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11.07.2014

08:53 Uhr

US-Sanktionen

Commerzbank feuert Mitarbeiter wegen Iran-Deals

Die Commerzbank hat offenbar personelle Konsequenzen aus den Geschäften mit Ländern wie Iran oder Sudan gezogen. Das könnte die Verhandlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen voranbringen.

Das Logo der Commerzbank am Hauptsitz der Bank in Frankfurt: Die US-Behörden verlangen wohl eine Strafzahlung von mindestens 500 Millionen Dollar (367 Millionen Euro) von der zweitgrößten deutschen Bank. dpa

Das Logo der Commerzbank am Hauptsitz der Bank in Frankfurt: Die US-Behörden verlangen wohl eine Strafzahlung von mindestens 500 Millionen Dollar (367 Millionen Euro) von der zweitgrößten deutschen Bank.

FrankfurtDie Commerzbank hat einem Zeitungsbericht zufolge personelle Konsequenzen aus Geschäften mit sanktionierten Staaten gezogen. Das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut habe sich bereits vor einiger Zeit von Mitarbeitern in Hamburg getrennt, die Geschäfte von Kunden in Ländern wie Iran und Sudan verschleiert haben sollen, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ/Freitag) unter Berufung auf „Kenner der Verhältnisse“.

Eine Sprecherin der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren und begründete dies mit den laufenden Gesprächen über einen Vergleich in den USA.

Die Commerzbank befindet sich seit einigen Jahren in Verhandlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen. Diese Gespräche scheinen nun in die entscheidende Phase zu gehen. Zuletzt war in mehreren Medienberichten aus den USA die Rede davon, dass die Behörden eine Strafzahlung von mindestens 500 Millionen Dollar (367 Millionen Euro) von der zweitgrößten deutschen Bank verlangen.

Die höchsten Strafen wegen Geldwäsche

Platz 10

Clearstream Banking - 152 Millionen Dollar (2014)

Platz 9

Bank of Tokyo-Mitsubishi - 259 Millionen Dollar (2012/2013)

Platz 8

Barclays - 298 Millionen Dollar (2010)

Platz 7

Lloyds - 350 Millionen Dollar (2009)

Platz 6

ABN Amro - 500 Millionen Dollar (2010)

Platz 5

Credit Suisse - 536 Millionen Dollar (2009)

Platz 4

ING Bank - 619 Millionen Dollar (2012)

Platz 3

Standard Chartered - 667 Millionen Dollar (2012)

Platz 2

HSBC - 1,92 Milliarden Dollar (2012)

Platz 1

BNP Paribas - 8,83 Milliarden Dollar (2014)

Geschäfte mit sogenannten Schurkenstaaten waren zuletzt der größten französischen Bank BNP Paribas zum Verhängnis geworden: Die US-Behörden brummten den Franzosen Geldstrafen über insgesamt annähernd 9 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) auf.

Über die hohen Strafen für europäische Banken in den USA regt sich in der Wirtschaft Unmut: „Es kann nicht sein, dass Amerika das europäische Finanzsystem schwächt und anschließend vielleicht die eine oder andere Bank kauft“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, der FAZ. Ohnehin sei die Regulierung der Branche in den USA schwächer als hierzulande. „Wenn diese Länder europäische Banken zusätzlich mit Strafen aushungern, dann wird es kritisch“, meinte Grillo.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Thomas Behrends

11.07.2014, 10:07 Uhr

@ Illu Minator

Richtig, TTIP und TISA müssen mit allen Mitteln verhindert werden. Nieder mit dem US-Imperialismus !

Nichts desto Trotz mutet mir die Entrüstung deutscher Bankenchefs merkwürdig an.

Zitat aus diesem HB-Artikel:

"Über die hohen Strafen für europäische Banken in den USA regt sich in der Wirtschaft Unmut: „Es kann nicht sein, dass Amerika das europäische Finanzsystem schwächt und anschließend vielleicht die eine oder andere Bank kauft“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, der FAZ."

Letztendlich haben aber alle, also auch die Oberste Heeresleitung von den krummen Deals mit den sog. Schurkenstaaten (US-Definition, nicht meine!) gewusst, es insgeheim geduldet und die schönen Gewinne eingestrichen.

Jetzt trennt man sich von einigen Hamburger Mitarbeitern. Das sind aber nur Bauernopfer.

Herr Manfred Zimmer

11.07.2014, 10:17 Uhr

"Die Commerzbank hat offenbar personelle Konsequenzen aus den Geschäften mit Ländern wie Iran oder Sudan gezogen."

Wer wurde gefeuert?

Der Mitarbeiter in der Poststelle oder der zuständige und verantwortliche Mitarbeiter. Wenn es hier eine Entlassung gegeben haben sollte, so müsste dies eine ganze Kette von Mitarbeitern gewesen sein. Eine Kette von Mitarbeitern, die bis ganz nach oben führt.

Wenn solche Aktionen durchgeführt werden, muss zuerst überprüft werden, wer zuständig und verantwortlich war. Häufig ist es in der Praxis so, dass Leute für eteas zuständig sind, aber nicht verantwortlich. Organisatiorisch müssen Zuständigkeit und Verantwortlichkeit in der gleichen Person sich vereinigen. Ist dies nicht der Fall, stimmt es mit der Organisation nicht. Dann trifft den Vorstand sofort der Vorwurf des Organisationsverschuldens.

Herr Manfred Zimmer

11.07.2014, 10:25 Uhr

@Illu Minator
Richtig!
Um diese Vorschriften in Deutschland rechtsgültig werden zu lassen, muss erst einmal der Bundestag darüber beschließen. Da dies nicht der Fall war, ist ist dies so als wenn das Hündchen bellt.

Ungeachtet über Sinnhaftigkeit oder Unsinnigkeit mancher "Regeln" sind in unserem Rechtssystem belastbare "Stützen" erforderlich. Hätte die USA die Verbindlichkeit dieser "Regeln" gewollt, hätte sie Druck auf die nationalen Parlamente machen müssen.

Anders ist es natürlich mit der Durchsetzung nationaler Interessen auf eigenem Staatsgebiet. Weshalb sollte die USA nicht Auslandsbanken die Geschäftstätigkeit in den Grenzen der USA untersagen?

Es wäre konsequent, wenn im Umkehrschluss sich die Auslandsbanken aus den USA zurück ziehen würden und den Handel in USA grundsätzlich einstellen.

Über diesen Punkt sollte nicht nur in Russland laut nachgedacht werden, wenn die USA weiterhin die Gesetze, die Staatsgrenzen anderer Länder missachtet.

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