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24.01.2005

20:05 Uhr

Vermögensverwalter verlieren Vertrauen

Frankfurt Trust gibt HVB-Anteil ab

Die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust hat in den vergangenen Wochen ihre Beteiligung von rund 0,4 Prozent an der Münchener Großbank HVB (Hypovereinsbank) verkauft und ist damit nicht alleine. Auch andere Vermögensverwalter verlieren das Vertrauen in die HVB-Aktie.

HB MÜNCHEN. Fondsmanager Dieter Ewald begründete den Schritt am Montag damit, dass Frankfurt Trust schon damals erwartet habe, dass es bei der HVB auch im Zusammenhang mit dem Vorstandsumbau weitere Abschreibungen geben werde. „Mein Problem ist das Vertrauen. Sie haben zu oft gesagt, dass es das war“, sagte er. Nachdem die HVB-Aktie nach der Bekanntgabe von Abschreibungen auf Immobilienkredite von 2,5 Mrd. € am Freitag noch stabil reagiert hatte, gab der Kurs am Montag deutlich nach. Die Aktie schloss 3,04 % schwächer mit 17,23 €.

Experten sprachen von einer verzögerten Kursreaktion. „Jeder hat das Wochenende gebraucht, um alles durchzurechnen“, sagte Analyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Wegen der sich verschlechternden Kernkapitalquote gebe es Befürchtungen, dass die Bank erneut das Kapital erhöhen müsse. Die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust, die ihre Aktien vor der Bekanntgabe der milliardenschweren Abschreibung veräußerte, hatte über rund drei Mill. Aktien verfügt.

Der Fondsverwalter Deka, der nach Reuters-Daten etwa vier Mill. HVB-Aktien oder etwa 0,5 % des Kapitals besitzt, warnte, er werde ebenfalls Aktien verkaufen, wenn die HVB erneut ihr Kapital erhöhen sollte. Fondsmanager Jens Meyer sagte, er glaube nicht, dass ein solcher Schritt kurzfristig anstehe. Sollte aber das Geschäft in einem halben oder einem Jahr aber nicht so laufen wie von der HVB erhofft, könne dies in einer Kapitalerhöhung enden. „Wenn das passieren sollte, würde ich meine Aktien sofort verkaufen“, sagte Meyer, fügte allerdings hinzu: „Ich erwarte keine Kapitalerhöhung.“

Auch ein weiterer Fondsmanager kündigte den Verkauf seiner HVB-Aktien an. Er glaube nicht, dass das Immobilienportfolio endgültig bereinigt sei. Und durch die Abschreibungen würden die HVB-Aktien auch rechnerisch teurer. „Auf kurze Sicht ist eine positive Entwicklung schwer zu erkennen“, sagte er.

Die jüngste Kapitalerhöhung der HVB liegt nicht einmal ein Jahr zurück, damals hatte die Bank rund drei Mrd. € eingenommen. Die neuerlichen milliardenschweren Abschreibungen werden der HVB zum dritten Mal in Folge einen hohen Verlust bescheren die für Banken wichtige Kernkapitalquote auf etwa sechs Prozent drücken. Ein HVB-Sprecher bekräftigte, eine erneute Kapitalerhöhung sei nicht geplant.

Am Montag schlossen die HVB-Aktien den Handel mit einem Kursabschlag von gut drei Prozent bei 17,23 €. Die Aktie gehörte damit zu den größten Verlierern im Börsenbarometer Dax. Die Investmentbanken CSFB und Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) stuften ihre Empfehlungen für die Aktie herunter.

Viele Banken hoben ihr Kursziel für die HVB an und sprachen von einer nötigen Maßnahme zur Bereinigung. Die Analysten der Deutschen Bank stuften die Aktie der HVB auf „Halten“ von zuvor „Verkaufen“ hoch. Kurzfristig scheine die HVB ihre Kredite nun ausreichend abgesichert zu haben. Die Investmentbank Merrill Lynch erklärte, die Maßnahmen der HVB bestätigten, „dass sich die HVB dem Ende ihrer Probleme nähert“. Eine Kapitalerhöhung sei nicht nötig, da sich eine mögliche Herabstufung durch die Ratingagenturen nur begrenzt auf die Refinanzierungskosten auswirken dürfte.

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