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26.01.2007

16:57 Uhr

Versicherungsangebot

Konzerne kennen ihre Risiken nicht

VonRita Lansch

Die Korruptionsskandale von VW und Siemens veranschaulichen ein Problem deutscher Unternehmen: Sie haben ihre Risiken nicht optimal im Griff. Erste Konzerne, wie BMW und Bertelsmann, beginnen ihr Risikobewusstsein über das Versicherungsangebot hinaus zu schärfen.

HAMBURG. „Die Unternehmen konzentrieren ihr internes Risikomanagement noch zu sehr auf die bloßen Versicherungsrisiken“, mahnen ausgerechnet Versicherungsmakler, die eigentlich von der Vermittlung von Policen leben. Anstatt einzelne Gefahren unabhängig voneinander zu versichern, müssten die Unternehmen dazu übergehen, sich ein Gesamtbild ihres Geschäftsrisikos zu verschaffen und entsprechend vorzubeugen, sagen Experten.

Studien, wie etwa eine Untersuchung des US-Versicherer FM Global, bescheinigen den europäischen Konzernen schon seit Jahren empfindliche Defizite im Vergleich zu US-Firmen. So werden in einem US-Geschäftsbericht regelmäßig über mehrere Seiten die Risiken eines Unternehmens und damit auch seiner Aktionäre beschrieben. In deutschen Geschäftsberichten fehlen solche Hinweise oft ganz, oder die Lage wird viel zu freundlich beschrieben.

Das Bild beginnt sich unter dem Druck der Kapitalmärkte allerdings zu wandeln. Erste Konzerne, wie BMW und Bertelsmann, beginnen ihr Risikobewusstsein über das Versicherungsangebot hinaus zu schärfen, haben die Berater von Mercer Oliver Wyman beobachtet. „Eine ganzheitliche Beschäftigung mit den Risiken ist aber auch in Top-Unternehmen noch unterentwickelt“, sagt Rainer Witzel, Leiter Konzernkunden beim Maklerhaus Marsh in Deutschland. Das liege daran, dass zu regulatorisch damit umgegangen werde. Die Firmen hätten etwa die Forderung des Gesetzgebers nach mehr Kontrolle und Transparenz (KonTraG) viel zu bürokratisch umgesetzt, statt im Sinne von Prävention.

Die Folge: Weder der Finanzvorstand noch der Aktionär sei über die Risiken des Unternehmens umfassend informiert. „Mit den aktuellen Risikoprofilen kann die Unternehmensspitze häufig nichts anfangen“, sagt Witzel. Das müsse erst mal in die Sprache der Finanzleute übersetzt werden. Druck zur Veränderung sieht Witzel zunehmend von den Aktionären kommen, die ihre Interessen immer selbstbewusster einforderten. Diesem Shareholder Value Gedanken fühlt sich die junge Generation von Finanzvorständen mit Auslandserfahrung offenbar mehr verbunden als die Nachkriegsgeneration. Moderne Manager fordern, das Risikomanagement einzelner Abteilungen, wie des Controlling und des Versicherungseinkaufs, zu verzahnen. „Entscheidend ist das Zusammenspiel von Risikomanagement und Versicherungseinkauf“, meint auch Jörg Bechert vom führenden deutschen Makler Aon Jauch & Hübener.

Die Risiken nur durch die Brille der Versicherer zu sehen, wäre nach Ansicht von Witzel zu einseitig, „da die versicherbaren Risiken nur einen geringen Teil des Gesamtrisikos ausmachen.“ Außerdem schließen die Versicherer gern Risiken aus ihren Policen aus, wie gestern auf einer Tagung zur Haftpflichtversicherung in Hamburg beklagt wurde. „Was der Versicherer einmal ausschließt, bleibt weg“, so der Tenor der Teilnehmer. Die Risiken würden hingegen komplexer.

Hinzu kommen viel zu hohe Kosten für die Verlagerung der Risiken auf Versicherungen. „Die Prämien – immerhin in der Größenordnung von zwei- bis dreistelligen Millionen Euro – können mit bis zu 40 Prozent Kosten und Steuern belastet“, sagt Witzel. Da ergebe die Versicherung manchmal gar keinen Sinn. Der Makler kenne Schäden, „bei denen waren die Bearbeitungskosten höher als die Schaden summe selbst.“

In Konsequenz fordern die Kunden aber auch von den Maklern Unterstützung: „Wichtig ist auch die Weiterentwicklung der Makler weg vom provisionsgetriebenen Vermittler hin zum Berater“, sagt Bertelsmann-Risikomanager Jurand Honisch.

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