Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2014

17:41 Uhr

Vergleich im Kirch-Prozess

„Erschossen hat mich der Rolf“

Die Deutsche Bank soll sich mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Millionen-Vergleich geeinigt haben. Doch die Strafverfahren gegen Vorstände des Geldhauses sind damit nicht vom Tisch.

Der verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer (r.) vor Gericht im März 2011: Der jahrelange Rechtsstreit könnte ein Ende finden. dapd

Der verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer (r.) vor Gericht im März 2011: Der jahrelange Rechtsstreit könnte ein Ende finden.

FrankfurtFür fast eine Milliarde Euro kann die Deutsche Bank Finanzkreisen zufolge den langjährigen Rechtsstreit mit den Erben des Medienmoguls Leo Kirch beilegen. „Der Vergleich könnte in den nächsten tagen unterschrieben werden“, sagte eine mit den Plänen vertraute Person Handelsblatt Online. Es gehe um mehr als 900 Millionen Euro. Das Präsidium und der zuständige Integritätsausschuss des Aufsichtsrats der Bank haben über diese Lösung des wohl ältesten Rechtsstreits des Instituts beraten. „Es läuft auf eine Einigung hinaus“, betonte ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Mit Blick auf die mögliche Einigung hat das Oberlandesgericht München einen für Donnerstag geplanten Sitzungstermin im Streit zwischen Deutscher Bank und den Kirch-Erben abgesagt. Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, seien neue, erst nach Dienstschluss eingegangene Schriftsätze Grund für die überraschende Absage.

Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner haben die Verhandlungen in den vergangenen Wochen vorangetrieben, da der Disput auch fast zwölf Jahre nach der Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch immer wieder für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Allerdings sind bereits mehrere Anläufe der Bank und der Kirch-Erben gescheitert, einen Schlussstrich unter den Konflikt zu ziehen - oft im letzten Moment.

Chronologie des Kirch-Prozesses - Teil 1

Jahrelanger Streit zwischen Kirch und der Deutschen Bank

Jahrelang rangen der deutsche Medienunternehmer Leo Kirch und seine Getreuen mit der Deutschen Bank um Schadenersatz. Kirch hatte der Bank zeitlebens vorgeworfen, am Untergang seines Konzerns schuld zu sein. Kirch selbst ist inzwischen tot, die juristische Dauerfehde geht nun mit der Anklage gegen Jürgen Fitschen in die nächste Runde. Was bisher geschah.

Februar 2002

Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer stellt die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“.

April 2002

Die Kirch-Gruppe stellt Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft. Gemessen am Schuldenstand von 6,5 Milliarden Euro handelt es sich um die bis dahin größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Juni 2002

Mit dem Insolvenzantrag der Dachgesellschaft Taurus-Holding bricht die Kirch-Gruppe vollständig zusammen.

Januar 2006

Der Bundesgerichtshof (BGH) stellt fest, die Bank und Breuer seien dem Medienunternehmer grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. Karlsruhe befindet, Breuer habe durch seine öffentlich geäußerten Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit vertragliche Pflichten gegenüber der Kirch-Gesellschaft Printbeteiligungs GmbH verletzt. Eine Haftung der Bank für den Zusammenbruch des gesamten Medienimperiums verneinen die Richter.

April 2006

Breuer, mittlerweile Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, kündigt seinen Rücktritt an. Grund ist auch der Rechtsstreit mit Kirch.

November 2008

Das Landgericht München weist die Klage Kirchs auf Schadenersatz schon am ersten Verhandlungstag teilweise ab. Kirchs Anwälte hatten zum Prozessauftakt für einen Teil der Forderungen keine Anträge gestellt.

März 2009

Das Landgericht München weist einen Teil der Schadenersatzforderungen zurück. Es geht um Ansprüche der Kirch-Firma KGL Pool, in der 17 Töchter gebündelt sind. Sie fordern von der Deutschen Bank insgesamt rund 2 Milliarden Euro.

April 2010

Kirch scheitert mit einer Strafanzeige gegen Breuer. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verwirft einen Antrag auf Klageerzwingung als unzulässig.

Februar 2011

Das Landgericht München weist milliardenschwere Schadenersatzforderungen Kirchs zurück. Es geht um Ansprüche der Printbeteiligungs GmbH, in der Kirch seinen Anteil am Springer-Konzern gebündelt hatte. Die Kläger legen umgehend Berufung beim Oberlandesgericht ein – und finden Gehör.

Die Familie Kirch macht die Bank und den damaligen Vorstandschef Rolf Breuer für die Pleite des Medienimperiums mitverantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview Breuers im Februar 2002, in dem er öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des wankenden Kirch-Konzerns genährt hatte. Wenig später musste Kirch Insolvenz anmelden. „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte Rolf Breuer damals gesagt.

Kirch hatte später zu Protokoll gegeben: „Erschossen hat mich der Rolf.“ Kirch hatte in seinen letzten Lebensmonaten darauf gedrängt, das Verfahren abzuschließen. Überliefert ist sein Wunsch, dass fall er das Prozessende nicht erleben sollte, wenigstens seine inzwischen 86jährige Frau Ruth die Akte schließen können soll.

Die Deutsche Bank wollte sich genauso wie auch ein Kirch-Sprecher nicht zu den aktuelle Informationen äußern. Fitschen und Jain hatten vor kurzem angekündigt, sie wollten die drängendsten Rechtsstreitigkeiten möglichst in diesem Jahr beilegen.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.02.2014, 15:02 Uhr

Breuer muß durch sein grobes Fehlverhalten in Regress genommen werden

Account gelöscht!

19.02.2014, 15:20 Uhr

Hahahahaha, da kennen Sie aber unsere Elite schlecht. Überall dort, wo Kriminelle Zugriff auf das Geld Dritter haben (Politik,...), ist man stets bestens abgesichert. Nicht umsonst sind in D Staatsanwälte weisungsgebunden und Richter hörig.

Charbonnier

19.02.2014, 16:46 Uhr

Schade, ich hätte die Deutsche Bank ad personal Breuer gern verurteilt gesehen. Aber die Großen last mann ....... es sich erkaufen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×