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24.01.2013

17:33 Uhr

Versicherungsriese

Allianz räumt Scheitern im Bankgeschäft ein

ExklusivDie Allianz ist mit dem Einstieg ins Bankgeschäft gescheitert. Das gibt Deutschland-Vorstand Moschner unumwunden zu. Die betroffenen Mitarbeiter sollen im Konzern untergebracht werden – garantiert ist das jedoch nicht.

Allianz-Zentrale: „Wenn man die Bank schließt, dann ist das natürlich ein Scheitern“. Reuters

Allianz-Zentrale: „Wenn man die Bank schließt, dann ist das natürlich ein Scheitern“.

MünchenDie Allianz hat ihr Scheitern im Bankgeschäft eingeräumt. „Wenn man die Bank schließt, dann ist das natürlich ein Scheitern“, sagte der zuständige Allianz-Deutschland-Vorstand Andree Moschner dem Handelsblatt. Der Versicherungskonzern habe in den vergangenen Jahren netto rund 400 Millionen Euro in die Allianz Bank gesteckt. Diese soll nun wegen anhaltender Verluste Mitte des Jahres geschlossen werden.

Die Allianz bemühe sich, die 450 betroffenen Mitarbeiter anderswo im Konzern unterzubringen, sagte Moschner. „Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nicht ausgeschlossen.“ Die Allianz habe es lange probiert. „Wir haben langen Atem gezeigt, wir haben das Geschäft vier Jahre gemacht.“

Allianz: Stärken und Schwächen

Gut gerüstet für schwierige Lage

Die Umstände könnten leichter sein für die Allianz: Die Staatsschuldenkrise sorgt für Unsicherheit. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und es gibt immer mehr Naturkatastrophen. Doch Europas größter Versicherer ist vergleichsweise gut gerüstet. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Vermögensverwaltung

Der Versicherungskonzern verwaltete im Jahr 2011 Anlagen im Wert von fast 1,7 Billionen Euro. Das sind noch einmal neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Rund drei Viertel davon verwaltet der Konzern "für Dritte", also nicht für die eigenen Versicherungskunden. Mit diesem Geschäft erzielt die Allianz hohe Provisionserlöse.

Stärke: Ergebnis steigt

Die hohen Provisionserlöse führen dazu, dass das operative Ergebnis der Asset-Management-Sparte im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro anstieg. Die Sparte trug damit einen Großteil des Gewinns des Allianz-Konzerns bei. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen zählt die Allianz zu den größten Vermögensverwaltern der Welt.

Stärke: Gute Verteilung

Das Geschäft ist dabei seit Jahresbeginn auf zwei gleichberechtigte Anlageverwalter aufgeteilt: Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Zuvor war Pimco ein Tochterunternehmen von AGI. Nun ist der sehr erfolgreiche Anleihespezialist unabhängiger und kann eigenständig seine Fonds managen und vertreiben.

Stärke: Hohe Kundenzufriedenheit

Kaum ein anderer deutscher Konzern analysiert so genau, was seine Kunden denken und wie zufrieden sie sind. In einem Kundenbericht publiziert die Allianz nun regelmäßig die Ergebnisse. Auf einer Notenskala von eins bis fünf bekommt die Allianz von den Kunden für die Produkte durchschnittlich die Note 1,9 und für den Service die Note 2,3.

Stärke: Hohe Preise zu rechtfertigen

Eine hohe Zufriedenheit ist wichtig, weil der Konzern nur dann seine Preise rechtfertigen kann. Laut Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand bei der Allianz Deutschland, hat der Konzern noch zu wenig rundum begeisterte Kunden, die eine 1,0 vergeben.

Stärke: Viel Neugeschäft

Gerade solche Kunden sind wichtig, denn die Untersuchungen des Konzerns haben ergeben, dass die 20 Prozent der Kunden mit der höchsten Zufriedenheit im Schnitt mehr als doppelt so viel Neugeschäft bringen wie der Durchschnittskunde.

Schwäche: Deutsche Sachversicherung

Ausgerechnet der Heimatmarkt ist für die Allianz in der Sachversicherung ein Sorgenkind. Die Beitragseinnahmen der Allianz Versicherungs-AG, in der die Sachversicherung gebündelt ist, waren auch 2011 leicht rückläufig (siehe Grafik). Dass es Probleme bei der Profitabilität gibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote von 102,2. Nur bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Schwäche: Kfz-Versicherung

Vor allem die wichtige Kfz-Versicherung schwächelt. Die Zahl der versicherten Autos sank 2011 nochmals um 50?000 auf 8,12 Millionen Fahrzeuge. Marktführer ist die Huk-Coburg (8,7 Millionen Fahrzeuge). "Was die Autoversicherung angeht, hat die Allianz ungünstigere Kostenstrukturen als die Konkurrenz", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Schwäche: Starke Konkurrenz

Die Huk-Coburg kann dank ihrer automatisierten Prozesse billigere Tarife anbieten. Der neue Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß will die Profitabilität steigern und baut die Sparte um. Mit Preiserhöhungen nimmt die Allianz auch weitere Marktanteilsverluste in Kauf, wenn dadurch das Geschäft wieder mehr Gewinn abwirft.

Schwäche: Das Bankgeschäft

Die Allianz vertreibt neben dem Versicherungsgeschäft auch Bankprodukte. Doch das Geschäft läuft nicht rund. Der Umsatz ging 2011 leicht auf 567 Millionen Euro zurück, die Sparte schrieb einen operativen Verlust von 68 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und der Allianz Bank aktiv. 2011 schrumpfte das Ergebnis der OLB nach Steuern um rund 68 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

Schwäche: Hohe Risikovorsorge

Sie musste viel Risikovorsorge für wacklige Schiffsfinanzierungen bilden. Die Allianz Bank - formal eine Zweigniederlassung der OLB - schrieb vor Steuern 1,8 Millionen Euro Verlust. Sie tut sich schwer mit der Neukundengewinnung.

