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12.04.2012

10:49 Uhr

Verkleinerung

Société Générale laufen Investmentbanker weg

Die Société Générale will ihre Investment-Sparte reduzieren. Doch statt einem teuren Stellenabbauprogramm hat französische Großbank nun ein ganz anderes Problem: Viele Mitarbeiter gehen freiwillig - zu viele.

Die Société Générale verliert ihre Investmentbanker. dpa

Die Société Générale verliert ihre Investmentbanker.

ParisMuss ein Unternehmen sich verkleinern, freut es sich über jeden Mitarbeiter, der ein Angebot zum freiwilligen Ausscheiden aufgreift. Unangenehm wird es allerdings, wenn plötzlich sehr viel mehr Angestellte um ihre Papiere bitten, als eigentlich beabsichtigt war, wie es jetzt der französischen Socíeté Générale geschieht. Die will im Zuge der Verkleinerung ihres Investment-Bankings 880 Stellen in Frankreich abbauen und trifft offenbar auf eine fast dreimal so große Zahl von Angestellten, die nicht an ihrem Posten kleben.

Diese Zahl jedenfalls hat ein Gewerkschaftsvertreter der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ genannt, und sie wird von der Bank nicht dementiert. Der Delegierte der gemäßigten Arbeitnehmervertretung CFDT weist darauf hin, dass sich nicht nur rund doppelt so viele Mitarbeiter im Investment-Banking für das finanziell abgefederte Ausscheiden interessieren, als Stellen abgebaut werden sollen: Auch Kollegen aus ganz anderen Sparten der Bank, bei denen keine Reduzierung des Personals geplant sei, wollten auf das Angebot zugreifen. „Das ist ein Zeichen für die äußerst schlechte Stimmung in der Bank“, klagt der CFDT-Mann.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Société Générale selbst will davon nichts wissen. Offiziell verzichtet die Bank auf jede Stellungnahme. Wie zu erfahren ist, soll nicht jeder, der sich bei dem extra eingerichteten „Mobilitäts-Pool“ melde, tatsächlich entschlossen sein zu gehen. Mancher stelle einfach nur eine unverbindliche Überlegung an und wolle sich umhören, was es für Bedingungen gebe, andere interessierten sich für einen anderen Job im Unternehmen.

Kommentare (6)

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zocker

12.04.2012, 11:00 Uhr

wow, die Zocker verlassen eine Bank, die wieder ethisch werden will???

Bremer

12.04.2012, 11:50 Uhr

warum soll man warten bis man gekündigt wird? ..da sucht man sich doch mal selbst schnell was neues.

..wenn man vorher weis das viele Stellen abgebaut werden, da wartet man doch nicht bis es einen trifft... die Arbeitnehmer werden wirklich manchmal für zu doof gehalten.

Account gelöscht!

12.04.2012, 12:49 Uhr

Man hat den Eindruck, daß etliche Mitarbeiter die Lage der Bank so düster einschätzen, daß sie lieber gleich unter Mitnahme einiger "weicher Federkissen" gehen, als später ohne Abfindungen den Arbeitsplatz zu verlieren.

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