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22.12.2015

09:45 Uhr

Verdächtige Transaktionen in Russland

Nächste Milliardenstrafe für die Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank hat bereits Ärger wegen möglicherweise verbotener Transaktionen in Russland. Die Summe, um die es geht, weitet sich jetzt auf zehn Milliarden Dollar aus. Vor allem in den USA drohen hohe Strafen.

Der Geldwäsche-Skandal in Russland weitet sich aus. Reuters

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Der Geldwäsche-Skandal in Russland weitet sich aus.

Moskau/FrankfurtDie Deutsche Bank steht seit Oktober im Verdacht verbotene Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht zu haben. Damit könnte die Deutsche Bank in Russland gegen internationale Sanktionen verstoßen haben. Nun steht fest: Transaktionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar könnten betroffen sein. Bislang war von sechs Milliarden Dollar die Rede gewesen, allerdings wurden nun bei internen Untersuchungen weitere verdächtige Transaktionen aufgedeckt.

In sogenannten „Mirror Trades“ sollen russische Kunden Wertpapiere über die Niederlassung der Deutschen Bank in Moskau in Rubel gekauft und dann die identischen Papiere in Dollar und anderen ausländischen Währungen wieder verkauft haben – an den Behörden vorbei. Der Verkauf soll über die Deutsche Bank in London abgewickelt worden sein.

Die Deutsche Bank machte bereits im September auf diesen Vorfall aufmerksam. US-Ermittler überprüfen seitdem ob das deutsche Geldinstitut gegen amerikanische Geldwäsche-Gesetze verstoßen hat. Nun müssen die US-Behörden weitere verdächtige Trades überprüfen.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Während die russische Zentralbank die Deutsche Bank bereits zu einer kleinen Strafzahlung aufgefordert hat, dauern die Untersuchungen der amerikanischen Behörden noch an. Eine Milliarden-Strafe droht.

Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der die unzähligen Skandale des Hauses endlich abhaken will, hatte Ende Oktober gesagt, die Bank habe zwar Rückstellungen für die Affäre gebildet. Sie könnten aber möglicherweise nicht ausreichen, das Institut sei hier "verwundbar".

Amerikanische und britische Behörden hatten zuletzt die Deutsche Bank zu einer Strafe in Höhe von 2,75 Milliarden Dollar verdonnert, weil das Institut mehrere wichtige Zinssätze manipuliert hatte. Das Bußgeld setzt sich aus 800 Millionen Dollar zusammen, die die Bank an die US-Wertpapieraufsicht CFTC überweisen muss. 775 Millionen Dollar gehen an das US-Justizministerium, 600 Millionen Dollar an die oberste New Yorker Finanzaufsicht unter der Führung von Benjamin Lawsky und 340 Millionen Dollar an die britische Behörde FCA.

Erstmals tauchten die verdächtigen Russland-Transaktionen im Juni auf: Interne Prüfer stellten fest, dass Kunden eine große Anzahl russischer Aktien kauften, um sie sofort wieder im Ausland in einer fremden Währung zu verkaufen. Die verdächtigen Handelsströme wurden seit 2012 beobachtet, heißt es aus Finanzkreisen. Viele der Transkationen gehen auf einige wenige Akteure zurück. Womöglich hat die Bank damit den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin geholfen, ihr Geld zu waschen. 

Zu den russischen Kunden der Bank hätten unter anderem die Brüder Arkady und Boris Rotenberg gezählt, die zum engeren Zirkel von Russlands Präsident Vladimir Putin gehören. Arkadi Rotenberg sei Putins langjähriger Judo-Partner. Beide seien von den Sanktionen betroffen, die Amerika 2014 auferlegt hatte. Das macht es besonders schwer für US-Bürger und US-Unternehmen, mit den betroffenen russischen Individuen und Firmen Geschäften zu machen – vor allem, wenn es um Dollar-Transaktionen geht.

Die Deutsche Bank wollte sich en detail nicht zu den neuen Entwicklungen äußern, sondern verwies auf ihre bisherige Stellungnahme, wonach Aktienhandelsgeschäfte in Moskau und London untersucht würden, deren Gesamtvolumen "erheblich" sei. "Die Untersuchungen der Deutschen Bank bezüglich eventueller Rechtsverletzungen, Verordnungen und Richtlinien sowie des internen Kontrollsystems sind noch nicht abgeschlossen. Zum aktuellen Zeitpunkt wurden bestimmte Verstöße gegen Bankverordnungen und Mängel im Kontrollumfeld der Deutsche Bank festgestellt." Gegen einzelne Personen seien disziplinarische Maßnahmen eingeleitet worden.

Große Teile des Russland-Geschäfts, insbesondere im Investmentbanking, gibt die Deutsche Bank als Konsequenz aus den Skandalen auf.

Anm. d. Red.: In einer ersten Version war versehentlich von Euro-Beträgen die Rede. Richtig ist, dass insgesamt Geschäfte über zehn Milliarden Dollar unter Verdacht stehen (9,1 Milliarden Euro).

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