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13.01.2005

07:55 Uhr

Versicherer und Banken verkaufen mehr und mehr ihre großen Unternehmensbeteiligungen

Kehraus bei den Finanzkonzernen

VonCaspar Busse (Handelsblatt)

Die Finanzmanager bei Allianz, Münchener Rück und Commerzbank reiben sich die Hände. Der Verkauf der milliardenschweren Sperrminorität am Mischkonzern MAN dürfte für einen ansehnlichen Gewinn sorgen. „Wir sind sehr zufrieden mit der langfristigen Entwicklung unseres MAN-Investments“, freute sich am Mittwoch ein Sprecher der Münchener Rück. „Wir halten das für einen geeigneten Ausstiegszeitpunkt“, fügte eine Allianz-Sprecherin mit Blick auf den zuletzt stark gestiegenen Aktienkurs von MAN hinzu.

MÜNCHEN. Der Abschied der drei Konzerne von MAN, die ihre 25-Prozent-Beteiligung in der Beteiligungsgesellschaft Regina gebündelt hatten, passt in die langfristige Strategie. Seit gut fünf Jahren stoßen Versicherer und Banken verstärkt ihre milliardenschweren Beteiligungen an deutschen Industriekonzernen ab.

Die in Jahrzehnten gewachsene Deutschland AG, also die enge Verbindung zwischen Industrie und Finanzwelt, löst sich auf. So verkaufte etwa die Allianz das Paket am Kosmetikhersteller Beiersdorf für über vier Mrd. Euro. Die Hypo-Vereinsbank trennte sich von ihren Beteiligungen in der Bier-Branche. Und die Deutsche Bank veräußerte Pakete an MG Technologies, Continental und Südzucker.

Die 25-Prozent-Sperrminorität an MAN war zwar eine der letzten ganz großen Beteiligungen der Finanzwirtschaft an einem Dax-Unternehmen. Die Umschichtungen im Beteiligungsportfolio werden aber weitergehen. „Grundsätzlich gilt: Wir wollen uns von Industriebeteiligungen trennen“, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher. Die größte Bank Deutschlands ist noch mit gut zehn Prozent an Daimler-Chrysler beteiligt. Die Allianz hält ein Paket von etwa elf Prozent am Gase-Hersteller Linde. Zudem sind die Finanzkonzerne auch untereinander verbunden. Die Allianz und die Münchener Rück haben ihre Überkreuzverflechtung von gut 25 Prozent auf etwa 10 Prozent abgebaut. Weitere Verkäufe sind geplant. Zudem will die Münchener Rück mittelfristig die 18-Prozent-Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank reduzieren.

Um flexibler zu werden, schichten die Versicherungskonzerne um und legen zunehmend europaweit an. Zudem werden in der Regel neue Beteiligungen von unter fünf Prozent eingegangen, damit die Pakete leichter zu verkaufen sind und die Risikostreuung größer ist. „Es ist die Strategie, Beteiligungen eher auf handelbare Größen zu reduzieren“, sagte ein Allianz-Sprecher. Europas größter Versicherer investiert darüber hinaus auch verstärkt in nicht-börsennotierte Firmen. „Private Equity wird an Bedeutung gewinnen“, sagte zuletzt Allianz-Vorstand Paul Achleitner.

Fast alle Versicherer haben in den vergangenen Jahren der Börsenkrise ihre Aktienquote reduziert. In den meisten Fällen können sich die Finanzkonzerne dabei über ansehnliche Gewinne freuen – so auch beim Verkauf der MAN-Beteiligung. Die drei Partner sind seit Anfang der 70er-Jahre an dem Münchener Mischkonzern beteiligt. 1986 entstand dann durch die Verschmelzung von MAN mit der GHH Gute Hoffnungs-Hütte der heutige MAN-Konzern.

Die Aktie hat sich nach Angaben der Münchener Rück in den vergangenen knapp 20 Jahren deutlich besser als der Dax entwickelt. Auch in den vergangenen zwölf Monaten schnitt die MAN-Aktie mit einem Plus von 14 Prozent besser ab als der Markt. Die Aktien wurden nach Angaben aus Finanzkreisen zu 29 Euro platziert. Gestern lag das Papier mit knapp drei Prozent im Minus bei fast 29 Euro.

Insgesamt hat der Aktienverkauf von knapp 25 Prozent der MAN-Anteile ein Volumen von deutlich über einer Mrd. Euro. Die Verkäufer machten keine Angaben zur möglichen Höhe der Buchgewinne. Da die Beteiligung aber bereits sehr lange gehalten wird und damit die Buchwerte recht gering sind, dürften sie erheblich sein. Analysten rechnen mit einem Buchgewinn bei der Allianz von etwa 200 Mill. Euro, bei Münchener Rück und Commerzbank von jeweils bis zu 100 Mill. Euro. Die Erträge werden im laufenden ersten Quartal, spätestens im zweiten Quartal gebucht, hieß es aus den Finanzkonzernen. Sie sorgen zum Jahresanfang bereits für einen warmen Regen in den Bilanzen. Das kann zumindest die Commerzbank gut gebrauchen, denn sie erwartet 2005 ein weiteres schwieriges Bankenjahr.

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