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11.09.2013

11:41 Uhr

Verkleinerung des Vorstands

Commerzbank mit Millionenforderung konfrontiert

Für die Commerzbank könnte die Verkleinerung des Vorstands teurer werden als erwartet. Einem Bericht zufolge verlangen die potenziell Geschassten insgesamt sieben Millionen Euro. Dem Bund passt die Summe überhaupt nicht.

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Das Finanzinstitut entscheidet noch, ob und welche Vorstände gehen – und wie hoch die Abfindung sein wird. dpa

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Das Finanzinstitut entscheidet noch, ob und welche Vorstände gehen – und wie hoch die Abfindung sein wird.

FrankfurtDie geplante Verkleinerung des Vorstands der Commerzbank zieht sich wegen schwieriger Verhandlungen über die Abfindungen weiter hin. Die beiden Manager, die das Geldhaus verlassen sollen, fordern insgesamt sieben Millionen Euro, wie die Zeitung „Die Welt“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtete. Vorstand und der Bund als Großaktionär wollten allerdings deutlich weniger zahlen. In Finanzkreisen wurden die Angaben aus der Zeitung bestätigt. Die Bank selbst wollte den Bericht nicht kommentieren. Am heutigen Mittwoch findet eine Strategiesitzung des Instituts statt. Zum Vergleich: Siemens dürfte gegenüber Ex-Vorstandschef Peter Löscher zwei Jahresgehälter plus Bonus als Ausgleichszahlung für die Vertragsauflösung leisten, was sich etwa 6,7 Millionen Euro summiert.

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hatte im August auf Drängen von Vorstandschef Martin Blessing beschlossen, den Vorstand von neun auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Dies sieht der Konzern als eine Konsequenz aus dem eingeleiteten Sparprogramm. Konkrete Personalentscheidungen, um eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Vorständen zu finden, gibt es aber noch nicht. Dem Vernehmen nach sollen Ulrich Sieber und Jochen Klösges gehen. Sie verantworten die interne Abwicklungseinheit, in der das Institut Geschäfte gebündelt hat, von denen es sich trennen will.

Laut Dienstvertrag stehen ihnen bei einer Abberufung zwei Jahresgehälter zu. Die beiden Vorstände haben im vergangenen Jahr jeweils gut 1,2 Millionen Euro verdient. Blessing will der Zeitung zufolge etwas mehr als zwei Millionen Euro pro Vorstand ausgeben. Wie das Handelsblatt exklusiv berichtete, drängt die Bundesregierung dagegen auf eine Zahlung von weniger als eine Million Euro. Mehr solle es nicht geben, schon gar nicht mitten in Wahlkampfzeiten, sagten Regierungskreise. Es könne nicht sein, dass Ex-Mitarbeitern von Schlecker nach der Pleite teilweise eine Abfindung von 500 Euro angeboten worden sei, Commerzbank-Vorstände aber Millionen kassierten. „Deshalb wird es auch vor der Bundestagswahl am 22. September keine Einigung geben“, heißt es in Berlin.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Zur Begründung für die Höchstgrenze von einer Million Euro wird auf den Rahmenvertrag zwischen dem Soffin und der Commerzbank aus dem Dezember 2008 verwiesen, als das Institut eine erste Hilfstranche von 8,2 Milliarden Euro überwiesen bekommen hatte. Mit dem Geld konnte die Bank gerettet werden, die in der Spitze mit 18,2 Milliarden Euro vom Staat unterstützt worden war. Im Rahmenvertrag sei von einer Abfindung von maximal zwei Jahresgehältern die Rede, betonen Insider. Damals entsprach das aber nur einer Summe von einer Million Euro, da es für die Vorstände noch eine Gehaltsbegrenzung von 500.000 Euro gab.

Für die beiden Vorstände Sieber und Klösges sei die Summe, die der Bund vorschlägt, nicht akzeptabel, berichteten Finanzkreise. Sie bekommen seit 2012 wieder jeweils ein Festgehalt von 0,75 Millionen Euro jährlich. Hinzu kommen Boni. Allein im vergangenen Jahr lag das Gesamtgehalt von beiden bei 1,2 und 1,3 Millionen Euro. Insgesamt müsse mit rund 2,3 Millionen Euro gerechnet werden, falls die Commerzbank mit ihrer Entlassungsbegründung durchkommt und die Vorstände aus „wichtigem Grund“ vorzeitig abberufen werden können, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Wenn der Streit vor Gericht ginge und die Bank verlieren würde, könnte die Summe noch höher ausfallen.

Unterstützung bekommen die Vorstände laut „Welt“ von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. Sie teilten die Ansicht, dass kein wichtiger Grund zur Abberufung vorliegt. Der Schritt gilt juristisch als heikel, da den Vorständen keine Pflichtverletzung im Amt vorgeworfen wird.

Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer Sieber, der zusätzlich für Personal verantwortlich ist, schätzen und ihn deshalb nicht gehen lassen wollen. Vor allem sind sie dem Bericht zufolge nicht damit einverstanden, dass künftig Finanzvorstand Stephan Engels auch den Posten des Arbeitsdirektors einnehmen soll.

Kommentare (8)

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MartinH

11.09.2013, 11:58 Uhr

Das ist interessant.
Bei den "kleinen" Arbeiter würde es nur heißen: Wir müssen sie Betriebsbedingt kündigen. Wenn der Arbeiter Glück hat, geht es noch halbwegs sozial von statten.

Bei diesen "komischen" Verträgen, sieht man mal wieder was für eine egoistische Selbstbedinungsmentalität in den oberen Führungspositionen vorherrscht.

kuac

11.09.2013, 12:03 Uhr

Das nennt die CDUCSUFDP: leistungsloses Einkommen!

WOODWOOD

11.09.2013, 12:10 Uhr

"Brauchen wir noch eine Bank...." ist die Commerzbank eigentlich systemrelevant? Vertrag ist leider Vertrag und muß eingehalten werden...das fällt in die Kategorie Rechtssicherheit und Vertrauensschutz als Standortfaktor D. Hätte man bei Vertragsschluss dran denken können und sollte es in Zukunft tun aber hinterher winseln ist doof! Was viel schlimmer ist, ist das der Bund eine Reduzierung der Abfindung fordert..das zeigt symptomatisch , was für ein Rechtsverständnis unsere Politik hat.....

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