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07.10.2013

10:30 Uhr

Vatikanbank

Die Mönche des Mammon

VonOliver Stock

Haben Vatikanbanker Papst Johannes Paul I. auf dem Gewissen? Sein Tod ist mysteriös. Ein aktuelles Buch macht auf Basis neuer Quellen klar: Die Bank des Papstes war durchseucht von Schwarzgeld. Wie sauber ist sie heute?

Papst Johannes Paul I.: Er starb 1978 - nach nur 33 Tagen im Amt. Um seinen Tod ranken sich Verschwörungstheorien, die mit der Vatikanbank zu tun haben. Getty Images

Papst Johannes Paul I.: Er starb 1978 - nach nur 33 Tagen im Amt. Um seinen Tod ranken sich Verschwörungstheorien, die mit der Vatikanbank zu tun haben.

DüsseldorfIn den drei Worten klingt Hoffnung. In den drei Worten klingt Furcht und es liegt Ehrfurcht darin, Ehrfurcht vor der Aufgabe. „Betet für mich“, hat Ernst von Freyberg seinen Geschäftsfreunden zugerufen, als er im März dieses Jahres zu seiner Aufgabe als Chef der Vatikanbank antrat. Keiner seiner Vorgänger hat den Posten bisher unbeschadet überstanden. Strafrechtliche Ermittlungen waren noch das wenigste, was seine Vorgänger aushalten mussten, im Umfeld des Vorstands gab es Leichen. Müsste von Freyberg sein Leben versichern – die Versicherungsprämie dürfte trotz seines formal so frommen Werkes hoch ausfallen.

Die abenteuerliche Geschichte der Bank des Vatikans und ihrer Protagonisten beginnt 1887, als der damalige Papst das Bedürfnis verspürte, das Vermögen des Vatikans dem Zugriff allzu gieriger Regierungen zu entziehen. Aus diesem Wunsch heraus entstand „Die Kommission für fromme Zwecke“, die fast 60 Jahre später als Istituto per le Opere di Religione (IOR, Institut für religiöse Werke) zur eigentlichen Vatikanbank wurde.

Fidelius Schmid, heutiger Spiegel-Autor und ehemaliger Handelsblatt-Journalist, hat diese Geschichte jetzt detailliert aufgezeichnet. Sein Buch „Gottes schwarze Kasse“ erscheint in diesen Tagen im Eichborn-Verlag. Erstmals konnte Schmid auf Aufzeichnungen hoher Vatikanbank-Manager zurückgreifen, die bislang unveröffentlicht waren.

Die Vatikanbank IOR

Geschichte

Die Ursprünge reichen jedoch zurück bis ins 19. Jahrhundert. Ein Vorgängerinstitut wurde 1887 gegründet, die Bank in heutiger Form im Jahr 1942 auf päpstliche Anordnung.

Organisation

Die Vatikanbank hat den offiziellen Titel Istituto per le Opere di Religione (IOR/Institut für die religiösen Werke). Der Sitz des Geldinstituts des Heiligen Stuhls ist im Vatikanstaat. Wichtigstes Organ der Bank ist eine Kommission aus fünf Kardinälen (Commissione cardinalizia), die vom Papst bestimmt werden. Diese Kommission ernennt die Mitglieder des Consiglio di sovrintendenza, einer Art Verwaltungsrat.

Verwaltungsratsvorsitz

An der Spitze des Aufsichtsgremiums steht seit diesem Jahr der Deutsche Ernst von Freyberg, der das Institut auch nach außen vertritt.

Aufgabe

Alle Kunden der Bank sind Teil der katholischen Kirche. Mehr als die Hälfte sind katholische Orden, jeder achte Kunde ist Kardinal, Bischof oder ein anderer Würdenträger.

Größe

Die Bank hat rund 19 000 Kunden und mehr als 100 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme beläuft sich auf fünf Milliarden Euro, die Bank verwaltet 3,2 Milliarden Euro im Auftrag der Kunden.