Eine Trendwende sei aber nicht in Sicht. Für die Schwierigkeiten machte er vor allem die Finanzkrise und das Niedrigzinsniveau verantwortlich. „Außerdem haben wir es nicht geschafft, das Bankgeschäft in der Breite in die Agenturen zu bringen.“

Die Allianz hatte ihre Bank nach dem Verkauf der Dresdner Bank im Juni 2009 aus der Taufe gehoben. Sie ist eine Tochter der Oldenburgischen Landesbank (OLB). An der Regionalbank will die Allianz hingegen festhalten. Mit der Allianz Bank wollte der Konzern über die Versicherungsvertreter auch weiterhin einfache Bankprodukte wie Giro- oder Tagesgeldkonten, Fondssparpläne oder Kleinkredite anbieten.

Zum Start hatte die Allianz Bank einen Kundenstamm von rund 350.000 Kunden, die von den Allianz-Vertretern ursprünglich für die Dresdner Bank angeworben waren. Damals hatte die Allianz Bank das Ziel ausgegeben, jedes Jahr 100.000 neue Kunden anzuwerben und spätestens 2014 keine Verluste mehr zu schreiben. Doch diese Ziele waren bis zuletzt nicht erreicht worden. „Unsere Erwartung, mit unserem Geschäftsmodell im hart umkämpften Privatkundengeschäft profitabel wachsen zu können, hat sich nicht erfüllt“, sagte Moschner, der auch OLB-Aufsichtsratschef ist.

Die Verluste der Allianz Bank sind vergleichsweise niedrig – im Bankgeschäft kam die Allianz zuletzt dank kleiner OLB-Gewinne operativ auf eine schwarze Null. Dennoch entschied sich der Versicherungskonzern nun für den radikalen Schnitt.

Versicherer in Europa

Europa

Zahl der Unternehmen: 5078 (in 2008)

Beschäftigte: 956 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 1104 Milliarden Euro

Daten aus 2010

Deutschland

Zahl der Unternehmen: 582

Beschäftigte: 216 400

Bruttoprämien: 179 Milliarden Euro

Frankreich

Zahl der Unternehmen: 441

Beschäftigte: 147 400

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Italien

Zahl der Unternehmen: 242

Beschäftigte: 47 185

Bruttoprämien: 126 Milliarden Euro

Großbritannien

Zahl der Unternehmen: 1314

Beschäftigte: 117 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Niederlande

Zahl der Unternehmen: 268

Beschäftigte: 57 000

Bruttoprämien: 78 Milliarden Euro

Belgien

Zahl der Unternehmen: 145

Beschäftigte: 23 727

Bruttoprämien: 29 Milliarden Euro

Schweiz

Zahl der Unternehmen: 151

Beschäftigte: 45 659

Bruttoprämien: 40 Milliarden Euro

Spanien

Zahl der Unternehmen: 292

Beschäftigte: 47 779 (in 2009)

Bruttoprämien: 57 Milliarden Euro

Dänemark

Zahl der Unternehmen: 184

Beschäftigte: 16 773

Bruttoprämien: 21 Milliarden Euro

Schweden

Zahl der Unternehmen: 386

Beschäftigte: 20 414

Bruttoprämien: 28 Milliarden Euro

Die Abwicklungskosten werden von der Allianz Deutschland getragen, die auch die Anlaufverluste der Allianz Bank übernommen hatte. Ein Sprecher sagte, die Allianz Bank habe den Konzern seit der Gründung vor vier Jahren rund 400 Millionen Euro gekostet. Länger laufende Produkte würden fortgeführt, für Konten und Kreditkarten müssten sich die Allianz-Bank-Kunden aber eine neue Bankverbindung suchen, sagte der Sprecher. Das betrifft nach Angaben der Bank etwa 325.000 Kunden. Die im Nordwesten Deutschlands tätige OLB selbst sei von der Schließung unberührt.

Kommentare (12)

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Frank

24.01.2013, 19:43 Uhr

Insolvenz Manroland 2011
Soviel mir bekannt ist, gehört die ACP (Allianz Capital Partner) auch zur Allianzgruppe. Diese war auch an MANroland zu ca.75% beteiligt. Diese Investment wurde Jahr 2011 bereits sauber in den Sand gesetzt. Bei diesem Vorgang hat Allianz ganze Arbeit geleistet, so wenig Staub wie möglich aufwirbeln. Negativ-Presse schädigt nachhaltig das Image des Unternehmens. Schließlich ist Allianz ein Konzern der nach ethischen Grundsätzen agiert?
Die haben durch eine Insolvenz mit Manroland etliche Millionen gespart. Da warten heute noch viel Mitarbeiter und Unternehmen auf die Erfüllung Ihrer Forderungen.
Aber es ist ja schön zu hören dass man für die 450 Mitarbeiter ein anderes Aufgabengebiet im Unternehmen sucht. Vielleicht wird die Firmenleitung auch noch fündig.

dig@central.banktunnel.eu

24.01.2013, 22:26 Uhr

Das ist eine lange Liste von Totalversagern im Bankgeschäft.

http://www.frankfurter-sparkasse.dynip.name/
http://www.central.banktunnel.eu/mcafee/

Coza

24.01.2013, 22:34 Uhr

Mir tun nur die Leute leid, die bei dieser Bank ein Girokonto haben und dort ihren gesamten Zahlungsverkehr abwickeln.

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