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20.12.2011

12:43 Uhr

Vergleich

Banker bekommen niedrigere Boni, aber höhere Gehälter

VonHolger Alich, Robert Landgraf

Banken zahlen für dieses Jahr deutliche niedrigere Boni. Stattdessen sind jedoch die Fixgehälter der Angestellten gestiegen. Das macht die Geldinstitute allerdings in der Krise weniger flexibel.

Credit Suisse-Filiale in Zürich, Schweiz. dapd

Credit Suisse-Filiale in Zürich, Schweiz.

Zürich/FrankfurtZurückhaltende Kunden, volatile Märkte, härtere Regulierung - das laufende Jahr verlief für die Bankenbranche schlecht. Und so langsam zeichnet sich ab, was das für die Bonuszahlungen heißt. Die Schweizer Großbank Crédit Suisse bereitet ihre Leute auf kräftige Bonuskürzungen vor. Bankpräsident Urs Rohner hatte in der "Handelszeitung" angekündigt, dass der Bonustopf in diesem Jahr "deutlich geringer" ausfallen wird. In Schweizer Finanzkreisen ist von einer Kürzung von um die 40 Prozent die Rede. "Der Trend geht eindeutig nach unten", erklärte ein Sprecher der Crédit Suisse, genaue Zahlen sollen erst mit der Vorlage des Geschäftsberichts vorgelegt werden. Ähnliches war bei Wettbewerber UBS zu hören.

In Deutschland rechnet Nils Wilm, Managing Partner beim Beratungsunternehmen Banking Consult, nach intensiven Gesprächen mit Marktteilnehmern mit einem Bonusrückgang von 20 bis 40 Prozent. Dabei spiele es keine Rolle, dass in einigen Bereichen wie bei Fusionen und Übernahmen das Geschäft in Deutschland mit einem Plus von über 60 Prozent in diesem Jahr kräftig gestiegen ist.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Wilm erklärt die Bonusreduzierungen vor allem mit den erhöhten Eigenkapitalanforderungen der Banken durch die Finanzaufsichten. "Das Management der Banken nutzt das Instrument Bonusreduktion, um Geld freizusetzen und den erhöhten Grenzwerten bei Eigenkapital zu genügen", sagt der Experte. Gleichzeitig positionierten sich die Institute damit bereits jetzt für das voraussichtlich schwierige nächste Jahr mit vielen Risiken wie der noch nicht ausgestandenen Schuldenkrise in Europa und den allgemein schlechten Wirtschaftsaussichten.

Doch trotz der zurückgehenden Boni dürfte der Einkommensrückgang der Investment-Banker unter dem Strich weniger heftig ausfallen. Denn in der Vergangenheit haben auch die Schweizer Großbanken den Anteil der Boni an der Vergütung gesenkt und die Fixgehälter erhöht.

Kommentare (1)

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Papi

20.12.2011, 22:06 Uhr

Schwingt da ein bisschen Neid mit oder wird hier einfach aus purem Populismus das Gehalt von im Umfang nicht klar definierten "leitenden Angestellten" vollkommen ohne Relation zur erbrachten Arbeitsleistung und -belastung als ungerechtfertigt zu hoch deklariert? Kürzen Sie den Artikel doch nächstes Mal einfach ab und beschränken sich auf: "Banker machen irgendwas, wovon ich keine Ahnung habe, und kriegen dafür mehr Geld als ich. Das find ich voll doof und deshalb schreibe ich verleumdende Artikel".

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