Skandale

Die Bank war in der Vergangenheit wegen ihres Finanzgebarens wiederholt in die Kritik geraten, unter anderem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche. Anfang Juli 2013 traten außerdem zwei Top-Manager zurück. Der Vatikan hat aber jede Verwicklung der Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten. Papst Franziskus hatte nach seinem Amtsantritt im März mehrfach angekündigt, das Institut zu reformieren.

Sein Eindruck: „Die Vatikanbank war nie ein vorbildlich geführtes Institut, und mein Optimismus, dass sie je ein solches sein wird, hält sich in engen Grenzen. Die Vatikanbank ist, seit es sie gibt, viel eher ein Ort der dunklen Machenschaften. Die schwarze Kasse der Kirche.“ Schmids These – und da wird er ganz aktuell: Auch von Freyberg hat es in seiner kurzen Amtszeit entgegen allen öffentlichen Beteuerungen bisher nicht geschafft aufzuräumen.

Schon einmal hatte jemand versucht, Licht in die Geschäfte der Bank zu bringen. 1978 bestieg Papst Johannes Paul I. den Thron. „Wir haben keine weltlichen Güter auszutauschen und keine wirtschaftlichen Interessen zu erörtern“, sagte der Papst bei seinem ersten Auftritt vor Botschaftern. Das war eine Kampfansage an die Bank, die er damals dadurch untermauerte, dass er einen Kardinal damit betraute, die päpstlichen Finanzen zu durchleuchten.

Das Ergebnis war schon damals alarmierend: Im Vatikanstaat gibt es praktischerweise keine Einkommen- oder Kapitalertragsteuer. Rund 11.000 Konten von Geistlichen, Diplomaten und Laien dienten offenbar nur dem Zweck, dieses steuerschonende Modell für Guthaben auszunutzen. Auf gut Deutsch: Die Bank, die einem Staat gehört, der die Ausmaße der Münchner Theresienwiese knapp unterschreitet, ist ein Hort für Schwarzgeld.

Kommentare (4)

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07.10.2013, 11:53 Uhr

@hafnersp x 2

Ich weiß nicht recht, ob Sie mit Ihren Verschwörungstheorien auf der richtigen Fährte sind.

Zunächst einmal: 300 Mio € auf rd. 1000 Konten? Das ist in der Summe und im einzelnen (durchschnittlich 300 Tsd je Konto) in jeder Beziehung peanuts. Selbst in der Portokasse einer Londoner Bank ist da mehr zu finden. Im einzelnen reicht das nicht einmal, um den Lebensabend eines Prälaten abzusichern. Entweder die Summe ist auch wieder eine Nebelkerze (Weihrauch und Kerzen gibt es ja reichlich im Vatikan) oder die Sache ist keinen Aufreger wert.

Vielleicht sollte man die Dinge einmal anders betrachten: Die kath. Kirche hat mit dem Vatikan wohl einen Staat, der funktioniert jedoch nach gänzlich anderen Vorstellungen und Regeln als es ein Laie denkt. Die Kirche hat es immer abgelehnt und nie vertragen, daß eine weltliche Macht über ihr steht. Sie lehnt daher noch heute jede Kontrolle, z.B. durch weltliche Justiz vehement ab. Auch auf anderem Gebiet (Kindsmißbrauch) wird das immer wieder deutlich. Die Methoden der inneren Bereinigung sind immer noch mittelalterlich. Wenn Vergebung und Reue des Betroffenen nicht helfen und die Verbannung in die hinterste Ecke eines Klosters nicht erfolgversprechend ist, da der Betroffene doch über seinen Fall hinaus zuviel Einblick hatte und weiß, wird zu den probaten Mitteln der Medici gegriffen. Gift ist da unter anderem eine naheliegende Möglichkeit. Offensichtlich funktioniert dieses System auch noch heute, nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben in der Hierarchie.

