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08.02.2017

14:56 Uhr

Verdi vs. Deutsche Bank

Samstagsarbeit gegen besseren Vorruhestand

Die Gewerkschaft wertet die Samstagsarbeit bei Deutschlands größtem Geldhaus als „tarifpolitischen Tabubruch“, will aber zustimmen, wenn Bedingungen erfüllt werden. Die Wunschliste ist sehr umfangreich.

Plastikwesten mit dem Verdi-Logo liegen bereit. Die Gewerkschaft stellt harte Bedingungen für eine Samstagsarbeit bei der Deutschen Bank. dpa

Verdi-Logo

Plastikwesten mit dem Verdi-Logo liegen bereit. Die Gewerkschaft stellt harte Bedingungen für eine Samstagsarbeit bei der Deutschen Bank.

FrankfurtDie Gewerkschaft Verdi stellt harte Bedingungen für ihre Zustimmung zu Samstagsarbeit in den neuen regionalen Beratungscentern der Deutschen Bank. Verdi sei bereit, für die begrenzte Anzahl von gut 400 Mitarbeitern „als Testlauf das Thema Samstagsarbeit zu regeln“, sagte der Bundesfachgruppenleiter Banken der Gewerkschaft, Jan Duscheck, am Mittwoch in Frankfurt. „Wir wollen auf keinen Fall einen Dammbruch in der Finanzbranche.“ Vorstellbar sei eine befristete Vereinbarung für zwei bis drei Jahre.

Von der Deutschen Bank fordere Verdi für diesen „tarifpolitischen Tabubruch“ eine Reihe von Zugeständnissen, der Katalog liege dem Institut seit vergangenen Donnerstag vor: So soll der Einsatz an Samstagen freiwillig sein und auch widerrufen werden können, wenn sich die persönliche Lebenssituation ändert. Zudem verlangt Verdi eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit in den Beratungscentern von 39 auf 36 Stunden. Für alle Beschäftigten der Bank soll eine günstigere Vorruhestandsregelung wieder in Kraft gesetzt werden.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

In den Beratungscentern der Deutschen Bank sollen sich Kunden auch an Samstagen von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr zu Finanzfragen informieren können - per Telefon, Video und Chat. Das erste dieser Center gibt es seit 31. Januar in Wuppertal. Bis April sollen weitere in Berlin/Leipzig, Mannheim, München, Essen, Hamburg und Mainz folgen.

Der Flächentarifvertrag für die Branche schließt Samstagsarbeit aus. Bis Ende März werde die Gewerkschaft Samstagsarbeit in den Centern dulden, sagte Duscheck - und signalisierte zugleich Kompromissbereitschaft: „Wenn sich eine Einigung abzeichnet, würden wir nicht hart auf einer Stichtagsregelung bestehen.“

Denn der Umbruch in der Bank- und Versicherungsbranche höhlt die Tarifverträge nach Ansicht der Gewerkschaft immer mehr aus. Nur noch 49 Prozent der Beschäftigten bei privaten und öffentlichen Banken fielen unter den Flächentarif, räumte der Bundesfachgruppenleiter Banken, Jan Duscheck, am Mittwoch in Frankfurt ein. „Die Banken sind noch drin - die Mitarbeiter immer weniger.“ Die Gewerkschaft will deshalb das Tarifwerk in den nächsten zwei Jahren reformieren. Die Tätigkeits-Profile, die den Gehaltsstufen zugrunde liegen, stammten zumeist aus den 1970er und 1980er Jahren und passten nicht mehr zur Realität in vielen Häusern, sagte Duscheck. Viele Banken zahlten deshalb Gehälter außerhalb des Tarifs - und verlangten dafür längere Arbeitszeiten.

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Für die Gewerkschaft ist die Reform ein Balanceakt. Denn die zunehmende Automatisierung macht viele manuelle Tätigkeiten in den Banken und Versicherungen überflüssig. Verdi wehrt sich aber gegen Bestrebungen der Banken, den Mitarbeitern deshalb weniger Geld zu zahlen. „Die Anforderungen an die Beschäftigten steigen reell“, sagte Duscheck.

Bei den Volks- und Raiffeisenbanken bekommt Verdi seit zehn Jahren keinen Fuß mehr in die Tür. Die Arbeitgeber dort haben Tarifverträge mit den konkurrierenden Gewerkschaften DBV und BHV abgeschlossen. Nun sieht Meister einen Hoffnungsschimmer. Verdi habe sich mit dem Arbeitgeberverband angenähert - auch dank des Tarifeinheitsgesetzes, das einheitliche Tarifverträge in Firmen fördert. Ende des Jahres soll es ein Spitzengespräch geben, dann könnten Tarifverhandlungen folgen. "Das wird kein einfacher Prozess", räumte Meister ein.

Ein weitere Forderung der Gewerkschaft: Die 18.000 Beschäftigten der Postbank und der Bausparkasse BHW sollen für sechs Jahre vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt werden. Neben der Verlängerung des Kündigungsschutzes bis 2022 fordern die Tarifkommissionen von Verdi eine Gehaltserhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, wie die Gewerkschaft am Mittwoch mitteilte. Der bisherige Kündigungsschutz läuft im Juni 2017 aus. Die Tarifverhandlungen beginnen am 6. April in Bonn.

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Es gehe darum, die Verunsicherung der Postbank-Beschäftigten zu mindern, sagte Verhandlungsführer Christoph Meister. „Selbst nach Monaten der Unsicherheit wissen sie noch nicht, ob es zu einem Verkauf, einem Börsengang oder einer Reintegration in die Deutsche Bank kommen wird.“ Das lähme das Unternehmen und wirke sich negativ auf das Geschäft aus. Der Personalabbau habe „seine Grenzen erreicht, wenn nicht sogar überschritten“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Meister.

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