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23.01.2014

16:03 Uhr

US-Kreditkartenanbieter

Großkonzerne verklagen Mastercard

Schadensersatzforderungen in mittlerer bis dreistelliger Millionenhöhe wollen mehrere Großkonzerne laut Medienberichten gegen Mastercard geltend machen. Zu den Klägern gehören die Deutsche Bahn und Metro.

Mastercard: Mit der Klage gegen das Unternehmen würden Schadenersatzansprüche geltend gemacht, die auf dem Beschluss der EU-Kommission beruhten, so ein Metro-Sprecher. dapd

Mastercard: Mit der Klage gegen das Unternehmen würden Schadenersatzansprüche geltend gemacht, die auf dem Beschluss der EU-Kommission beruhten, so ein Metro-Sprecher.

DüsseldorfMehrere Großkonzerne haben den US-Kreditkartenanbieter Mastercard nach einem Magazinbericht auf Schadenersatz verklagt. Dabei gehe es um Regressforderungen in „mittlerer bis dreistelliger Millionenhöhe“, berichtete das „manager magazin“ am Donnerstag vorab. Zu den Klägern gehörten auch der Handelsriese Metro und die Deutsche Bahn, hieß es weiter.

Ein Sprecher des Düsseldorfer Konzerns sagte, dass „gemeinsam mit einer Reihe weiterer Konzerne Ende 2012 in London eine Klage gegen Mastercard eingereicht wurde“. Auch ein Bahn-Sprecher bestätigte die Existenz der Klage.

Hintergrund der Klage ist eine Entscheidung der EU-Kommission aus dem Jahr 2007. Die Brüsseler Behörde hatte damals Mastercard verboten, hohe Gebühren für grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb der EU zu verlangen, weil diese nicht mit EU-Recht in Einklang stünden.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Mit der Klage würden Schadenersatzansprüche geltend gemacht, die auf dem Beschluss der EU-Kommission beruhten, sagte der Metro-Sprecher weiter. Denn die der EU-Kommission zufolge rechtswidrig festgesetzten Interbankenentgelte seien letztlich auf die Händler abgewälzt worden. Gegen die Entscheidung der EU-Kommission hatte Mastercard geklagt. Sollte sich die EU-Kommission aber rechtlich durchsetzen, gehe Metro davon aus, „dass erlittene Schäden durch MasterCard ausgeglichen werden“.

Von

rtr

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