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03.01.2007

15:40 Uhr

Verkauf von Familienunternehmen

Mittelstand treibt Bankgeschäft an

VonR. Landgraf und C. Potthoff

Viele Familienunternehmen denken bei der Nachfolge an einen Verkauf. Wie das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in einer Umfrage festgestellt hat, steht jedes dritte der 90 000 Mittelstandsunternehmen vor einem Generationswechsel – davon über 30 Prozent in den nächsten zwei Jahren. Die Investmentbanken stellen sich darauf bereits ein.

FRANKFURT. In Deutschland wird die Zahl der Unternehmensverkäufe im Mittelstand stark zunehmen. „Jedes fünfte Familienunternehmen denkt bei der Nachfolge an einen Verkauf“, sagt Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions (M&A). Wie das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in einer Umfrage festgestellt hat, steht jedes dritte der 90 000 Mittelstandsunternehmen vor einem Generationswechsel – davon über 30 Prozent in den nächsten zwei Jahren. Außerdem müssten die mittelgroßen Unternehmen wachsen, „wenn sie in der europäischen Konsolidierung nicht untergehen wollen“, unterstreicht Lucks.

Die Investmentbanken stellen sich darauf bereits ein. Paul Lerbinger, Chef des Investment-Bankings bei der Citigroup in Deutschland, erwartet eine zunehmende Ausrichtung der M&A-Beratung auf den Mittelstand. Ohnehin dominieren kleine Deals bereits den deutschen Markt, wie Lucks festgestellt hat. Das Volumen von über der Hälfte der Transaktionen läge unter 50 Mill. Euro, auch wenn Mega-Deals wie die angestrebte Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa durch den deutschen Konkurrenten Eon oder der Kauf des britischen Gaseherstellers BOC durch die deutsche Linde die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Raimund Herden, Leiter des M&A-Geschäftes von Dresdner Kleinwort in Deutschland, hat festgestellt, dass es seit einigen Jahren eine konstante Zahl an Transaktionen mittelständischer Unternehmen mit einem Volumen von 300 bis 700 Mill. Euro gebe. „Das wird anhalten“, betont er. Auch Konkurrent Andreas Raffel, DeutschlandChef der Investmentbank Rothschild, erkennt ein Umdenken im Mittelstand. Eigentümer seien heute eher bereit, ihr Unternehmen ganz oder teilweise zu verkaufen, zum Teil, um damit das langfristige Überleben zu sichern. „Auch der Börsengang von Firmen sei im Mittelstand – anders als früher – nicht mehr stigmatisiert, sondern gesellschaftlich akzeptiert“, ergänzt Herden.

Selbst im Mittelstand kommt es inzwischen zu Übernahmekämpfen, wie das Beispiel des Schiffsgutachters Germanischer Lloyd zeigt. Mit Hilfe des ehemaligen Tchibo-Miteigners Günter Herz als „Weißen Ritter“ war es gelungen, die feindliche Übernahme des französischen Konkurrenten Bureau Veritas zu stoppen. Herz musste hierfür 575 Mill. Euro hinblättern. Bei dem im Nebenwerteindex MDax gelisteten Energiedienstleister Techem geht der Übernahmekampf zwischen dem Finanzinvestor und „Weißen Ritter“ BC Partners und der australischen Bank Macquarie allerdings noch munter weiter. Die Australier hatten zuletzt ihr Angebot je Techem-Aktie um ein Viertel auf 55 Euro angehoben.

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