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30.01.2008

16:13 Uhr

Verwaltungsrat stützt Bouton

Société-Générale-Chef bleibt trotz Skandals

Die französische Großbank Société Générale hat dem Druck widerstanden, sich wegen des Handelsskandals von ihrem Chef zu trennen. Der Verwaltungsrat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, Daniel Bouton an Bord zu behalten. Dennoch will das Institut Konsequenzen ergreifen.

Daniel Bouton, Chef von Société Générale, hat das Vertrauen des Verwaltungsrats. Foto: Reuters

Daniel Bouton, Chef von Société Générale, hat das Vertrauen des Verwaltungsrats. Foto: Reuters

HB PARIS. Von politischer Seite war in den vergangenen Tagen der Druck auf Bouton stark gestiegen, wegen der im Handel entstandenen Milliardenverluste seinen Hut zu nehmen. Der Franzose hatte seinen Rücktritt selbst angeboten, was vom Verwaltungsrat aber kategorisch abgelehnt wurde. Die Société Générale (SocGen) wirft dem 31-jährigen Jerome Kerviel vor, sie durch milliardenschwere Zockereien an der Börse um fast fünf Mrd. Euro gebracht zu haben.

Das Institut will zur Aufklärung der Vorfälle ein unabhängiges Expertenkomitee einsetzen. Vorsitzender wird der ehemalige PSA-Peugeot-Citroen-Chef Jean-Martin Folz. Dadurch solle analysiert werden, wie es zu den Milliardenverlusten kommen konnte und wie solche Probleme in Zukunft vermieden werden könnten, wie eine Sprecherin der zweitgrößten Bank Frankreichs am Mittwoch nach einer Sitzung des Verwaltungsrats sagte. Ebenso solle herausgefunden werden, ob das Management im Interesse der Firma, der Aktionäre und der Mitarbeiter richtig gehandelt habe. Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers sollen bei der Untersuchung helfen.

Die Staatsanwaltschaft in Paris ermittelt vorerst nicht wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Ein Verwaltungsrat der Bank hatte nur wenige Tage vor Bekanntwerden der Probleme in großem Stil SocGen-Aktien verkauft. Eine Mitarbeiterorganisation kündigte jedoch rechtliche Schritte gegen die Bank an. Der Skandal habe finanzielle Auswirkungen auf die Angestellten, hieß es zur Begründung. Bei dem Institut arbeiten etwa 120 000 Menschen.

Die französische Regierung stellte die Bedingung, dass ein möglicher Eigentümerwechsel bei der Société Générale "so weit wie möglich im generellen Interesse des französischen Bankensektors sein sollte". Über einen Verkauf des Instituts sei bisher aber noch nicht gesprochen worden, sagte Regierungssprecher Laurent Wauquiez im Anschluss an eine Kabinettssitzung. Seit Bekanntwerden der Probleme bei der SocGen ranken sich Spekulationen, Wettbewerber wie die französische BNP Paribas oder die britische HSBC seien an einer Übernahme interessiert.

Finanzkreisen zu Folge schließt BNP Paribas eine Offerte nicht aus. Allerdings sei nicht damit zu rechnen, dass ein solcher Schritte unmittelbar bevorstehe. Auch an dem größten französischen Geldhaus ging die Krise an den Finanzmärkten nicht spurlos vorüber. Der Nettogewinn brach im vergangenen Quartal um knapp 42 Prozent auf 1,0 Mrd. Euro ein.

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