Weltmärkte und Börsen, sie betrügen wenn es um die Feststellung der Referenzkurse geht ( Libor etc. ) sie schwimmen im Geld und zahlen unmoralisch hohe Gehälter an die Akteure, sie verdienen mit dem Investmentbanking so viel Geld, daß sie Milliarden Euro Strafen einfach so wegstecken, sie bezahlen großen US Rechtsanwaltskanzleien viele hundert Millionen Euro Beratungs- und Anwaltskosten jedes Jahr, aber sie gewähren einem kleinen Mann der sich selbstständig machen möchte keinen Existenzgründerkredit von 50.000.- Euro wenn er dafür nicht sein Eigenheim im Wert von 150.000.- Euro verpfändet, sie scheuen sich nicht Kleinanlegern die Sparverträge zu kürzen ( Sparkasse Ulm ) wenn sie dafür nun 3,5 % Zinsen zahlen sollen, die sie angeblich nicht erwirtschaften können. Es ist zum Heulen. Wo sind die Banker geblieben, die mit Augenmaß Sorge dafür getragen haben, daß Leute wie Grundig oder Hipp oder Fielmann ihre Geschäfte aufbauen konnten um heut 100 tausenden von Leuten Arbeit und Brot zu geben. Diese Banken handeln mit etwas was es nicht gibt ( Derivate ) zu Preisen die sie selbst manipulieren, sie sind zu einer Geissel der Gesellschaft geworden und müssen nun endlich in ihre Schranken verwiesen werden. Es gib dafür nur einen einzigen Weg, da Strafzahlungen nicht nutzen: Persönliche Haftung der Akteure in Vorstand und Aufsichtsrat und zwar eine die nicht durch eine Direktors Liability Versicherung gedeckt werden kann. Dem immensen Verdienstchancen muß auch ein adäquates Maß an persönlicher Haftung gegenüberstehen und dann muß halt auch mal die Villa am Starnberger See dran glauben. Manager die so handeln gehören an den klassischen Pranger gestellt. Pfui Teufel!

Dike

20.12.2013, 16:02 Uhr

Moderner Ablasshandel - mit Büßen, Einsicht und Besinnung hat das wirklich nichts zu tun.

whisky

20.12.2013, 16:25 Uhr

Um was im (Bank-)Managment "zu werden", wird ein gehörig Maß an krimineller Energie Voraussetzung sein.

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