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14.07.2016

11:19 Uhr

Verkauf von faulen Krediten

US-Bank will Monte Paschi helfen

Die älteste Bank der Welt kann sich laut einem Zeitungsbericht Hoffnungen machen, einen Teil ihrer faulen Kredite verkaufen zu können. Allerdings dürfte der Verkauf in der Bilanz ein milliardenschweres Loch reißen.

Der Eingang zur ältesten Bank der Welt: Das Hauptquartier von Monte dei Paschi in der toskanischen Stadt Siena. Reuters

The entrance of Monte dei Paschi di Siena bank's headquarters in Siena

Der Eingang zur ältesten Bank der Welt: Das Hauptquartier von Monte dei Paschi in der toskanischen Stadt Siena.

MailandDie italienische Krisenbank Monte Paschi kann sich einem Zeitungsbericht zufolge beim geplanten Verkauf fauler Kredite Hoffnung auf eine milliardenschwere Zwischenfinanzierung machen. Die führende US-Bank JP Morgan sei bereit, einen Brückenkredit in Höhe von sieben Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, berichtete „Il Messaggero“ am Donnerstag, ohne Quellen dafür zu nennen.

Das Geld würde an eine Zweckgesellschaft gehen, die faule Kredite im Volumen von 26,6 Milliarden Euro übernehmen solle. Diese Zweckgesellschaft werde zur Finanzierung der Transaktion zudem Anleihen ausgeben, die der italienische Bankenrettungsfonds Atlante teilweise zeichnen könne.

Laut Zeitung hat Monte Paschi die entsprechenden Kredite bereits um gut 63 Prozent abgeschrieben, würde sie aber mit einem Discount von 70 Prozent losschlagen. Das würde in der Bilanz ein vier Milliarden Euro großes Loch reißen.

JP Morgan und Monte dei Paschi di Siena - die Nummer drei der Branche in Italien - lehnten eine Stellungnahme ab. An der Mailänder Börse verteuerten sich die Aktien der Traditionsbank aus der Toskana um fünf Prozent.

Italiens Problembanken – Muss der Steuerzahler ran?

Wie schlecht geht es den Banken Italiens?

In den Bilanzen haben sich nach offiziellen Angaben faule Kredite von 360 Milliarden Euro angehäuft. Das entspricht einem Drittel der gesamten Problemdarlehen in der Eurozone. Bei fast jedem fünften Kredit in Italien ist die Rückzahlung in Gefahr. Und auch das dürfte noch nicht das volle Ausmaß sein. Wegen des Nullzinsumfelds lassen Banken viele Kredite noch ohne Tilgung weiterlaufen. Einfach loswerden können die Institute die Papiere nicht. Das würde zu hohen Verlusten führen, für die sie wohl nicht genügend Kapital hätten.

Wie konnte es zu dieser bedrohlichen Lage kommen?

Die jahrelange Krise hat Italiens Wirtschaft und damit den Banken schwer zugesetzt. Hinzu kommen aber auch hausgemachte Probleme, etwa eine viel zu laxe Kreditvergabe. Zudem ist der Bankensektor weiter stark zersplittert und wenig effizient. Lange scheute die Politik Reformen etwa des Insolvenzrechts oder bei Bankenfusionen.

Was heißt das für die Wirtschaft des Landes?

Es ist ein Teufelskreis. Schwache Banken vergeben weniger Kredite. Das bremst die Wirtschaftsentwicklung. Doch gerade die Geldhäuser sind wiederum auf eine starke Wirtschaft angewiesen, um ihre Bilanzen aus eigener Kraft zu stärken.

Muss also der Staat eingreifen?

Das sieht die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi so. Sie will Banken mit Milliarden frischem Kapital ausstatten. Unterstützung erhält sie von der Finanzindustrie. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Italien nun seine Banken rekapitalisieren muss, um Schlimmeres zu verhindern“, sagt etwa der Vizepräsident des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Philipp Hildebrand.

Droht eine Systemkrise?

