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11.06.2013

14:16 Uhr

Vermögensberatung

Deutsche Bank will aus eigener Kraft wachsen

Die Deutsche Bank hätte das Zeug zum Branchenführer in der Vermögensverwaltung, glaubt Co-Vorstandschef Anshu Jain. Übernahmen seien aber nicht geplant. Jain setzt eher auf Geduld.

Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. dpa

Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank.

FrankfurtDie Großbaustelle aufräumen, Wände einreißen, Kosten senken, neue Kunden anlocken - und Finger weg von Zukäufen: So sieht die Aufgabenliste aus, die Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain seinen Kollegen in der ertragsschwachen Vermögensverwaltung ins Stammbuch geschrieben hat. Seit einem Jahr baut Jains Vertrauter Michele Faissola den neu geschaffenen Bereich Asset and Wealth Management (AWM) radikal um.

"Wir haben alles, was es braucht, um ein echter Champion zu werden", gab Jain am Dienstag in Frankfurt das Ziel vor, wo die Deutsche Bank den zweiten Tag in Folge detaillierten Einblick in ihren Problembereich gab. "Aber wir haben das Potential der Sparte noch nicht gehoben." Wegen hoher Sanierungskosten lugt AWM gerade über die Nulllinie, bis 2015 soll die Sparte einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro abwerfen.

AWM verwaltet weltweit ein Vermögen von knapp einer Billion Euro. In Zeiten strengerer Regulierung ist das ein großes Pfund. Jetzt muss die Deutsche Bank damit nur noch Geld verdienen. Faissola war in den vergangenen Monaten damit beschäftigt, aus vielen Einzelbereichen eine Plattform zu zimmern: Die Vermögensverwaltung umfasst künftig die gesamte Produktpalette von aktiv gemanagten Fonds bis passiven Index-Produkten und bedient den einfachen Kleinsparer gleichermaßen wie die reichen Privatkunden und Profi-Anleger wie Versicherer und Pensionskassen.

Seit dem vergangenen Frühjahr wurden von den damals rund 7300 Vollzeit-Jobs in AWM rund 900 gestrichen. Weitere 330 Stellen werden bis Ende 2014 bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim wegfallen, einem der größten Sorgenkinder. Das Traditionshaus wird nach eigener Einschätzung erst 2015 wieder Gewinne schreiben.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Mittelfristig will Faissola in AWM mit rund 6000 Mitarbeitern auskommen. Den größten Teil der harten Sparmaßnahmen sieht er als abgeschlossen an - jetzt geht es darum, Wachstum zu generieren. Die Vermögensverwaltung in den westlichen Industriestaaten ist zwar ein sehr umkämpfter und weitgehend gesättigter Markt. Doch nach den Worten von Jain sind die anhaltenden Niedrigzinsen in den USA und Europa eine große Bürde für den Sparer. Hier seien individuelle Lösungen gefragt, die die Deutsche Bank mit ihrer Kapitalmarkt-Expertise liefern könne.

Besonders große Chancen sieht Jain aber in den Schwellenländern mit rasanten Wachstumsraten bei Bruttoinlandsprodukt und Bevölkerungszahl. "Die Ausgangsbedingungen sind hervorragend. Es liegt eine spannende Wegstrecke vor uns", betonte der gebürtige Inder. Nicht zuletzt will Jain rund um den Globus mit der bekannten Marke "Deutsche" die superreichen Privatkunden (UHNW) ködern - und sie von den Schweizer und angelsächsischen Konkurrenten weglocken. Credit Suisse, UBS, JP Morgan und inzwischen auch Goldman Sachs sind hier tonangebend.

Das Wachstum der AWM-Sparte soll allerdings aus eigener Kraft kommen, wie Jain betonte, zumindest bis 2015. "Wir müssen uns auf organisches Wachstum fokussieren." Der Umbau koste viel Geld und binde Ressourcen, da sei an Zukäufe bis auf weiteres nicht zu denken, sagte Jain. Erstmal gelte es, auf der eigenen Plattform aufzuräumen. "Wir müssen Michele und seinem Team eine möglichst lange Startbahn geben. Bitte seien Sie geduldig. Ich bin es auch."

Von

rtr

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