Einen Vorschmecker sollte man sich schon leisten, wenn man da zu Gast ist. Und seinen Arzt mit Bedacht wählen.

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07.10.2013, 13:41 Uhr

@mondahu

mir geht es hier weniger um Verbreitung von "Verschwörungstheorien"; ganz im Gegenteil: ich mache mich über Herrn Stocks gläubige Besprechung der Papst-Verschwörungstheorie lustig, die er gar nicht als solche identifiziert - ein Herr Stock, der doch sonst immer gleich auf Verschwörungstheorie-Hexenjagd geht - anstatt zu erkennen, daß ALLE Theorien ein Mittel der Wahrheitsfindung sind und man sich inhaltlich, nicht demagogisch, mit ihnen auseinandersetzen sollte.

Daß die Kirche unter verstärktem Druck durch die Medien ist, ist eine Beobachtung und daß dies nicht zufällig so ist, erscheint mir offensichtlich. Daraus kann man sicher eine "Verschwörungs"-Theorie konstruieren, das ist ganz legitim ein Mittel zur Untersuchung dieser Vorgänge (habe leider keine Zeit dafür :o) ).

Die Sache mit der Kontrolle durch die Anglo-Amerikanischen Geld-Eliten halte ich übrigens nicht für Verschwörungstheorie, sondern für erwiesen. Man braucht sich nur die internationale Finanz- und Medienstruktur etwas ansehen, dann kommt man an diesem Schluß nicht vorbei.

Die Zentralen der Banken und Medien drängeln sich nicht umsonst in London auf den paar Quadratkilometern der "City-of-London" - das ist nämlich ein Vatikan-ähnliches Gebilde mit eigenem Recht. Es war darüberhinaus das Zentrum des Britischen Imperiums, respektive der "Kron-Kolonien", die entgegen der Suggestion des Namens NICHT der Königin unterstanden, sondern der City (wohl den Handelsgesellschaften). DAS SIND FAKTEN, keine Theorien.
Die (ehemaligen und aktuellen) Kronkolonien sind übrigens auch heute noch zufällig oft Steueroasen.

Was die Vatikan-Bank angeht, so ist dies nur ein legales Konstrukt, eine Bank eben. Was das Gesamtvermögen und die Finanz-Geschäfte der katholischen Kirche angeht, so sollte man sich nicht vorschnell auf dieses Konstrukt konzentrieren. Es ist sicherlich nur ein Baustein. Der Vatikan ist ein eigener Staat mit eigenem Recht - da läßt sich vieles leicht (und per Definition LEGAL) verschleier

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07.10.2013, 16:41 Uhr

@bommel36

Die "Dreckskampagne" gegen den Vatikan gab wenigistens seit Jahrtausend-Anfang immer wieder - einen Höhepunkt hatte sie in der versuchten persönlichen Diffamierung in Richtung Papst em. Benedikt (mit dem Hebelpunkt, daß dieser ein Deutscher und damit prinzipiell verdächtig ist bzw. daß er zu wenig gegen die finanziellen Machenschaften und in Richtung Opferhilfe von Priesterverfehlungen unternehme).

Der neue Papst ist (wenn ich mich recht erinnere) Jesuit - das ist u.a. ein Orden, der offenbar einen guten Geheimdienst am Laufen hat und als Berater früher u.a. die katholischen Herrscherhäuser "infiltriert" hat (Jesuiten treten gerne als Lehrer der Adelhäuser auf). Vielleicht ist dieser Hintergrund eher bemerkenswert an Papst Franziskus als die Hinwendung an die Armen (die von einem neuen Papst sowieso erwartet wird) - offenbar ist eine wehrhaftere, weltnahe und machtbewußtere Strömung im Vatikan an die Macht gelangt, als die des idealistischen Cheftheologen und Theoretikers Ratzinger.

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