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15.03.2013

14:31 Uhr

US-Senatsausschuss

Schwere Vorwürfe gegen JP Morgan

Anlegertäuschung, Regelmissachtung, Fehleinschätzung bei den Risiken - die Liste der Anschuldigungen gegen JP Morgan ist lang. Bankchef Dimon musste sich entschuldigen: „Wir haben uns selbst ins Knie geschossen.“

Ein US-Untersuchungsausschuss wirft JP Morgan Anlegertäuschung vor. Reuters

Ein US-Untersuchungsausschuss wirft JP Morgan Anlegertäuschung vor.

WashingtonIm Skandal um fehlgeschlagene Spekulationen in Milliardenhöhe gerät die US-Großbank JPMorgan unter massiven politischen Druck. Das Institut habe bei den im vergangenen Jahr aufgeflogenen Zockereien einer Londoner Abteilung Risiken ignoriert, Verluste vertuscht, die Aufsicht getäuscht und die Öffentlichkeit in die Irre geführt, heißt es in einem in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Untersuchungsbericht des US-Senats. Einen weiteren empfindlichen Tiefschlag gab es für JPMorgan am Donnerstagabend nach dem jährlichen Bankenstresstest. Demnach muss das Institut seine Kapitalpläne nachbessern.

Die Fehlspekulationen hatten bei der größten US-Bank im vergangenen Jahr ein Loch von 6,2 Milliarden Dollar in die Bilanz gerissen. Die Bank selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Der rund 300 Seiten starke Untersuchungsbericht wirft ein Schlaglicht auf die Investmentbanking-Branche. Experten diskutieren angesichts der massiven Vorwürfe auch die Frage, ob JPMorgan zu groß sei, um sicher gemanagt werden zu können. In dem konkreten Fall habe das Institut hochriskantes Zocken als Absicherungsgeschäft (Hedging) verkauft, heißt es in dem Bericht. Denn die Verluste entstanden ausgerechnet in einer Abteilung, die eigentlich Risiko begrenzen sollte.

Diese Feststellung befeuert in den USA die Diskussion über eine Verschärfung der Regeln für Banken. Die sogenannte „Volcker Rule“ soll das Spekulieren der Banken mit eigenem Geld verhindern oder zumindest stark einschränken. JPMorgan-Chef Jamie Dimon ist einer der größten Gegner.

Der Manager gerät durch den Untersuchungsbericht nun selbst unter Druck. Die Politiker von Demokraten und Republikanern kommen nach neunmonatiger Untersuchung zu dem Schluss, dass lange brenzlige Informationen über das Ausmaß der riskanten Derivate-Wetten auf Geheiß von Dimon vor der Öffentlichkeit verborgen werden sollten. Um die Verluste zu verschleiern, hätten Manager Risikomodelle angepasst und Händler dazu aufgefordert, ihre Positionen überzubewerten.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Ein Sprecher von JPMorgan sagte zu dem Bericht, dass die Bank wiederholt Fehler eingestanden habe. Bewusstes Fehlverhalten der Führungsspitze wies er aber zurück. „Unser Top-Management hat in gutem Glauben gehandelt und niemals die Absicht gehabt, irgendjemanden zu täuschen.“ JPMorgan kooperiere mit den Behörden und habe schon zahlreiche Probleme aufgedeckt, die in dem Untersuchungsbericht genannt werden.

In dem Skandal hatten Londoner Händler der Bank in einem kleinen Bereich des Kapitalmarkts ohne große Kontrollen riesige Handelspositionen aufgebaut. Einem JPMorgan-Beschäftigten brachte dies den Spitznamen „Der Wal von London“ ein. Der Fall hatte den Ruf der Bank erschüttert, die einer der großen Gewinner der Finanzkrise ist und eigentlich als Vorzeigeinstitut in den USA galt.

Derweil zeigte die US-Notenbank im zweiten Teil des jährlichen Fed-Stresstests neben der Goldman Sachs Group auch JPMorgan Chase die gelbe Karte. Zwar wurden die Kapitalpläne der beiden Bankhäuser nicht ausdrücklich abgelehnt. Sie müssen allerdings nachbessern und bis zum Ende des dritten Quartals neue Kapitalpläne vorlegen, teilte die Fed in Washington mit.

Zwei weitere Institute - Ally Financial INC. sowie die BB&T Corporation - fielen bei dem Test durch, ihre vorgelegten Kapitalpläne wurden abgelehnt. 14 der 18 überprüften Geldhäuser bestanden den Test, hieß es weiter.

Bei dem zweiten Teil des diesjährigen Stresstests standen die Kapitalpläne und Projektionen der Banken auf dem Prüfstand, dabei wurden vor allem etwa angestrebte Dividendenzahlungen sowie Aktienrückkäufe überprüft.

Mit dem Stresstest wird die Gesundheit und Krisenfestigkeit der Banken unter die Lupe genommen. Die Fed will eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 verhindern, als taumelnde Finanzhäuser die Weltwirtschaft beinahe in den Abgrund stürzten.

Beim ersten Teil des Stresstests vergangene Woche kam die Fed zu dem Ergebnis, dass 17 der 18 wichtigsten Institute des Landes einen massiven Abschwung überstehen würden. Einzig die Geldreserven des Auto- und Hausfinanzierers Ally Financial rutschten im angenommenen Krisenszenario unter die geforderte Schwelle. Die Banken hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Wirtschaftsszenarien verbessert, hieß es. Sie stünden von ihrer Kapitalausstattung besser da als vor der Finanzkrise 2008

Von

rtr

Kommentare (6)

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Bernd

15.03.2013, 07:13 Uhr

Manipulationen am Edelmetallmarkt, Geldwäsche und einiges andere kämen noch hinzu.
Doch es wird so gut wie nichts passieren. Höchstens eine lächerliche Geldstrafe für eine der korruptes Banken der Erde.

KlausBeckmann

15.03.2013, 08:12 Uhr

Banker leben von der Arbeit anderer Menschen. Sie erschaffen nichts, erwirtschaften keinen Mehrwert und saugen nur das aus was andere erarbeitet haben. Wundert sich irgendwer über diesen Bericht und all die anderen Horrormeldungen der letzten Jahre? Ich nicht. Und warum werden sie gerettet? Lasst sie pleite gehen. Mögen Banker und die Investoren in Banker endlich ihre Verantwortung tragen müssen.

Alf

15.03.2013, 08:21 Uhr

Banken waren immer Kapitalververbrecher im Nadelstreifenanzug! - Nur werden diese von der korrupten Justiz , Politiker und Presse gedeckt. Diese Systemschmarotzer sitzen im gleichen Luxusliner auf dem Sonnendeck. Das Volk hat im Unterdeck im Tackt zu Rudern
Vor dem Gesetz sind alle gleich , LACH LACH

Habe mich gerade bei www. Alternativefper.de eingetragen. Die kriminellen Blockparteien werden im Herbst die Quittung erhalten, hoffentlich strafrechtlich verfolgt.

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