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27.12.2013

15:42 Uhr

US-Steuerstreit

Schweizer Lombard Odier zeigt sich selbst an

Nach einer eingehenden Analyse ist das Institut Lombard Odier zu dem Schluss gekommen, sich im US-Steuerstreit selbst anzuzeigen. Die Bank kann nicht ausschließen, dass amerikanische Kunden Steuern hinterzogen haben.

Einer der Partner der Familiengesellschaft Lombard Odier ist Patrick Odier, der gleichzeitig Präsident des Schweizer Bankenverbandes ist. Reuters

Einer der Partner der Familiengesellschaft Lombard Odier ist Patrick Odier, der gleichzeitig Präsident des Schweizer Bankenverbandes ist.

ZürichAls letzte große Schweizer Privatbank legt Lombard Odier im US-Steuerstreit ihre Karten offen. Das Genfer Institut nehme am US-Programm in Kategorie 2 teil, teilte das Geldhaus am Freitag mit. Kategorie 2 ist für Institute vorgesehen, die wissen oder nicht ausschließen können, dass amerikanische Kunden Steuern hinterzogen haben. US-Kunden seien für Lombard Odier nie ein Zielmarkt gewesen und die Bank habe im Umgang mit ihnen seit vielen Jahren eine strikte Politik verfolgt, erklärte die Bank.

Nach einer eingehenden Analyse sei das Institut aber zu dem Schluss gekommen, sich vorsichtshalber in die Kategorie 2 einzuteilen. Die Bank behalte sich vor, später in die Kategorie 3 zu wechseln. Dort können sich Banken einordnen, die nach eigener Einschätzung keine Verstösse gegen amerikanische Steuervorschriften begangen haben.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Lombard Odier gehört mit gut 200 Milliarden Franken (163 Milliarden Euro) an verwalteten Vermögen zu den sechs größten Privatbanken der Schweiz. Gegen andere große Häuser wie Credit Suisse, Julius Bär, Pictet und die Schweizer Tochter von HSBC laufen Ermittlungsverfahren der US-Behörden. Sie müssen eine Strafe individuell aushandeln. Bei den Banken der Kategorie 2 wenden die Amerikaner einen pauschalen Bussensatz an, der bis zu 50 Prozent der unversteuerten Vermögen ausmachen kann. Die UBS zahlte 2009 in den USA 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und hat das Thema damit abgehakt.

Einer der Partner der Familiengesellschaft Lombard Odier ist Patrick Odier, der gleichzeitig Präsident des Schweizer Bankenverbandes ist.

Von

rtr

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