Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2011

13:33 Uhr

Vertrauensverlust

Griechenlands Banken bluten langsam aus

VonNicole Bastian, Georgios Kokologiannis

Die Griechen haben innerhalb von zwei Jahren ein Fünftel ihrer Einlagen bei den Banken abgezogen – insgesamt rund 38 Milliarden Euro. Das könnte zum Ruin der Institute führen.

Was Griechenland erlebt, ist meistens ein stiller Bank Run. Hier entsteht trotzdem eine lange Schlange. dpa

Was Griechenland erlebt, ist meistens ein stiller Bank Run. Hier entsteht trotzdem eine lange Schlange.

AthenIrene arbeitet in einem Risikojob. Sie ist Bankerin. In Griechenland. Das sagt eigentlich alles in diesen Tagen. „Was ich derzeit empfinde, kann ich mit einem einzigen Worte beschreiben: Unsicherheit“, sagt die 37-Jährige, während sie hinter dem Schreibtisch einer Athener Filiale der zweitgrößten Bank des Landes, Alpha Bank, sitzt. „Das geht nicht nur mir so, sondern all meinen Kollegen – genauso wie den Kunden.“

Jeden Tag fragen Kunden Irene um Rat, weil sie nicht wissen, was sie angesichts Finanzkrise mit ihrem Geld tun sollen. Für die Bankangestellte ist das jedes Mal ein Balanceakt: Im Interesse ihres Arbeitgebers muss die Verunsicherte Sicherheit vermitteln – und will andererseits auch keine falschen Ratschläge geben.

Die Griechen spüren die Probleme ihrer Finanzbranche. Private Haushalte haben innerhalb von zwei Jahren netto ein Fünftel der gesamten Einlagensumme bei griechischen Banken abgezogen – 38 Milliarden Euro. Das verstärkt wiederum die Kapitalnöte der Finanzinstitute. „Wir bluten jeden Tag“, sagt ein Bankchef. Und ein Finanzexperte des Wirtschaftsministeriums, der anonym bleiben möchte, sagt: „Was Griechenland erlebt, ist ein stiller Bank Run.“ Keine Schlangen vor den Automaten, keine Massenpanik, aber Kapitalflucht. Jeden Tag ein bisschen.

Den Instituten in Griechenland geht es schlecht, sehr schlecht. „An sich haben sich die Banken in der Finanzkrise lange gut gehalten. Sie hatten keine toxischen verbrieften Wertpapiere, trotz hoher Arbeitslosigkeit die notleidenden Kredite unter Kontrolle gehalten, aber jetzt sind die Staatsanleihen ein Problem“, sagt Börsenhändler Andreas Kontogouris.

30 Milliarden Euro, schätzt die europäische Bankenaufsicht, brauchen die griechischen Finanzinstitute, um die für kommendes Jahr geforderten Kapitalpuffer zu erlangen – so viel wie kein anderer Bankensektor in der Eurozone. Dabei ist es für die Griechen noch viel schwieriger als für ihre Konkurrenten aus anderen Euroländern, sich privates Kapital zu besorgen. Im vierten Jahr der Rezession belasten zudem Firmenpleiten die Kreditbücher der Institute. Erste Schätzungen beziffern den Abschreibebedarf der Athener Banken auf notleidende Kredite in den kommenden drei Jahren auf bis zu zehn Milliarden Euro.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Adenauer

28.10.2011, 13:55 Uhr

Das fraktionelle Reservesystem betrügt die Bürger und Sparer.
Die Geldschöpfung ist privatisiert, die Banken sind Gesellschaften mit beschränkter Haftung und kümmern sich einen Dreck um das Allgemeinwohl

Verlorene_Generation

28.10.2011, 14:56 Uhr

"Die Zeit der Banken und des Geldes ist vorbei", schreiben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Denn Banken erfinden Geld aus Luft, die freien Märkte sind Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten, unser gegenwärtiges Finanzsystem ist ein reines Betrugsmodell. Die Folge: Der ultimative Finanzcrash droht; damit verbunden, das Ende des Geldes. Doch die beiden Autoren verbreiten in diesem Buch keineswegs Hiobsbotschaften, wenn sie "grundlegende Veränderungen der Gesellschaft" fordern. Sie zeigen realistische Möglichkeiten auf, wie eine Gesellschaft auch ohne Geld funktionieren kann, und sie bieten einen Wegweiser in eine ökologisch und sozial orientierte Zukunft.

Medienmonopol

28.10.2011, 15:06 Uhr

Der Euro dient nicht den Bürgern Deutschlands und Europas, sondern einzig und allein der Finanz-Oligarchie (deshalb ist er ja auch gegen den Willen der Bevölkerungen eingeführt worden). Es geht bei der derzeitigen Krise gar nicht um die „Rettung“ Griechenlands, des Euros oder Europas; nein – es geht einzig und allein um die Rettung der Privilegien und Profite der Banken und der transnationalen Finanz-Oligarchie. Deshalb wurden Griechenland – anstatt einer geordneten Abwicklung seiner (von der Finanz-Oligarchie vorsätzlich herbeigeführten) Insolvenz – von EU, EZB, IWF und den starken EU-Ländern weitere Kredite und Kredit-Garantien gegeben – damit das faktisch insolvente Land weiter Zinsen an Investment-Gesellschaften zahlen kann. Mit ihrer Kollaboration an diesem Verbrechen opfert Bundeskanzlerin Angela Merkel die Interessen der Bürger – und zwar der deutschen und der griechischen – auf dem Altar des Profits der Hochfinanz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×