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16.07.2013

14:40 Uhr

US-Investmentbank

Die Goldmänner verdoppeln den Gewinn

Die Investmentbank Goldman Sachs gilt als Krake des Finanzwesens. Konzernchef Lloyd Blankfein kämpft gegen negative Schlagzeilen, ein aktueller Prozess erschwert das. Doch Blankfein kann gute Geschäftszahlen vorweisen.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Er kämpft um die Reputation der Bank – seit dem Jahreswechsel mit Bart. Reuters

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Er kämpft um die Reputation der Bank – seit dem Jahreswechsel mit Bart.

Düsseldorf/New YorkEine lapsige Bemerkung am Rande eines Zeitungsinterviews vor einigen Jahren hatte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein einmal den letzten Nerv gekostet. Er werde weiter Gottes Arbeit verrichten, hatte er gesagt – die Aussage wurde ihm als absolute Überheblichkeit ausgelegt. Das ist kein Wunder bei einer Bank, die wie keine zweite für ein gigantisches Netzwerk mit besten Kontakten in Wirtschafts- und Regierungskreise steht und für manche Verschwörungstheorie gut ist. Doch seitdem ist viel Zeit vergangen.

Fest steht: Goldman Sachs ist weiterhin eine kühl rechnende Investmentbank: In den zurückliegenden drei Monaten hat das Institut den Gewinn auf 1,86 Milliarden Dollar (1,43 Milliarden Euro) gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, wie es am Dienstag mitteilte. Kleine Privatkunden braucht die Bank nicht, sie dreht die großen Deals. Der Handel auf eigene Rechnung ist zwar ad acta gelegt, aber auch ohne läuft das Geschäft mit Derivaten, Aktien und Anleihen rund. Auch höhere Kapitalvorgaben durch US-Behörden wird das Haus verkraften.

Die Einnahmen kletterten ebenfalls in die Höhe auf 8,61 Milliarden Dollar. Der Gewinnsprung ist unter anderem Ergebnis eines im vergangenen Jahr beendeten Sparprogramms in Zuge dessen Arbeitsplätze etwa an Standorte wie Bangalore und Salt Lake City verlegt wurden. Blankfein sprach von einem soliden Ergebnis. Die konjunkturelle Erholung in den USA habe zu einer verstärkten Nachfrage der Kunden geführt. Die Sparte, die das eigene Kapital an den Märkten anlegt, wies Quartalseinnahmen von 1,42 Milliarden Dollar aus, nachdem es im Jahr zuvor nur 203 Millionen waren. Im Investmentbanking erhöhten sich die Erträge um 29 Prozent auf 1,55 Milliarden Dollar.

Neben der Rendite sprechen die Manager öffentlich mittlerweile sehr viel mehr über ihre Außendarstellung und die Wahrnehmung jenseits der Wall Street. Um echten Wert auch für die Aktionäre zu schaffen, müssten die Marke, der Ruf und die Kunden viel deutlicher im Fokus steht, sagt etwa Blankfein. Die Financial Times zitiert einen Manager: „Wir wissen, dass wir uns mit dem Mensch auf der Straße auseinander setzen müssen, auch wenn das nicht unsere Kunden sind.“

Zwar muss Goldman nicht jedermanns liebstes Kind sein und kann durchaus verkraften, als „Krake“ zu gelten. Aber vor allem Politiker orientieren sich an der Wahrnehmung der großen Banken in der Bevölkerung. Doch der Masse bleibt die Arbeit der Investmentbanken schlicht unverständlich.

Das zeigt sich etwa im Prozess gegen den Ex-Goldman-Händler Fabrice Tourre, der am Montag in New York begann. Die Richterin bat darum, keine Bank-Ausdrücke zu verwenden. Komplizierte Derivate seien für Normalsterbliche einfach nur Kauderwelsch. Tourre war der Konstrukteur eines Wertpapiers, von dem dessen Käufer nicht wussten, dass ein Hedgefonds gegen die Entwicklung des Portfolios wettete. Dabei hatte eben jener Hedgefonds sogar bei der Auswahl der gebündelte Papiere Goldman Sachs beraten.

Die SEC will den Händler als Prototyp dessen darstellen, was an der Wall Street falsch lief und läuft. Für seine Anwältin ist er dagegen nur ein Sündenbock. Er habe niemanden täuschen wollen, entgegnete sie am Montag. Das Anwaltsteam wird von Goldman Sachs bezahlt, obwohl die Bank bereits – ohne Schuldanerkenntnis – vor drei Jahren 550 Millionen Dollar an Strafe gezahlt. Davon waren 150 Millionen Dollar an die deutsche Förderbank KfW geflossen, die der gestrauchelten IKB zur Hilfe geeilt war. Die IKB hatte in großem Stil in das Goldman-Papier investiert.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

16.07.2013, 14:44 Uhr

Wenn die Fed nicht nur als Retter in der Not dahinter steht,sondern in "enge Abstimmung" mit den Big Five steht, kann man die größten Risikogeschäfte fahren. Auf diese Art Gewinne zu generieren ist keine Kunst. GS ist Teil der Finazelite die die Welt führt. Der Vergleich mit Gott war deshalb kein ein Ausdruck von Überheblichkeit gewesen. Diese Menschen bestimmen was in der Welt passiert, und glauben tatsächlich, es wäre Ihr legitimes Recht.

bloody-sunday

16.07.2013, 14:51 Uhr

Was von Vielen über Jahrzehnte gemeinsam, mühsam, und durch harte produktive Arbeit erschaffen und erkämpft wurde, wird von Wenigen leichtfertig, mutwillig, habgierig und in kürzester Zeit zerstört und vernichtet => nämlich von Goldman Sachs und den anderen, an diesem Geldsystem beteiligten Investmentverwaltern und Privatinvestoren.
Kapitalismus bedeutet mit Geld noch viel mehr Geld zu „erschaffen“, aus dem Nichts, ohne produktive Arbeit, ohne Kreativität und eigene Fähigkeiten, Talente und Können.
Im marktradikalen Kapitalismus und Wirtschaftsleben gewinnen IMMER narzistisch veranlagte Psychopathen, während Moralisten und empathische Altruisten in diesem System untergehen müssen. Tanzt Ihr ruhig weiter um's „Goldene Kalb“, denn bald ist Schlachttag für's Großkapital!

bernardo

16.07.2013, 14:53 Uhr

Bereits bei der Gründung der FED vor ca. 100 Jahren war die erklärte oder vertuschte Absicht, Verluste der Grossbanken zu privatisieren und Gewinne zu sozialisieren.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden? ;-)

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