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25.04.2012

06:43 Uhr

Verlustreicher Verkauf

Deutsche Bank trennt sich von Actavis

VonPeter Köhler

In der Finanzkrise war der isländische Generikahersteller Actavis eine Belastung für die Deutsche Bank. Jetzt stößt die Großbank das Unternehmen ab. Und muss Abschreibungen im dreistelligen Millionenbereich vornehmen.

Labor des Pharmaproduzenten Actavis: Die Deutsche Bank musste ihr Kreditengagement der Finanzkrise in Firmenanteile umwandeln. Pressefoto Actavis

Labor des Pharmaproduzenten Actavis: Die Deutsche Bank musste ihr Kreditengagement der Finanzkrise in Firmenanteile umwandeln.

Frankfurt Zunächst die gute Nachricht: Die Deutsche Bank wird wohl in Kürze eine ihrer problematischen Beteiligungen aus der Finanzkrise loswerden. Und jetzt die schlechte Nachricht: Dafür wird das größte deutsche Geldhaus voraussichtlich nochmals eine Abschreibung im dreistelligen Millionenbereich vornehmen müssen. Vorstandschef Josef Ackermann wird an diesem Donnerstag über das letzte volle Vierteljahr unter seiner Verantwortung berichten. Dabei dürften auch Details zu dem Fall Actavis veröffentlicht werden, berichten Finanzkreise.

Bei der Beteiligung handelt es sich um den Generika-Hersteller Actavis. Formal befindet sich die Pharmafirma im Besitz des isländischen Unternehmers Thor Björgólfsson, der die Gesellschaft 2007 von der Börse genommen hatte. Tatsächlich wird der Konzern aber von der Deutschen Bank kontrolliert, die seinerzeit die Übernahme durch Kredite finanziert hatte. Björgólfsson war im Zuge der isländischen Bankenkrise in Schwierigkeiten geraten. Das milliardenschwere Kreditengagement der Deutschen Bank wurde daher später in Anteile an Actavis gewandelt. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen bietet der amerikanische Konzern Watson Pharmaceuticals rund 4,5 Milliarden Euro für Actavis.

Der Buchwert, zu dem das Engagement bei der Deutschen Bank bilanziert ist, soll aber deutlich darüber liegen. Deshalb könne laut Finanzkreisen eine mittelgroße dreistellige Millionenabschreibung bei der Deutschen Bank anfallen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg bezifferte gestern die Belastung auf 300 bis 400 Millionen Euro. Im vierten Quartal vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bank bereits 407 Millionen Euro auf das Pharmaunternehmen abgeschrieben.

Actavis wird bei der Deutschen Bank dem Segment „Corporate Investments“ zugeordnet. Dort befinden sich alle Engagements, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Hierzu gehören auch der Vergnügungskomplex Cosmopolitan Resort & Casino in Las Vegas und die Anteile am Hafenbetreiber Maher Terminals. Der Buchwert aller Beteiligungen in Corporate Investments lag Ende 2011 bei 13,7 Milliarden Euro. Das Segment schloss nach den Wertberichtigungen mit einem Verlust von 1,1 Milliarden Euro ab. Ein Sprecher der Bank wollte sich zu den Spekulationen über den Actavis-Verkauf nicht äußern. Die Aktie der Deutschen Bank gab um 4,4 Prozent nach. Die Bank musste in den vergangenen Quartalen wiederholt Sonderbelastungen verdauen, darunter Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und Aufwendungen zur Beilegung von gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Kommentare (1)

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25.04.2012, 09:28 Uhr

Geschäftlicher Mißerfolg äußert sich in sinkenden Kursen.
Also: Der Markt funktioniert!
Ein Vorschlag: Als Bildschirmschoner für beide neuen Geschäftsführer schlage ich einen Aal vor, der sich schlängelnd am Flussgrund durch Aas bewegend nach einem paarungsbereiten Weibchen umsieht.

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