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19.01.2007

18:37 Uhr

Versicherer berechnen Sturmschäden

„Kyrill“ kostet Versicherer Milliardensumme

Nachdem das Orkantief „Kyrill" abgezogen ist und eine Spür der Verwüstung durch das Land gezogen hat, laufen nun bei den Versicherungen die Telefondrähte heiß. Pausenlos rufen Kunden an und geben neue Schadensmeldungen durch. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf eine Milliardensumme. Das Gros davon haben die Gebäudeversicherer zu tragen – insbesondere die öffentlichen Versicherer aus dem Sparkassen-Verbund.

rl/ HB DÜSSELDORF. Ersten Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge wird der versicherte Schaden des Sturmtiefs „Kyrill“ rund eine Milliarde Euro betragen. „Wir haben „Kyrill“ mit dem Sturmtief „Jeannett“ aus dem Jahre 2002 verglichen. Danach waren die Windgeschwindigkeit, die Ausdehnung und die Verweildauer von „Kyrill“ größer als bei „Jeannett“. Deshalb gehen wir davon aus, dass „Kyrill“ größere Schäden angerichtet hat“, sagte ein GDV-Sprecher am Freitag. Für „Jeannett“ hatten die Deutschen Versicherer über 660 Millionen Euro bezahlt.

Mittlerweile beginnen auch einzelne Versicherer den Schaden konkret zu beziffern: „Nach ersten Schätzungen rechnet die Provinzial in Westfalen mit über 150 000 Sturmschäden und einem Schadenaufwand von 70 – 100 Milli­onen Euro“, teilt das Unternehmen mit. Nahezu jedes zweite Haus in der Region ist provinzialversichert.

Generell seien derartige Zahlen nicht leicht zu ermitteln, sagt der führende Wetterexperte der Münchner Rückversicherung Prof. Peter Höppe: „Die Schäden sind derzeit noch schwer abzuschätzen, weil es sich um ein besonders großflächiges Schadenereignis mit vielen Kleinschäden handelt". Beim zweitgrößten Rückversicherer leitet er leitet den Bereich Geo-Risikoforschung. Höppe: „Wir brauchen daher noch einige Tage bis zur ersten konkreten Schadenschätzung.“

„Was man sicher sagen kann ist, dass es einen Sturm dieser Art in Deutschland bislang noch nicht oft gegeben hat“, sagte ein Sprecher der zur Münchener Rück gehörenden Ergo-Gruppe. „Als Versicherer fällt uns daher ein Vergleich mit früheren Sturmereignissen schwer.“ Auch die Allianz als Marktführer nannte zunächst keine Zahlen. Derzeit schätzten mobile Einsatzteams im ganzen Land die Schäden ab, Telefon-Hotlines arbeiteten rund um die Uhr. „Bei den Versicherern klingeln die Telefone heiß“, sagte eine Sprecherin des Branchenverbandes GDV.

Der Orkan „Kyrill“ wütete am vergangenen Donnerstag von der Waterkant bis zum Watzmann, also fast in der gesamten Republik. Vielerorts richteten umgestürzte Bäume und Autos immense Schäden an. Mehrere Menschen sind durch den Orkan ums Leben gekommen. Die meisten Sachschäden dürften versichert sein, da „Kyrill“ mit Windstärke elf bis zwölf auf jeden Fall die kritische Grenze der Versicherer von mindestens Windstärke acht überschreitet. „Es ist nicht anzuzweifeln, dass eine Grundvoraussetzung für den Versicherungsfall eingetreten ist: nämlich Windstärke acht," sagte eine Sprecherin von Axa. „Es gab nur einen kleinen Zipfel in Deutschland, wo die Windstärke unter acht geblieben ist.“

Allerdings verwiesen Experten darauf, dass die Bevölkerung im Fall von „Kyrill“ bereits frühzeitig vor möglichen Schäden gewarnt wurde. „Wir haben aber den Eindruck, dass sich die Bevölkerung heute besser auf Unwetter vorbereitet und zum Beispiel die Autos in Garagen oder an sichere Plätze fährt“, sagte etwa ein Sprecher der Ergo-Tochter Victoria. „Vermutlich liegt das auch an der zunehmenden Berichterstattung über Klimaveränderungen und Stürme.“ Die Aktien von Allianz und Münchener Rück verloren am Vormittag in einem insgesamt schwächeren Gesamtmarkt 0,3 beziehungsweise 0,7 Prozent. Hannover Rück und AMB Generali notierten hingegen leicht im Plus.

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