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07.04.2006

11:49 Uhr

Verlust

Lloyd’s übersteht Hurrikane mit einem blauen Auge

VonDirk Heilmann

Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s hat das Rekord-Schadensjahr 2005 mit einem relativ kleinen Verlust von 103 Mill. Pfund (147 Mill. Euro) überstanden. Analysten bestätigten, dass die Ergebnisse unter den gegebenen Umständen ordentlich seien.

LONDON. Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s hat das Rekord-Schadensjahr 2005 mit einem relativ kleinen Verlust von 103 Mill. Pfund (147 Mill. Euro) überstanden. Die durch die verheerenden Wirbelstürme im Golf von Mexiko verursachte Netto-Schadenssumme von 3,3 Mrd. Pfund hat die Reserven und die Bonität des traditionsreichen Marktes nicht geschmälert. In das neue Jahr ist Lloyd’s sehr vorsichtig gegangen. Profitabilität gehe beim Geschäft vor Wachstum, sagte Chairman Lord Peter Levene. Der neue Vorstandschef Richard Ward, der bald antritt, soll die Abläufe modernisieren.

„Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass wir bei derartigen Rekordschäden nur einen so kleinen Verlust gemacht hätten“, sagte Lord Levene. Lloyd’s dürfe sich jetzt aber nicht zurücklehnen und 2005 als Ausreißer abhaken. Der Vorstand werde das Risikomanagement weiter verbessern und sich auf weitere Jahre mit hohen Schäden durch Naturkatastrophen vorbereiten. Für 2006 sei er optimistisch.

Die Kosten für die Versicherung von Immobilien und Ölplattformen sind als Folge der Hurrikane gestiegen. Doch Luke Savage, Finanzchef und Interims-Vorstandschef, ist enttäuscht über die Entwicklung der Prämien im ersten Quartal. Lloyd’s rechnet damit, die Kapazität 2006 um sieben Prozent auf 14,8 Mrd. Pfund zu steigern.

Analysten bestätigten, dass die Ergebnisse unter den gegebenen Umständen ordentlich seien. Der Markt habe bewiesen, dass er auch großen Herausforderungen begegnen könne.

Lloyd’s blickt auf eine mehr als drei Jahrhunderte lange Geschichte zurück und funktioniert nach einem weltweit einzigartigen Modell. Auf dem Markt arbeiten 62 aus Einzelpersonen und Maklern bestehende Syndikate, die alle möglichen Risiken von Schmuck bis zu Satelliten versichern. Hunderte von Brokern treffen sich jeden Tag in einem futuristischen Stahlturm im Herzen der City, um Verträge abzuschließen – teilweise noch per Handschlag oder auf Notizzetteln. Doch die Konkurrenz wächst, vor allem am steuergünstigen Standort Bermudas. Um der zu begegnen, will Lloyd’ s nach einem im Januar beschlossenen Dreijahresplan die Kosten senken und die Abläufe modernisieren.

Große Hoffnungen setzt der Markt auf den neuen Vorstandschef Richard Ward, der an der Londoner Internationalen Ölbörse den elektronischen Handel eingeführt hat. „Wir wissen, dass wir viel tun müssen, um vorne zu bleiben“, sagte Lord Levene. Es sei absurd, welche Papierberge noch immer bei Lloyd’s bewegt würden.

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