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18.01.2012

16:03 Uhr

US-Investmentbank

Goldman kappt nach Gewinneinbruch die Boni

Die US-Investmentbank leidet unter den Finanz-Turbulenzen. Weil der Gewinn angesichts der Schuldenkrise eingebrochen ist, müssen die Mitarbeiter nun auf Gehalt verzichten. Am Hungertuch nagen sie indes noch lange nicht.

Der Goldrausch für Investmentbanken ist vorbei. Reuters

Der Goldrausch für Investmentbanken ist vorbei.

New YorkDie Kapriolen auf den Kapitalmärkten schlagen mit voller Wucht auf die US-Investmentbank Goldman Sachs durch. Im vergangenen Jahr ist der Gewinn des legendären Wall-Street-Hauses regelrecht eingebrochen. Die hoch bezahlten Banker merken das am eigenen Leibe: Ihre Boni sinken um Zehntausende Dollar.

Ein Goldman-Banker trägt für das vergangene Jahr im Schnitt 367 000 Dollar nach Hause, wie aus der am Mittwoch in New York vorgelegten Bilanz hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es noch rund
431 000 Dollar. Doch selbst mit dem abgespeckten Gehalt gehören die Goldman-Beschäftigten zu den absoluten Spitzenverdienern an der Wall Street.

Die Bank selbst indes fällt hinter so manchen Konkurrenten zurück. Der Jahresgewinn ist um 67 Prozent auf unterm Strich 2,5 Milliarden Dollar geschrumpft (1,9 Mrd Euro). Dabei wird Goldman nicht nur von den Folgen der europäischen Schuldenkrise eingeholt.

Die Stärken und Schwächen von Goldman Sachs

Wo das Institut gut abschneidet - und wo nicht

Strenge Regulierung und ein schlechtes Image belasten die Bank. Doch Goldman Sachs gilt immer noch als einer der begehrtesten Arbeitgeber der Branche.

Stärke: Die besten Talente

Goldman Sachs gilt unter jungen Collegeabsolventen, die es in die glitzernde Welt der Wall Street zieht, als Wunschadresse. Nicht nur wegen der Traumgehälter – trotz eines drastischen Rückgangs im dritten Quartal kommt jeder Mitarbeiter durchschnittlich auf knapp 300.000 Dollar pro Jahr. Auch der legendäre Ruf der Investmentbank ist ein starker Anreiz: Niemand schafft es derart clever, so heißt es, aus jeder noch so kleinen Marktbewegung Profite zu ziehen, von flauen Quartalen wie dem vergangenen mal abgesehen. In der Finanzwelt gilt: Wer das harte Auswahlverfahren bei Goldman Sachs überlebt, der hat es geschafft.

Stärke: Die Kunden

Wie kaum eine andere Bank kann Goldman Sachs auf ein riesiges Netzwerk langjähriger, treuer und zahlungskräftiger Kunden zurückgreifen. Wer einen Konkurrenten übernehmen, an die Börse gehen oder sein privates Vermögen anlegen will, der lässt sich gerne von Lloyd Blankfeins Truppe beraten. Zwar ging es zwischen der Bank und ihren Kunden nicht immer friedlich zu. Einige etwa waren höchst verärgert, als im vergangenen Jahr der Vorwurf laut wurde, Goldman habe während der Finanzkrise auf eigene Rechnung gegen Klienten spekuliert. Andere störten sich am zweifelhaften Ruf der Bank in Öffentlichkeit und Politik. Doch trotz alledem: Umfragen unter Kunden haben ergeben, dass viele zwar skeptisch sind – im Zweifel aber trotzdem ihr Geld zu Goldman Sachs tragen.

Stärke: Verdrahtung in der Politik

Hier ist Goldman Sachs Meister. Angesichts der vielen Banker, die in die Politik wechselten und umgekehrt, redet die Finanzwelt von einer „Drehtür“ zwischen Goldman und den Fluren der Macht. Der ehemalige US-Finanzminister Hank Paulson, der in der Finanzkrise zahllose Banken rettete und Lehman Brothers fallenließ, war zuvor Goldman-Chef. Auch Vorgänger Robert Rubin war einst Goldman-Vorstand. Ebenso wie der künftige EZB-Präsident Mario Draghi und Weltbank-Chef Robert Zoellick. Ganz zu schweigen von den vielen Beamten in den US-Behörden. Die Liste ist lang.