„Wenn man jetzt eine italienische Großbank pleitegehen ließe, dann erzeugte man eine Ansteckung bei den Banken in ganz Europa“, meint Blackrock-Manager Hildebrand. Zig Milliarden haben allein deutsche Banken in Italien im Feuer. Schwache Banken gibt es auch anderswo – bedrohlich erscheint die Lage etwa weiter in Griechenland und Portugal. Den einen großen Schock erwartet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau diesmal aber nicht, er sieht vielmehr eine lange Abwärtsspirale.

Warum tut sich Europa aber so schwer mit dem Befreiungsschlag?

Steuermilliarden für die Rettung von Banken sollten nach den dunklen Erfahrungen der Finanzkrise 2008/2009 eigentlich der Vergangenheit angehören. So gilt seit Jahresbeginn in der EU die Vorgabe, dass bei einer Schieflage zunächst Eigentümer und Gläubiger einer Bank an den Rettungskosten beteiligt werden müssen. „Die Probleme müssen in den Banken geregelt werden“, fordert Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit voller Rückendeckung aus Deutschland. Er kritisiert, mit welcher Leichtigkeit einige Banker wieder öffentliche Gelder fordern.

Warum will Italien Bank-Investoren schützen?

Bei den angeschlagenen Regionalbanken sind es vor allem kleine Sparer, die deren Anleihen halten. Sie wurden ihnen als sichere Alternative zu den zinslosen Einlagen empfohlen. Diese Kleinanleger müssten teuer dafür bezahlen, wenn die Banken nun regelkonform gerettet würden. Versucht hat Italien das schon Ende 2015 bei vier kleinen Instituten. Es kam zu massiven Protesten. Seitdem gilt dieser Weg für die Regierung als nicht mehr gangbar.

Wanken die neuen Haftungsregeln?

Sie haben das Misstrauen von Investoren erheblich gesteigert und verschärfen die aktuelle Krise. Darunter leidet auch die Deutsche Bank. Das Problem ist nach Einschätzung von Kritikern, dass Europa das neue System eingeführt hat, ohne zuvor sein Bankensystem zu sanieren. Das müsse der Kontinent nun dringend nachholen, fordert etwa Blackrock-Mann Hildebrand. Notfalls müssten auch die Regeln gebrochen werden, meint der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Das Bankensystem zu ruinieren wäre deutlich riskanter.“ Ganz ausgeschlossen sind neue Staatshilfen aber auch nach den neuen Regeln nicht – etwa wenn eine Systemkrise verhindert werden muss oder beim Ende Juli anstehenden europäischen Banken-Stresstest neue Kapitallöcher auftreten.

Gibt es Hoffnung?

Neue Steuermilliarden können dazu führen, dass Reformen wieder aufgeschoben werden. Das leuchtende Gegenbeispiel sind die USA. In der Finanzkrise zwang die dortige Regierung Geldhäusern massenhaft Staatsgeld auf und setzte eine harte Sanierung durch. Heute stehen die Banken dort viel stabiler da und schreiben Rekordgewinne. Die Staatsgelder haben sie mit Zinsen zurückgezahlt.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters verhandelt die älteste Bank der Welt bereits mit dem Bankenrettungsfonds Atlante über den Verkauf von faulen Krediten. Dies bestätigten zwei mit der Situation vertraute Personen. Eine Lösung soll gefunden werden, bevor Ende des Monats das Ergebnis des europäischen Stresstests bekannt gegeben wird.

Der private Fonds Atlante war im April auf Drängen von Wirtschaftsministerium und Notenbank ins Leben gerufen worden, um kriselnden Banken bei Kapitalerhöhungen zu helfen und den Abbau der faulen Kredite zu organisieren. Nach der Rettung von zwei Volksbanken aus dem Veneto ist jedoch mehr als die Hälfte des Fondskapitals von 4,25 Milliarden Euro bereits verbraucht.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Jetzt werde über eine Aufstockung des Fonds beraten oder über die Schaffung eines „Atlante 2“, sagen Insider in Rom. Es gehe um eine Summe von zwei Milliarden Euro. Vergangene Woche hatte die Wirtschaftszeitung „Il sole – 24 ore“ geschrieben, dass ein Fonds geplant werde, der drei bis fünf Millionen Euro an Kapital haben solle, um die notleidenden Kredite aufzukaufen.

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