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17.11.2015

08:46 Uhr

Verdi-Sekretär im Interview

„Ertragsschwäche der Banken? Das sehe ich völlig anders“

VonYasmin Osman, Elisabeth Atzler

Bankenaufseher, Verbandsvertreter und Unternehmensberater fordern derzeit Kostensenkungen von den Banken, damit die Geldhäuser profitabler werden. Gewerkschaftssekretär Mark Roach hält das für eine Dummheit.

Ein Teil der Frankfurter Banken-Skyline. dpa

Leuchtspur am Frankfurter Himmel

Ein Teil der Frankfurter Banken-Skyline.

FrankfurtWenn Mark Roach in diesen Tagen die Nachrichtenlage durchsieht, steigt bei ihm in diesen Tagen der Blutdruck: Allenthalben verkünden Banken große Sparpakete, schließen Filialen und bauen Arbeitsplätze ab. Der für Banken zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär hält die Unkenrufe der Branche für übertrieben und glaubt, dass sich die Lage vieler Banken dadurch eher verschlimmert. Seinem Ärger macht er in einem Telefon-Interview mit dem Handelsblatt Luft.

Verdi-Gewerkschaftssekretär für die Finanzbranche. privat

Mark Roach

Verdi-Gewerkschaftssekretär für die Finanzbranche.

Herr Roach, die Unternehmensberatung Bain kam gerade in einer Studie zu dem Schluss, dass die deutschen Banken weit davon entfernt sind, ihre Kapitalkosten zu verdienen. Ist es nicht Zeit für drastische Kostensenkungen in der Branche?
Ich halte das ganze Konzept mit den Kapitalkosten für irreführend und halte deshalb nicht viel von solchen Aussagen. In die Berechnungen der Kapitalkosten fließt schließlich immer auch die Erwartung einer Kapitalmarktrendite mit ein. Doch die Kapitalmarktrendite entsteht größtenteils durch Aktienkursgewinne und nicht notwendigerweise durch eine Dividende. Kursgewinne werden jedoch nicht vom Institut, sondern von anderen Aktionären gezahlt.

Kursgewinne entstehen allerdings auch nur dann, wenn man sich eine gewisse Rendite erhofft.
Das mag für börsennotierte Banken gelten, aber der Großteil des deutschen Bankenmarkts besteht aus Banken, die nicht börsennotiert sind – aus öffentlich-rechtlichen Instituten, den Sparkassen, aus Genossenschaftsbanken. Sie machen den Löwenanteil des deutschen Marktes aus.

Bain-Studie: 125.000 Jobs bei Banken auf der Kippe

Bain-Studie

125.000 Jobs bei Banken auf der Kippe

Banken haben ein Gewinnproblem, warnt die Managementberatung Bain in einer Studie: Die Institute erwirtschafteten Renditen, die unter den Kapitalkosten liegen. Doch es gebe Chancen, 25 Milliarden Euro zu sparen.

Dennoch bricht gerade eine Ära des Rotstifts in der Branche an. Unicredit und Deutsche Bank haben umfangreiche Sparprogramme angekündigt. Halten Sie die Erträge der Banken denn für auskömmlich?
Es mag ja sein, dass börsennotierte Institute den Druck seitens einiger Investoren spüren und nicht wagen, den Analysten und der öffentlichen Meinung Paroli zu bieten, die nur kurzfristige Renditeziele im Blick haben. Aber weshalb Sparkassen und Genossenschaftsbanken dasselbe machen, verstehe ich nicht. Die haben diese Nöte nicht und könnten eine andere, eine langfristige und vor allem nachhaltige Politik betreiben.

Vielleicht liegt das an der Sorge um ihre Zukunft. Gerade Sparkassen und Volksbanken leben vom Zinsgeschäft - und das steht angesichts der Nullzinspolitik der EZB gehörig unter Druck.
Also wenn man mal die Ertragssituation ansieht, haben sich gerade Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr gut entwickelt. Sie haben ihre Einlagen und vor allem das Eigenkapital gestärkt und somit jede Menge Speck, um weiteres Geschäft zu machen. Die Kosten-Ertragsrelation lag zuletzt im Schnitt bei deutlich unter 70 Prozent. Das ist jedenfalls besser als die internen Ziele dieser Gruppen.

Das sind Werte aus der Vergangenheit, es ist ja schließlich neu, dass die Notenbanken die Zinsen abgeschafft haben.
Wir hören von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit Jahren ein Gejammer: Dieses Jahr sind die Zahlen noch gut, aber nächstes Jahr wird es schlechter. Jetzt wurde der Zeithorizont etwas nach hinten geschoben, es heißt, 2017 werde schlechter.

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