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07.11.2016

16:29 Uhr

Verschärfung der Eigenkapital-Vorschriften

Bankenverband will mehr Zeit für „Basel III“-Reform

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) will verhindern, dass die europäischen Banken durch die Reformen der „Basel III“-Regeln benachteiligt werden. Der Verband plädiert dafür, die Verhandlungen notfalls zu verlängern.

„Im Zweifel ist es besser, den Zeitplan der Baseler Aufseher zu strecken, als eine schlechte Lösung übers Knie zu brechen.“ dpa

BdB-Präsident Hans-Walter Peters

„Im Zweifel ist es besser, den Zeitplan der Baseler Aufseher zu strecken, als eine schlechte Lösung übers Knie zu brechen.“

FrankfurtDie deutschen Privatbanken wollen sich nicht mit der geplanten Verschärfung der weltweiten Eigenkapital-Vorschriften für die Branche abfinden. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) drängt darauf, die Verhandlungen im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht notfalls zu verlängern, um zu verhindern, dass die europäischen Geldhäuser durch die Neuregelung über Gebühr benachteiligt würden. „Im Zweifel ist es besser, den Zeitplan der Baseler Aufseher zu strecken, als eine schlechte Lösung übers Knie zu brechen“, sagte BdB-Präsident Hans-Walter Peters am Montag in Frankfurt.

Nach den bisherigen Plänen sollen die weltweit wichtigsten Notenbankchefs und Bankenaufseher unter dem Vorsitz von EZB-Präsident Mario Draghi im Januar letzte Hand an die Reformen der „Basel III“-Regeln gestritten. Die Banken halten die Änderungen für so massiv, dass sie selbst von „Basel IV“ sprechen. Im Baseler Ausschuss wird derzeit noch heftig darum gestritten, wie stark die Regeln verschärft werden sollen.

Aufsichtsbehörde BaFin: „Basel IV“-Verhandlungen drohen zu platzen

Aufsichtsbehörde BaFin

„Basel IV“-Verhandlungen drohen zu platzen

Die Verhandlungen über eine Verschärfung der Kapitalvorschriften für Banken stehen auf des Messers Schneide. Felix Hufeld, der Präsident der Aufsichtsbehörde BaFin, sieht die Gefahr, dass die Gespräche scheitern.

Der BdB fürchtet, dass die Banken in Europa danach 25 bis 30, zum Teil sogar 50 Prozent mehr Eigenkapital brauchen. Dabei hatten die Regulierer den Instituten versprochen, dass die Kapitanforderungen im Schnitt nicht signifikant steigen würden. „Es lohnt sich zu kämpfen, denn die Belastungen würden sonst zu hoch“, sagte Peters, im Hauptberuf Chef der Hamburger Privatbank Berenberg. Im Kern geht es darum, inwieweit sie ihre Risiken künftig noch mit internen Modellen berechnen dürfen, die von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden müssen. Vor allem Regulierer aus den USA fordern, deren Anwendung massiv einzuschränken und die Kreditrisiken mit einem Standardmodell zu berechnen, das für alle Banken gleich ist.

In Deutschland würde infolge der Neuregelung vor allem die Immobilienfinanzierung für die Banken deutlich teurer, sagte Peters, in Frankreich wären vor allem Kredite an Unternehmen betroffen. „Diese Wettbewerbsverzerrung wäre nicht hinnehmbar.“ US-Banken können ihre Immobilien-Kreditrisiken größtenteils an staatliche Institutionen wie Freddie Mac und Fannie Mae abgeben. Insidern zufolge würde vor allem die Deutsche Bank von den Einschränkungen an den internen Modellen massiv belastet, die ohnehin eine vergleichsweise knappe Kapitaldecke hat. Die Verhandlungen platzen zu lassen, wäre aber ein „fatales Signal“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Banken in ganz Europa hätten es schwer, frisches Kapital am Markt aufzunehmen, sagte Peters. Die Ertragsaussichten seien alles andere als gut. „Das Umfeld ist extrem schwierig. Es wird eine ganze schwierige Zeit auf uns zukommen.“ In den nächsten Jahren werde die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland kräftig sinken – aber das dürfe nicht durch die Regulierung ausgelöst werden. „Wir brauchen Banken, die stark sind und nicht nur so über die Runden kommen“, forderte der Verbandspräsident.

Von

rtr

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