Schwäche: Strenge Regulierung

Nach der Finanzkrise haben Regierungen in aller Welt damit begonnen, neue Beschränkungen für die Branche zu erlassen. So müssen die Banken künftig mehr Kapital vorhalten (Basel III) und sich strengeren Regeln bei der Kundenberatung unterwerfen. Von einem Gesetzespaket ist aber besonders Goldman Sachs betroffen: der Volcker-Rule. Das knapp 300 Seiten starke Regelwerk, benannt nach dem früheren US-Finanzminister und heutigem Obama-Berater, verbietet in erster Linie den Eigenhandel und beschränkt die Risiken, die Banken eingehen dürfen. Während Vollbanken die neuen Regeln etwa durch ihr klassisches Bankgeschäft ausgleichen können, hat Goldman Sachs als Investmentbank ein Problem, da sie gerade in turbulenten Zeiten hier besonders viel Spekulationsgewinne abschöpfen konnte. Als Folge der bald in Kraft tretenden Volcker-Rule hat die Goldman den Eigenhandel bereits fast vollständig abgewickelt.

Schwäche: Abhängigkeit vom Kapitalmarkt

Das Geschäftsmodell hat eine weitere negative Folge: Goldman Sachs ist mangels stabilisierenden Privatkundengeschäfts von den Launen der Investoren weltweit abhängig. Das zeigte sich zuletzt auch im dritten Quartal: Die Schuldenkrise in Europa und die Ungewissheit über die US-Konjunktur ließen die Anleger zögern - und Goldmans Einnahmen einbrechen. Die Marktverwerfungen dezimierten auch den Wert von Beteiligungen, etwa an der chinesischen Bank ICBC.

Schwäche: Zweifelhafter Ruf

So legendär der Ruf von Goldman Sachs in der Branche ist – in Öffentlichkeit und Politik ist er es nicht. Gerade wegen ihres Erfolges gilt die Investmentbank in den Augen vieler als Verkörperung von Gier und gewissenloser Spekulation. Oft zitiert wird der inzwischen legendäre Satz des „Rolling Stone“-Autor Matt Tiabbi, Goldman sei „eine Vampirkrake im Antlitz der Menschheit“. Angesichts von Kritiken wie dieser sah sich  Bankchef Blankfein 2010 dazu gezwungen, die Aktionäre zu beschwichtigen: Goldman wette nicht gegen die Kundeninteressen und spekuliere auch nicht wild an den Märkten herum.

Die Wall-Street-Größe hatte im Jahresverlauf auch noch ihre Schulden bei Starinvestor Warren Buffett beglichen, was zusätzlich am Gewinn knabberte.

Immerhin lief es gegen Jahresende wieder etwas besser. Nachdem Goldman im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht war, verdiente die Bank im vierten Quartal unterm Strich eine knappe Milliarde Dollar. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Insofern stieg die Aktie in New York vorbörslich um 1 Prozent.

Bankchef Lloyd Blankfein räumte ein, dass das vergangene Jahr schwierig gewesen sei. Er machte gleichzeitig aber Hoffnung, dass die Saure-Gurken-Zeit langsam vorbei ist. Es gäbe „ermutigende Zeichen“, dass sich die Wirtschaft und der Markt erhole, erklärte er.

Kommentare (3)

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18.01.2012, 14:33 Uhr

Die Märkte gehen rauf, die Märkte gehen runter. Aber eins ist sicher - wir verdienen immer richtig Kohle dabei !

Account gelöscht!

18.01.2012, 15:47 Uhr

Na und?Die werden in ein Paar Jahren,so richtig durch die Decke gehen,weil Goldman die ganze Eurorettung organisiert.
Mario Drgahi-EZB Chef
Lucas Papademos-regiert Griechenland
Petros Christodoulou-Chef der Schuldenagentur in Athen
Mario Monti-regiert Italien
Antonio Borges-IWF Europa Chef(bis vor kurzem)
Peter Sutherland-hat das Irland-Paket organisiert
Otmar Issing-Goldman Berater seit kurzem,ex Bundesbank
usw.

Account gelöscht!

18.01.2012, 18:51 Uhr

Hier arbeiten nur Jungs die es richtig drauf haben, und auch aus Scheiße Gold machen können !!!

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