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20.05.2015

16:21 Uhr

US-Justizbehörden

Milliardenstrafen für Banken wegen Devisenmanipulation

Für Großbanken gehört es fast schon zum Alltag, Milliardenstrafen zu verbuchen. Diesmal trifft es sechs internationale Geldhäuser, deren Händler vor allem Devisenkurse manipuliert hatten – zum Schaden ihrer eigenen Kunden.

Die britische Großbank zählt zu den Beschuldigten bei Devisenmarkt-Manipulationen. dpa

Barclays-Geldautomaten

Die britische Großbank zählt zu den Beschuldigten bei Devisenmarkt-Manipulationen.

New YorkEs ist eine fragwürdige, aber von einigen Währungshändlern offenbar gern eingesetzte Methode: Wissen über Kauf- und Verkaufspläne von Kunden auszunutzen, um für sich Vorteile zu erzielen. Frontrunning heißt das im Branchenjargon. Und eine Reihe von Devisenexperten hat kein Geheimnis aus dieser Arbeitsweise gemacht. „Ich habe heute bei jeder Offerte zu Dollar-Yen und Euro-Yen Frontrunning betrieben“, schreibt einer. „Nennt mich Legende. Frontrunning-Legende“, fordert ein anderer.

Die illegalen Absprachen ziehen jetzt hohe Strafen nach sich. US- und britische Behörden verhängten am Mittwoch Strafen in Höhe von annähernd sechs Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro) gegen sechs Banken. Fünf von ihnen legten ein Schuldanerkenntnis wegen der Manipulation der Devisenkurse ab. Die Schweizer UBS kommt wegen einer Kronzeugenregelung im Devisen-Fall ungeschoren davon, muss aber wegen Manipulation von Zinssätzen zahlen. An die US-Notenbank Fed muss UBS 342 Millionen Dollar dafür zahlen, dass die internen Kontrollen versagt haben.

Die Devisentricks der Banken – und was sie nun kosten

Der Hintergrund

Im weltweiten Skandal um manipulierte Devisenkurse wollen die Regulierer erneut einige Großbanken zur Kasse bitten. Als erstes traf es am Mittwoch wieder einmal die Schweizer UBS, im Tagesverlauf dürften weitere Institute aus Großbritannien und den USA folgen. Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass Händler der Institute versucht haben, an wichtigen Wechselkursen zu schrauben, um Gewinne einzustreichen. Der Devisenmarkt ist billionenschwer und wurde in der Vergangenheit kaum überwacht.

Welche Banken sind aktuell betroffen?

Insidern zufolge wird in Kürze ein milliardenschwerer Vergleich bekanntgegeben, den an vorderster Front das US-Justizministerium eingefädelt hat. Betroffen sind demnach neben der UBS auch Barclays, Royal Bank of Scotland, JP Morgan und Citigroup. Die UBS gab ihren Teil der Strafe bereits am Morgen bekannt: Sie muss wegen Tricksereien am Devisenmarkt weitere 342 Millionen Dollar abdrücken. Das ist vergleichsweise wenig, was daran liegt, dass die Schweizer quasi als Kronzeuge in dem Fall auftraten.

Gab es bereits Vergleiche in der Affäre?

Ja. Im vergangenen November hatte es einen ersten Gruppenvergleich gegeben: Aufseher in Großbritannien, den USA und der Schweiz brummten sechs Geldhäusern eine Strafe von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar auf. Einige Banken, die jetzt zahlen müssen, waren schon damals Teil des Vergleichs - der allerdings mit anderen Behörden geschlossen wurde: UBS (die auch hier als erste auspackte), RBS, JP Morgan und Citigroup. Zudem wurden HSBC und Bank of America zur Kasse gebeten. Barclays scherte damals auf den letzten Metern aus - die britische Großbank wollte eine umfangreiche Einigung mit mehr US-Behörden, insbesondere der New Yorker Finanzaufsicht DFS von „Bankenschreck“ Benjamin Lawsky.

Warum ist die Deutsche Bank nicht dabei?

Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler der Welt. Dennoch war sie bislang an keinem Vergleich beteiligt. Nach offiziellem Bekunden sieht sich Deutschlands größtes Geldhaus bei den Tricksereien nicht an vorderster Front. Die Bank startete zur Aufklärung der Affäre aber eine interne Untersuchung. Laut Aufsichtsratskreisen gab es bislang keine Hinweise auf Tricksereien bei den wichtigsten Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen, wohl aber beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden deshalb entlassen oder beurlaubt. Auch Credit Suisse, die Nummer zwei in der Schweiz, sieht sich höchstens am Rande in den Devisenskandal verwickelt.

Sind auch andere deutsche Banken beteiligt?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin erklärte vor einem Jahr, bei mehreren deutschen Geldhäusern liefen interne Devisen-Untersuchungen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Schlagzeilen machte die Commerzbank, die zwei Devisenhändler vor die Tür setzte, die versucht haben sollen den Wechselkurs des polnischen Zloty zu manipulieren.

An welchen Fronten droht weiter ärger?

Unberührt von den bisherigen Vergleichen sind mögliche strafrechtliche Ermittlungen gegen Einzelpersonen. Außerdem drohen im äußersten Fall Schadenersatzklagen von Investoren, wenn sie sich durch die Banken getäuscht sehen. Frühere Schuldeingeständnisse könnten hier eine Rolle spielen. Auch die EU-Kommission kann eigene Bußgelder in der Sache verhängen. Die Behörde in Brüssel ermittelt noch.

Die weiteren bestraften Banken sind Citigroup, JP Morgan, Barclays und die Royal Bank of Scotland. In der Einigung mit dem US-Justizministerium bekannten sie sich zu Manipulationen des Wechselkurses von US-Dollar und Euro. Die beschuldigten Händler hatten sich selbst als „Das Kartell“ in Chatrooms bezeichnet. „Durch die Absprache zu gewissen Zeiten nicht zu kaufen oder verkaufen, schützten die Händler die eigenen Handelspositionen, in dem sie Angebot oder Nachfrage für Währungen zurückhielten und so den Wettbewerb auf dem Devisenmarkt einschränkten“, so die US-Regierung.

In der Einigung mit dem US-Justizministerium muss die Citigroup 925 Millionen Dollar zahlen, Barclays 650 Millionen Dollar, JP Morgan 550 Millionen Dollar und die Royal Bank of Scotland 395 Millionen Dollar. Die UBS muss 203 Millionen Dollar wegen der Libor-Manipulation zahlen.

Kommentare (2)

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Herr Paul Rimmele

20.05.2015, 17:30 Uhr

Hundertprozentig wurden Devisenkurse massiv manipuliert und die Deutsche Bank ist
mittendrin. Kein kriminelles Bankgeschäft, -wo man richtig verdienen kann- ohne das
Deutsche Institut. Man denke an Joe Ackermanns Vorgabe: 25% Rendite, mindestens,
das ist nur mit viel krimineller Energie auf Dauer machbar.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Franz Paul

20.05.2015, 17:53 Uhr

Ich dachte immer, nur europäische, vor allem deutsche Banken müssen an die Amis zahlen?

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