Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2014

12:27 Uhr

US-Steuerverfahren

Credit Suisse bewegt sich auf Vergleich zu

Seit Jahren gehen US-Behörden gegen Schweizer Großbanken vor. Sie sollen US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Nun könnte mit der Credit Suisse dem zweiten großen Haus ein Vergleich gelingen.

Sie dürfte mehr zahlen müssen als die UBS mit 780 Millionen Euro: Beobachter rechnen mit einem Vergleich der Credit Suisse mit den US-Behörden von über 800 Millionen. Reuters

Sie dürfte mehr zahlen müssen als die UBS mit 780 Millionen Euro: Beobachter rechnen mit einem Vergleich der Credit Suisse mit den US-Behörden von über 800 Millionen.

ZürichCredit Suisse (CS) könnte den Steuerstreit mit den USA einem Zeitungsbericht zufolge noch im ersten Halbjahr 2014 beilegen. Die Schweizer Großbank befinde sich in einem frühen Stadium von Verhandlungen mit dem US-Justizministerium, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf einen Insider. Eine Vergleichszahlung dürfte sich auf über 800 Millionen Dollar belaufen, hieß es weiter.

Die USA ermitteln gegen Credit Suisse und rund ein Dutzend weitere Schweizer Banken wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung. Credit Suisse kooperiert mit den US-Behörden und hat bereits große Mengen an Daten zum Geschäft sowie zu Kunden und Mitarbeitern geliefert. Der nächste wichtige Schritt hin zu einer Einigung ist die Aushandlung einer Strafe. Credit Suisse hat für diesen Fall bereits knapp 300 Millionen Franken zur Seite gelegt.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Das US-Justizministerium macht seit Jahren Jagd auf Schweizer Institute und Banker. Das erste Ziel war die Großbank UBS, die sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar von einer Strafverfolgung freikaufte. Laut „Wall Street Journal“ ist es wahrscheinlich, dass die Credit Suisse mehr als die UBS bezahlen muss.

Weder CS noch das US-Justizministerium wollten sich zu dem Bericht äußern. Im November hatte CS-Chef Brady Dougan zur Lösung des Steuerstreits erklärt: „Wir tun, was wir können...Aber es ist für mich unmöglich zu sagen, wann es zu einer Lösung kommt.“

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×