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16.06.2011

16:35 Uhr

Verdacht der Steuerhinterziehung

Ermittlungen gegen Santander-Chef

Emilio Botín, starker Mann der spanischen Vorzeigebank Banco Santander, steht im Verdacht, Steuern hinterzogen zu haben. Hinweise darauf gab ein früherer Beschäftigter einer Schweizer Bank.

Der Chairman der Banco Santander, Emilio Botin. Quelle: dapd

Der Chairman der Banco Santander, Emilio Botin.

MadridDer Chef der spanischen Großbank Banco Santander hat massiven Ärger mit der Justiz: Wie der Nationale Gerichtshof mitteilte, wird gegen Emilio Botín und elf weitere Mitglieder der Familie wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Der Aktienkurs der größten Bank Europas nach Marktkapitalisierung gab daraufhin mehr als ein Prozent nach.

Die Botíns werden verdächtigt, Gelder auf Schweizer Konten geparkt zu haben und diese in den Jahren 2005 bis 2009 nicht ordnungsgemäß in ihren Steuererklärungen deklariert zu haben. Hinweise darauf fanden französische Behörden auf einer CD mit Kontoinformationen, die ein früherer Mitarbeiter der Bank HSBC in der Schweiz gestohlen und an die Ermittler verkauft hatte. Die Franzosen informierten daraufhin im Mai 2010 ihre spanischen Kollegen.

Das spanische Finanzamt forderte anschließend Botín und dessen Angehörige auf, Belege für ihre Zahlungen an das Finanzamt vorzulegen. Dies sei auch geschehen, hieß es. Die Finanzbehörden sahen sich jedoch nicht in der Lage festzustellen, ob die Angaben vollständig und wahrheitsgemäß waren. Sie schalteten daraufhin die Staatsanwaltschaft ein. Diese legte ein Klagegesuch vor, um zu verhindern, dass die Angelegenheit verjährt. Der Nationale Gerichtshof gab dem Gesuch jetzt statt und wird nun weiter ermitteln.

Die Familie des Bankiers beteuerte ihre Unschuld. Bei dem Vermögen in der Schweiz handele es sich um ein Erbe: Emilios Vater sei 1936 nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Spanien in die Schweiz geflüchtet und habe Teile des Familienbesitzes dorthin transferiert. Emilio und sein Bruder Jaime Botín hätten das Erbe im vorigen Jahr versteuert und 200 Millionen Euro gezahlt, teilte die Familie mit. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Bankier die Guthaben komplett versteuert habe, werde der Fall zu den Akten gelegt, betonte die Anklagebehörde.

Unter den Verdächtigen ist auch Emilio Botins Tochter Ana Patricia. Die 50-Jährige leitet das Geschäft der Bank in Großbritannien und gilt als Favoritin für das berufliche Erbe ihres Vaters.

Die Ermittlungen gegen den 76-jährigen Santander-Chairman dürften auch auf der morgigen Hauptversammlung der Großbank für Wirbel sorgen. Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger Monate, dass Topmanager des Instituts Ärger mit der Justiz haben: Gegen den Santander-Vorstandschef Alfredo Saenz verhängte der Oberste Gerichtshof im März eine dreimonatige Haftstrafe plus entsprechendes Berufsverbot. Saenz soll 1994 als damaliger Präsident der Bank Banesto falsche Anschuldigungen gegen vier Geschäftsleute erhoben haben, um sie zur Rückzahlung von Schulden zu zwingen.

Kommentare (8)

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Querdenker

16.06.2011, 17:04 Uhr

Es ist immer das gleiche Lied. Die schon haben wollen immer mehr. Die Reichen zur Kasse bitte und die breite Masse verschonen. Das hätte auch die Griechen über die Runden gebracht. Überall auf der Welt das gleiche Thema. Von Berlin über Moskau, Peking bis nach New York. Es könnt einem richtig über werden, wenn man an solche kriminellen Machenschaften nicht schon gewöhnt wäre.

Stephan

16.06.2011, 17:05 Uhr

Egal ob dieser spanische Mataror,lybischer Gangster, griechische Steuerhinterzieher das Geld lagert immer in der Schweiz,die mafiöse Bankenwelt in der Schweiz sollte entgüldig dicht gemacht werden,mitten im Herz Europas sitzt einer der grössten Schurkenstaaten weltweit

Account gelöscht!

16.06.2011, 17:56 Uhr

Ich weiß es nicht, aber es heißt ja oft, das
auch die Masse in Griechenland lange wenig/keine
Steuern gezahlt hat... . (Erst in der letzten Zeit und unter Druck und entsprechenden Vorkehrungen des Staates... .)

Weiß da eiener Genaueres, verlässliches?

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