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22.03.2017

09:54 Uhr

Vergütung von Carsten Kengeter

Keine Superbörse, aber ein Supergehalt

VonMichael Brächer, Yasmin Osman

Die Fusionspläne der Deutschen Börse stehen vor dem Aus. Doch Vorstandschef Kengeter verdiente 2016 trotzdem eine Gesamtvergütung von rund 7,3 Millionen Euro. Ein Teil des Gehalts brachte ihn allerdings in Bedrängnis.

Börsenchef Kengeter: Die Fusionspläne des Managers stehen vor dem Aus. dpa

Carsten Kengeter

Börsenchef Kengeter: Die Fusionspläne des Managers stehen vor dem Aus.

FrankfurtGemeinsam mit der London Stock Exchange wollte die Deutsche Börse einen europäischen Börsengiganten schmieden. Doch die Fusionspläne von Börsenchef Carsten Kengeter stehen vor dem Aus, die EU-Kommission dürfte den Milliardendeal bald untersagen. Für Börsenchef Carsten Kengeter, der die Leitung der Superbörse übernehmen sollte, wäre das Scheitern des Deals zwar ein herber Rückschlag, aber es gibt ein dickes Trostpflaster: Laut Jahresbericht lag die Gesamtvergütung des Managers für das Jahr 2016 bei satten 7,3 Millionen Euro. Legt man die Regeln des Corporate-Governance-Kodex an, kommt man sogar auf 8 Millionen Euro. Doch ein Teil des Vergütungsprogramms brachte Kengeter in Bedrängnis.

Denn der Aufsichtsrat der Börse hatte eigens für Kengeter ein Bonusprogramm mit so genannten Performance-Aktien aufgelegt, deren Entwicklung sich an der Unternehmensentwicklung bemisst. Ausgerechnet dieses Bonusprogramm brachte Kengeter in die Bredouille.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter: Kleine Schritte statt großer Pläne

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter

Premium Kleine Schritte statt großer Pläne

Die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange steht vor dem Aus, auch wegen handwerklicher Fehler. Jetzt muss Chef Carsten Kengeter die Strategie ändern – und womöglich auch sich selbst.

Er hatte im Rahmen des Vergütungsprogramms Börsenaktien für 4,5 Millionen Euro auf eigene Rechnung erworben – und zwar im Dezember 2015, zwei Monate vor Bekanntwerden der Fusionspläne mit London. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt vermutet, dass der Börsenchef damals bereits von der bevorstehenden Fusion wusste und wirft ihm Insiderhandel vor. Sie durchsuchte das Börsenhauptquartier und die Privatwohnung des Managers. Kengeter will die Vorwürfe ausräumen. „Das Unternehmen und der Vorstandsvorsitzende kooperieren in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft“, heißt es dazu im Finanzbericht des Konzerns.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Darin wird auch der Deal mit der London Stock Exchange erwähnt, doch ohne jede Euphorie: Beide Seiten „sehen der weiteren Prüfung der Europäischen Kommission entgegen“, heißt es in dem Bericht. Wie diese Prüfung ausfällt, darüber macht sich bei der Deutschen Börse niemand große Illusionen.

Der Londoner Fusionspartner weigert sich, eine Vorgabe der EU-Kommission zu erfüllen und seine Anteile an einer italienischen Tochterfirma zu verkaufen. Beobachter im Umfeld der beiden Börsen sehen darin allerdings nur einen Vorwand. Es sind die Differenzen bei der Standortfrage, die zwischen beiden Lagern als unüberbrückbar gelten. Während die deutsche Seite nach dem Brexit auf einen Doppelsitz in London und Frankfurt gedrängt haben soll, halten die Briten weiterhin an London fest. Noch bis Anfang April kann die EU-Kommission über den Deal befinden, ein Nein gilt dabei quasi als gesetzt.

Kommentare (1)

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22.03.2017, 10:26 Uhr


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