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14.01.2008

15:50 Uhr

Versicherungsvertrags-Gesetz

Versicherer zahlen mehr

VonMonika Lier

Ein gekipptes Fenster in der Erdgeschosswohnung – nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ gingen Versicherte nach einem Einbruch oftmals leer aus. Doch mit dem seit Jahresbeginn geltenden reformierten Versicherungsvertrags-Gesetz (VVG) ändert sich diese Praxis. Das neue Gesetz ist deutlich verbraucherfreundlicher und gesteht Kunden höhere Ansprüche zu.

KÖLN. Bisher lief es oft so: Nach einem Einbruch lehnt die Hausratversicherung den Ersatz des Schadens ab. Der Versicherungskunde habe den Einbruch als Folge eines gekippten Fensters in der Erdgeschosswohnung grob fahrlässig mitverschuldet. Nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ ging der Versicherte leer aus. Doch mit dem seit Jahresbeginn geltenden reformierten Versicherungsvertrags-Gesetz (VVG) ändert sich diese Praxis. Wer als Kunde seine Sorgfaltspflichten aus dem Versicherungsvertrag verletzt, erhält je nach Schwere des Verstoßes zumindest eine Teilleistung. Auch in vielen anderen Bereichen ist das neue Gesetz verbraucherfreundlicher.

Den Versicherten bringt die umwälzende Reform des knapp 100 Jahre alten Gesetzes im Wesentlichen drei Verbesserungen: den Wegfall des „Alles-oder-nichts-Prinzips“, deutlich stärkere Rechte bei Lebensversicherungen und mehr Transparenz bei Vertragsabschluss. Versicherer und ihre Vertreter müssen ihre Kunden vor Abschluss umfangreicher informieren, und der Berater muss die besprochenen Punkte schriftlich dokumentieren, was Klagen auf Falschberatung erleichtern soll.

Bereits vor Unterzeichnung erhält der Kunde alle Vertragsunterlagen. Auf einigen wenigen Seiten muss der Inhalt des Vertrages erklärt und in der Lebens- sowie in der Krankenversicherung müssen die einkalkulierten Abschlusskosten ausgewiesen werden. Dagegen lockern sich für den Kunden die vertraglichen Anzeigepflichten. Er muss nur das angeben, wonach der Versicherer schriftlich gefragt hat.

Die Assekuranz rechnet als Folge der Reform des knapp hundertjährigen Gesetzes mit höheren Kosten. Die Beratung wird aufwendiger, und die Leistungen werden tendenziell höher. Ob die Unternehmen diese Kosten an ihre Kunden weitergeben werden, entscheidet der Wettbewerb. Er dürfte sich im Zuge der Gesetzesreform verschärfen: Kosten und Leistungen werden transparenter. Zudem wurden die Höchstlaufzeiten von Schadenverträgen von fünf auf drei Jahre begrenzt. Kunden können für sie ungünstige Verträge leichter erkennen und eher kündigen.

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