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02.01.2009

08:28 Uhr

Versicherer

Der Kunde ist die beste Versicherung

VonThomas Schmitt

"Krise? Nein, danke!" So denken die deutschen Versicherer. Viele Kunden sehen das anders. Fast die Hälfte der Deutschen meint, dass die Glaubwürdigkeit der Assekuranz durch die Finanzkrise gefährdet ist. Doch da liegen sie weitgehend falsch.

Bisher ist die Finanzmarktkrise an den Versicherern vorbeigegangen. Foto: Archiv

Bisher ist die Finanzmarktkrise an den Versicherern vorbeigegangen. Foto: Archiv

FRANKFURT. Bisher sind die Versicherer glimpflich davongekommen. Die überraschend große Stabilität hängt mit ihrem Konstruktionsprinzip zusammen. Egal, ob die Zeiten gut oder schlecht sind, Monat für Monat fließt Geld in die Versicherungen. 80 Mrd. Euro sammeln dieses Jahr allein die Lebensversicherungen ein. Insgesamt haben die deutschen Versicherer 2008 mehr als 165 Mrd. Euro eingenommen. Das heißt: In jeder Sekunde fließen mehr als 5 000 Euro in die Kassen. Jeder Deutsche zahlt pro Jahr etwa 2 000 Euro an Versicherer.

Natürlich laufen Lebensversicherungen aus, die Menschen werden krank, es passieren Unfälle. Rechnet man Schäden, Auszahlungen und Kosten ab, bleiben den Unternehmen aber immer noch stattliche Gewinne: Milliarden bei den Großen, Millionen bei den Kleinen. Das ist häufig deutlich weniger als im Vorjahr, doch allemal stattlich. Deshalb urteilt der bisherige Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernhard Schareck: "Die Finanzmarktkrise ist keine Krise der Versicherungen."

Schaut man sich die 469 Mitglieder des GDV und ihre 213 000 Beschäftigten näher an, so ist die Krise zwar doch zu erkennen. Das gilt vor allem für die Kapitalanlagen: Renditen von fünf Prozent oder mehr sind 2008 nicht drin. Doch da inzwischen der Aktienanteil nahezu überall zurückgeführt oder stark abgesichert worden ist, wirkt sich das nur noch wenig in den kommenden Jahren aus. Entscheidend ist, dass die Versicherer ihr Geld zum allergrößten Teil vorsichtig investieren. Sie legen großen Wert auf regelmäßige Zinszahlungen, ob vom Staat, von Banken oder Unternehmen. Dass die Lebensversicherer ihren Kunden im Schnitt sogar mehr als vier Prozent zuschreiben, belegt eindrucksvoll die Polster.

Die Anlagerenditen sind zwar gefallen, aber immer noch positiv, weil die deutschen Unternehmen traditionell nicht zu den Zockern gehören. In den "Giftmüll", wie er gerne genannt wird, haben deutsche Versicherer so gut wie gar nicht investiert - genauso wenig, wie sie ihn rückversichert oder garantiert haben. "Sicherheit, Rentabilität, Liquidität, Mischung und Streuung" verlangt die Aufsicht. "Das ist oft belächelt und als langweilig bezeichnet worden", sagt Versicherungsmanager Schareck. "Diese vermeintliche Langeweile zahlt sich nun nachhaltig aus."

Aufgrund ihrer Einnahmen- und Anlagestruktur hat die Branche kein Refinanzierungsproblem wie die Banken. Es ist genug Geld da, das ausgezahlt werden kann - bei Bedarf. Diese Stabilität wird sich auch auf das Image der Branche positiv auswirken. "Vertrauen ist essenziell für unser Geschäftsmodell", sagt Schareck. Denn: "Was verkaufen wir? Ein Blatt Papier mit einem Versprechen!"

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