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03.08.2011

12:46 Uhr

Verband öffentlicher Banken

VÖB-Chef fordert Ruhe an der Regulierungsfront

VonPeter Köhler, Robert Landgraf

ExklusivDie öffentlichen Banken fordern von der Politik und den internationalen Aufsichtsbehörden eine „Regulierungspause“. Verbandschef Hans Reckers wünscht sich im Gespräch mit dem Handelsblatt "Zeit zum Arbeiten".

VÖB-Präsident Hans Reckers fordert eine Regulierungspause. Quelle: Franziska Aschenbrenner für Handelsblatt

VÖB-Präsident Hans Reckers fordert eine Regulierungspause.

FrankfurtHerr Reckers, sie stehen jetzt am Ruder des Bankenverbandes VÖB. Was steht ganz oben auf ihrer Agenda?

Ganz klar die überbordende Regulierung. Wir haben jetzt eine Vielzahl von neuen Bestimmungen, die die Institute vor große Herausforderungen stellen, diese auch umzusetzen. Wir brauchen jetzt nicht immer neue Vorgaben, sondern müssen darauf achten, dass die Banken bei der Umsetzung nicht überfordert werden. Deshalb muss in der Reaktion auf die Finanzkrise ein Übermaß an Regulierungsdetails vermieden werden. Hier ist die Bundesregierung auch auf internationaler Ebene gefordert, denn unser Land, die Unternehmen und die Arbeitnehmer sind ohne Zweifel auf starke und leistungsfähige Banken angewiesen.

Haben Sie den Aufwand schon einmal kalkuliert?

Nein, das ist seriös schon deshalb nicht möglich, weil sich die Vorgaben von Monat zu Monat teilweise ändern und die Banken immerzu neu rechnen müssen. Aber es geht nicht nur um die finanziellen Belastungen. Die Eigenkapitalregeln unter Basel III, die Neuregelung der Einlagensicherung, die Bankenabgabe und die neuen Vorschriften für Derivate verursachen auch einen großen administrativen Aufwand, das bindet viele Ressourcen, vom Sachbearbeiter bis zum Management.

Ist eine Regulierungspause notwendig?

Es ist wichtig, dass die Banken die Folgen der Finanzkrise abarbeiten und auf die daraus resultierenden Auflagen reagieren können. Noch mal: wenn die Politik dauernd nachsteuert  und verschärft, trifft sie nicht nur die Kreditwirtschaft empfindlich, sondern zieht auch die Bankkunden in Mitleidenschaft.  Das kann nicht gewollt sein. Die nationalen und internationalen politischen Mandatsträger sollten bei den laufenden Regulierungsvorhaben die Verlässlichkeit der neuen Rahmenbedingungen gewährleisten, damit die Banken nicht ständig neue Anforderungen bewältigen müssen.

Hat der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA gezeigt, dass sich die Aufseher nicht um nationale Beschlüsse kümmern?

Ja, das stimmt, hier besteht dringend Handlungsbedarf. Deshalb sollten die gültigen Rechtsgrundlagen auch zukünftig für die Stresstests gelten. Davon darf man nicht abweichen.

Muss man überhaupt jedes Jahr einen Stresstest machen?

Klare Antwort: nein! Man sollte je nach Situation entscheiden. Die nationalen Aufseher machen ja laufend Stresstests, sie veröffentlichen diese nur nicht.

Kommentare (1)

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flyingfridge

03.08.2011, 14:04 Uhr

"[...] unser Land, die Unternehmen und die Arbeitnehmer sind ohne Zweifel auf starke und leistungsfähige Banken angewiesen."

Das würde ich abändern in: ... auf stabile Banken angewiesen. Denn weder ist die Größe noch die Rendite der Banken so wichtig für Alle wie die Zuverlässigkeit, dass Einlagen und Kredite bestehen bleiben wie vereinbart. Und da geht die Regulierung noch nicht weit genug, Investment-Banking gehört von den anderen Bereichen abgetrennt.

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