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07.06.2017

11:09 Uhr

US-Notenbank Fed

Yellens Dilemma mit der Inflation

Janet Yellen hat bei der US-Notenbank ein duales Mandat übernommen. Auf der Beschäftigungsseite glänzt sie. Auf der anderen Seite gibt es jedoch ein Problem mit einem hartnäckig unkooperativen Indikator: der Inflation.

Die Amtszeit der Fed-Chefin Janet endet ohne eine Wiederernennung durch Präsident Donald Trump in sieben Monaten. AP

Janet Yellen

Die Amtszeit der Fed-Chefin Janet endet ohne eine Wiederernennung durch Präsident Donald Trump in sieben Monaten.

WashingtonIm Vergleich mit ihrem Vorgänger Alan Greenspan schneidet Fed-Chefin Janet Yellen schlecht ab. Seit ihrem Amtsantritt an der Spitze der US-Notenbank im Februar 2014 lag das bevorzugte Preismaß der Fed bei durchschnittlich 1,1 Prozent und damit deutlich unter dem Notenbankziel einer Inflation von zwei Prozent. In den Jahren des Fed-Vorsitzes von Alan Greenspan zwischen 1987 und 2006 belief sich der Durchschnitt auf 2,5 Prozent und in den acht Jahren unter Ben Bernanke auf 1,9 Prozent.

Sollte sich der Trend fortsetzen – Yellen verbleiben ohne eine Wiederernennung durch Präsident Donald Trump noch sieben Monate im Amt –, wäre es der einzige Fed-Vorsitz in 30 Jahren, der keine nachhaltige Inflation nahe dem erklärten Fed-Ziel erreicht hat. Es wäre schon eine gewaltige Ironie für Yellen: Vor ihrer Vereidigung galt sie als geldpolitische Taube, die für Zuwächse am Arbeitsmarkt eine höhere Inflation in Kauf nehmen würde.

„Es ist aufschlussreich“, sagt Torsten Slok, internationaler Chefökonom der Deutsche Bank AG in New York. Trotz all der expansiven Geldpolitiken der Notenbanken „sind wir noch immer nicht in der Lage gewesen, Inflation zu erzeugen. Wir alle aus der promovierten Gemeinschaft der Wirtschaftswissenschaften werden dadurch Demut gelehrt.“

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Die US-Notenbanker beobachten die Inflationsentwicklung mit Vorsicht – selbst wenn sie sich darauf vorbereiten, bei ihrem Treffen am 13. und 14. Juni die Leitzinsen anzuheben. Die Gouverneure Lael Brainard und Jerome Powell sagten vergangene Woche, dass sie die Inflation genauestens im Blick behielten. Zudem sprachen sie sich für eine vorsichtige Steigerung bei den Zinserhöhungen aus.

„Wenn sich die schwachen Inflationsdaten fortsetzen, wäre das Grund zur Besorgnis und könnte mich letztlich dazu bringen, den angemessenen Kurs in der Geldpolitik zu überdenken“, sagte Brainard am 30. Mai vor der New York Association for Business Economics.

Bislang haben die niedrigen Teuerungsraten der US-Wirtschaft nicht geschadet, und die Preise steigen allmählich mit den Löhnen an. Das von der Fed favorisierte Maß für den Preisdruck, der PCE-Deflator für die persönlichen Konsumausgaben, betrug im Schnitt der ersten vier Monate 2017 auf Jahresbasis 1,9 Prozent, was sich angesichts der Ungenauigkeit der Preismessungen nahe genug am Fed-Ziel von zwei Prozent befindet. Demnach beschleunigte sich der Preisauftrieb gegenüber 1,1 Prozent im Vorjahr und 0,3 Prozent 2015. Doch die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie – ein Richtwert für den Kurs der langfristigen Inflation – haben sich 2017 in jedem Monat auf Jahresbasis abgeschwächt und lagen im April bei 1,5 Prozent.

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Zu Yellens Verteidigung muss gesagt sein, dass die Fed erst 2012 ihr Niedriginflationsziel von zwei Prozent spezifiziert hat. Das macht ihre Zielsetzung expliziter als in der Vergangenheit. Außerdem erbte sie historisch niedrige Inflations- und Wachstumsraten, während sich die Wirtschaft von einer schweren, 2009 endenden Rezession erholte.

Überdies haben die zügigen und aggressiven Maßnahmen der Fed während der Krise dazu beigetragen, dass sich die US-Wirtschaft stärker erholte als der Euroraum und Japan. Und das Mandat von Yellen – die 15. Person und erste Frau, die die Fed leitet – war bisher kürzer als das von vielen ihrer Vorgänger. Im Laufe der Zeit könnte somit die Inflation auch unter ihrer Regie weiter zulegen.

Kommentare (2)

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07.06.2017, 11:28 Uhr

Ein frei erfundener Artikel über 1,1% Inflation. Ein ähnliches Szenario im Euro-Raum. "Close to 2% but not 2%" obwohl die Vermögenspreise um Faktor 3-4 anziehen.

Nun gut es scheint eine Inflation zu geben für die die nur noch ab und zu im Supermarkt etwas kaufen und die andere Inflation die weit drüber liegt und die natürlich durch die die nur noch im Supermarkt einkaufen finanziert wird, indem sie höhere Steuern zahlen müssen, mehr arbeiten müssen etc.

Dieser Artikel ist nichts Weiteres als die Vorbereitung auf ein neues QE Programm. Man bereitet die Menschen darauf vor. Man muss die Sinnlosigkeit nur lange genug wiederholen, dann ergibt sie selbst für den verwirtesten Menschen einen Sinn.

Herr Tom Schmidt

07.06.2017, 12:03 Uhr

Meines Erachtens mangelt es bei diesem Artikel (wie allerdings auch bei den sog. Wirtschafts"wissenschaftlern") am Begriff der Inflation und was sich dahinter verbirgt.

Tatsache ist doch, dass die Berechnungsmethoden für Inflation immer wieder angepasst werden, aber keine Neu-Berechnung der Inflation erfolgt. Zudem kommen Ungenauigkeiten, die nur sehr schwierig eingerechnet werden (können). Zum Beispiel kann der Preis einer Packung Wurst als fast konstant gemessen werden, wenn da aber statt 5 Scheiben nur noch 4 drin sind... dann ist das eigentlich eine Rieseninflation, die man unter dem Begriff "Packung" aber nicht finden wird. Oder die Lebensmittel werden, um den Preis zu halten, mit Wasser gestreckt...

Aber für den ersten Ansatz wäre es doch schon mal gut, die Inflationsberechnung der 70er Jahre heute auf die USA anzuwenden... dann wäre das Thema mit der fehlenden Inflation wohl sofort erledigt.

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