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12.05.2014

23:04 Uhr

Verkauf oder Abwicklung

HRE hält sich mit der Depfa alle Türen offen

Was wird aus der Depfa? Einer Nachrichtenagentur zufolge steht jetzt die Entscheidung an, ob die Tochter der verstaatlichten Immobilienbank HRE verkauft oder abgewickelt wird - doch die Entscheider sind offenbar uneins.

Kurz vor der Finanzkrise hat die Münchner Immobilienbank HRE die irische Depfa übernommen. Nun muss die kollabierte HRE sie wieder loswerden. dpa

Kurz vor der Finanzkrise hat die Münchner Immobilienbank HRE die irische Depfa übernommen. Nun muss die kollabierte HRE sie wieder loswerden.

Berlin/FrankfurtIm Poker um die Zukunft des deutsch-irischen Staatsfinanzierers Depfa ist in der letzten Runde alles offen. Nach Reuters-Informationen aus Finanzkreisen und aus der schwarz-roten Koalition wird der Lenkungsausschuss des staatlichen Rettungsfonds SoFFin voraussichtlich am Dienstag entscheiden, ob die Tochter der in der Finanzkrise kollabierten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) veräußert oder ihre Vermögenswerte doch in Eigenregie abgewickelt werden.

"Beide Optionen liegen noch auf dem Tisch", hieß es am Montagabend im schwarz-roten Regierungsbündnis. Die Chancen stünden 50:50, verlautete auch aus Finanzkreisen.

Der Bund habe die Eigenabwicklung zuletzt zwar auch konkret durchrechnen lassen. Der Vorstand der HRE spricht sich aber für den Verkauf der Depfa an ein Konsortium aus Leucadia und MassMutual für einen Preis von 320 Millionen Euro aus, wie aus einem Dokument hervorgeht, dass der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend vorlag. Dieser Kaufpreis liege deutlich über dem von der HRE ermittelten Abwicklungswert von 114 Millionen Euro, heißt es darin. Die HRE wollte sich zur Sache nicht äußern.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Dem SoFFin-Lenkungsausschuss gehören jeweils ein Vertreter der Ministerien für Finanzen, Wirtschaft und Justiz sowie des Kanzleramtes und ein Vertreter der Bundesländer an. Im Regierungsbündnis hieß es, während das Finanzministerium zu einem Verkauf der defizitären Depfa neige, gebe es in der SPD die Meinung, die Steuerzahler würden besser wegkommen, wenn die Depfa in Eigenregie abgewickelt werde.

In diesem Fall würde der Bund das Portfolio an Staatsfinanzierungen über die Zeit selbst auslaufen lassen oder einzeln abverkaufen. Für viele Papiere hat sich der Markt zuletzt spürbar erholt und es gibt wieder Käufer.

Die HRE hatte in den vergangenen Wochen eine Reihe von Interessenten an der Depfa präsentiert und in Berlin intensiv für einen Verkauf geworben. Es lägen "belastbare" Angebote für die Depfa vor, und Garantien für das zu übertragende Portfolio seien nicht nötig. Der jetzt erzielbare Kaufpreis sei vorteilhafter als eine Eigenabwicklung der Bank durch den Bund, die etwa 25 Jahre dauern würde, hieß es.

Nun betonte die HRE in dem Dokument: "Neben der Betrachtung der finanziellen Risiken bei einer Eigenabwicklung bleibt zusätzlich der aus der Sicht der HRE zu befürchtende Kollateralschaden im Hinblick auf die anstehende Privatisierung der pbb zu beachten." Die Pfandbriefbank pbb ist der gesunde Nachfolger der HRE, der auf EU-Geheiß bis Ende nächsten Jahres verkauft werden muss.

Von

rtr

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