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08.07.2014

17:18 Uhr

Vermögensverwaltung

Deutsche Bank will die Superreichen

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank erholt sich – bald oll sich kräftig wachsen. Dafür haben sich die Banker eine exquisite Zielgruppe ausgeguckt: die Superreichen.

Die schwierigen Zeiten sind überstanden: Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank soll wieder kräftig wachsen. Reuters

Die schwierigen Zeiten sind überstanden: Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank soll wieder kräftig wachsen.

LondonDie Deutsche Bank ruft das Ende der Flaute in ihrer Vermögensverwaltung aus. Nach zweijährigen Umbauarbeiten stehe die neue Plattform mit rund 6000 Leuten, erklärte der für die Sparte zuständige Manager Michele Faissola am Dienstag auf einer Konferenz seines Hauses in London. Jetzt gehe es darum, vom Sparmodus auf Angriff umzuschalten. „Unser Ziel ist es, schnell zu wachsen. Wir wollen der Wachstumsmotor im Deutsche-Bank-Konzern sein.“

Vor allem an die Superreichen in Asien will das Institut ran. Dass UBS, Credit Suisse oder JP Morgan dort schon lange ein- und ausgehen, schreckt Faissola nicht. Die Deutsche Bank sei eine starke Marke und habe alles, um der Konkurrenz die Stirn zu bieten.

Faissola, der dem erweiterten Vorstand der Deutschen Bank angehört, kommt wie Co-Vorstandschef Anshu Jain aus dem Investmentbanking. Jain hatte den Italiener 2012 an der Spitze der Vermögensverwaltung installiert, um den Bereich auf Rendite zu trimmen, Wände einzureißen und aus mehreren Firmen die neue „Deutsche Asset and Wealth Management“ (AWM) zu schmieden.

Jetzt werden aktiv gemanagte Fonds und passive Indexfonds für private und institutionelle Kunden zwar aus einer Hand angeboten. Mit einem verwalteten Vermögen von knapp einer Billion Euro läuft die Deutsche Bank dem unangefochtenen Branchenprimus Blackrock, der auf ein Vielfaches davon kommt, allerdings noch abgeschlagen hinterher. Und wegen der hohen Sanierungskosten lugte die Problemsparte beim Gewinn bislang nur knapp über die Nulllinie, obwohl sie 2015 ein Vorsteuerergebnis von 1,7 Milliarden Euro abliefern soll.

Diese Banken haben die beste Kernkapitalquote

Platz 8

Crédit Agricole (Frankreich) – 9,0 Prozent

Kernkapitalquote nach Basel III ausgewählter Banken, 1. Quartal 2014, Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters

Platz 7

Deutsche Bank – 9,5 Prozent

Platz 4

Bank of America (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

JP Morgan (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

Barclays (Großbritannien) – 9,6 Prozent

Platz 3

BNP Paribas (Frankreich) – 10,6 Prozent

Platz 2

HSBC (Großbritannien) – 10,8 Prozent

Platz 1

UBS (Schweiz) – 13,2 Prozent

Faissola demonstrierte in London dennoch Zuversicht. „Wir machen gute Fortschritte, aber es ist eine lange Reise“, sagte er. Es gebe keinen Anlass, an den Zielen zu rütteln. Auf bereinigter Basis habe AWM im vergangenen Jahr bereits 1,2 Milliarden Euro abgeliefert, rechnete Faissola vor. Und auch bei den Kundengeldern zeichne sich nach langer Durststrecke eine Trendwende ab. Im abgelaufenen zweiten Quartal hätten sich die Nettomittelzuflüsse von Kunden so gut entwickelt wie noch nie, betonte er.

Details werden mit dem Quartalsbericht der Bank Ende Juli erwartet. Ende 2013 hatten die Kunden unter dem Strich noch Milliardenbeträge abgezogen.

Große Einbußen gab es zuletzt vor allem im institutionellen Geschäft etwa mit Versicherern, wie Spitzenmanager der Bank hinter vorgehaltener Hand einräumen. Das sei jedoch zu verschmerzen, die Margen seien niedrig. Stattdessen gebe es milliardenschwere Mittelzuflüsse von reichen Privatkunden, mit denen sich ohnehin mehr verdienen lasse und auch die ramponierte Marke Sal. Oppenheim ziehe wieder. In absoluten Zahlen habe AWM seit der Neuausrichtung mehr als 200 Kunden neu gewinnen können.

Nach den Worten von Faissola soll das künftige Wachstum aus eigener Kraft kommen – etwa indem die Zahl der Kundenbetreuer für Superreiche um 15 Prozent aufgestockt wird. Nicht nur Asien steht dabei im Fokus, auch London soll als „Hub“ ausgebaut werden, da sich dort besonders viele russische Oligarchen und vermögende Araber tummeln, die ihr Geld anlegen wollen.

Anlocken will sie die Deutsche Bank mit einem starken Fokus auf sogenannte Alternative Investments, zu denen etwa Immobilien oder Private Equity gehören. Keinesfalls gehe es darum, etwa Blackrock mit seiner Dominanz im Markt für Indexfonds (ETFs) zu kopieren, erklärte Faissola. „Für die große Party im Passiv-Segment kommen wir zu spät. Bei den Alternative Investments sieht das anders aus.“

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Hans Döhrn

08.07.2014, 17:30 Uhr

Die Nachrichten der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank
hören sich zunächst erfreulich an. Daraus können sich
beträchtliche Gewinne ergeben. Die Bank braucht sie auch,
denn ein anderes Ereignis sollte nicht ausgeblendet sein.
Nach SZ-Informationen haben Ermittler bei der D.B. Ton-
bänder gefunden, die auf Absprachen bei der Libor-
festsetzung hinweisen. Es geht schlicht um den Verdacht,
dass einige Großbanken den Libor manipuliert haben sollen.
Unklar soll sein, ob einzelne Händler getrickst haben oder ein System dahinter steckt. Sollte sich der Verdacht
als begründet erweisen, dann sollte ein Gericht die Strafen bestimmen. Man kann bezweifeln, ob die jüngste
Kapitalerhöhung plus die Gewinne aus der Vermögensverwaltung ausreichen, um eine mögliche Strafe bewältigen zu können.

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