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23.04.2015

09:59 Uhr

Vergleich im Zinsskandal

Deutsche Bank zahlt über zwei Milliarden Dollar

Die Deutsche Bank muss wegen Zinsmanipulation mehr als zwei Milliarden Dollar an Behörden in den USA und Großbritannien zahlen. Der Vergleich würde das leidige Kapitel für das Institut zumindest teilweise beenden.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat sich die Zinstricksereien beim Branchenprimus genauer angeschaut. Sie ging vor allem der Frage nach, ob etwa der heutige Co-Chef Anshu Jain (Foto) diese womöglich duldete. Reuters

Wie viel wusste er?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat sich die Zinstricksereien beim Branchenprimus genauer angeschaut. Sie ging vor allem der Frage nach, ob etwa der heutige Co-Chef Anshu Jain (Foto) diese womöglich duldete.

New YorkIm Skandal um Zinsmanipulationen zahlt die Deutsche Bank Informationen des Handelsblatts zufolge wohl mehr als zwei Milliarden Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien. Der seit langem erwartete Vergleich soll nach Reuters-Informationen am Donnerstag bekanntgegeben werden. Käme es dazu, könnte das in viele Rechtsstreitigkeiten verwickelte Institut seine größte Altlast zu den Akten legen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank sagte auf Anfrage lediglich, man arbeite weiter mit den Behörden zusammen. Das US-Justizministerium und der Regulierer in New York wollten sich nicht äußern. Zuvor am Mittwoch hatte die Bank mitgeteilt, die Belastungen wegen Rechtstreitigkeiten beliefen sich im ersten Quartal auf 1,5 Milliarden Euro. Sie ließ offen, für welche Altlasten die Summe anfällt.

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

In den Zinsskandal sind Banken weltweit verstrickt. Nach Erkenntnissen von Aufsehern hatten sich einzelne Händler bei wichtigen Referenzzinsen wie Libor und Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. An solchen Zinssätzen hängen Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar. Etliche Institute haben schon Vergleiche mit verschiedenen Instanzen geschlossen. Als bisherige Rekordstrafe in der Affäre galten die 1,5 Milliarden Dollar, die die Schweizer Großbank UBS bezahlen musste.

Die Deutsche Bank war von der EU-Kommission bereits Ende 2013 zu 725 Millionen Euro Strafe verdonnert worden. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat sich die Zinstricksereien beim Branchenprimus genauer angeschaut. Sie ging vor allem der Frage nach, ob Manager – etwa der langjährige Chef-Investmentbanker und heutige Co-Chef Anshu Jain – davon wussten und diese womöglich duldeten. Dieser Verdacht erhärtete sich bislang nicht, wie die Ermittler wiederholt durchblicken ließen. Der Abschlussbericht der BaFin steht aber noch aus, er wird im Mai oder Juni erwartet.

Modelle für die Zukunft der Deutschen Bank

Modell 1

Weiter so wie bisher mit allen Produkten für alle Kunden. Vollintegration der Postbank in den Konzern. Wahrscheinlichkeit: sehr gering.

Modell 2

Verkauf oder IPO der Postbank und des BHW-Bauspargeschäfts. Die für den Verschuldungsgrad relevante Bilanzsumme würde im Investmentbanking um 195 Milliarden und im Retailbereich um 140 Milliarden Euro sinken. Wahrscheinlichkeit: mittel bis hoch.

Modelle 3 und 4

Fokus auf Kunden bzw. Länder. Optionen mit vielen Nachteilen. Wahrscheinlichkeit: null.

Modell 5

Abgespalten wird das inländische und europäische Privatkundengeschäft, inklusive der Postbank (400 Milliarden Bilanzsumme). Die neue Deutsche Bank ist dann eine Unternehmerbank mit Investmentbanking, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung. Die Bilanzsumme sinkt um 50 bis 100 Milliarden auf rund eine Billion Euro. Wahrscheinlichkeit: hoch.

Die Verhandlungen der Bank mit den angelsächsischen Regulierern ziehen sich schon lange hin. Eigentlich hatte das Institut gehofft, das Kapitel bereits Ende 2014 schließen zu können. Doch weil viele verschiedene Behörden eingebunden sind, ging die Rechnung nicht auf. Reuters hatte im Oktober erfahren, dass die Bank in der Libor-Affäre mit einer Milliardenstrafe rechnet und entsprechend Rückstellungen gebildet hat.

Mit einem Vergleich wären die strafrechtlichen Vorwürfe aus dem Weg geräumt, zivilrechtliche Schadenersatzforderungen stehen noch aus.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.04.2015, 11:24 Uhr

Und trotzdem meldet der alte Brötchengeber vorab für Q1 Erträge (und die daraus zu zahlenden Steuern) annähernd auf Rekordniveau. Die kommen wohl kaum aus dem (boring) Retailgeschäft.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Account gelöscht!

23.04.2015, 11:46 Uhr

also irgendwie muss man sich doch mal bei den ganzen Manipulierungs - und Betrugsnummern fragen: gehört so einer Bank nicht die Banklizenz entzogen?

Ach ja: systemrelevant

Herr Thomas Melber

23.04.2015, 12:33 Uhr

Vielleicht sollten die Strafen aus dem Betriebsergebnis ("netto") bezahlt werden - und sollten den zu versteuernden Gewinn nicht mindern?

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