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31.01.2007

11:10 Uhr

Vier Fragen an: Heinrich Haasis

„Entscheidend ist die Nähe zum Kunden“

Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, über die Brüsseler Kritik an der deutschen Bankenstruktur und seine Erwartungen an die Bundesregierung.

Herr Haasis, Brüssel kritisiert das Regionalprinzip, das eine Beschränkung der Geschäftsgebiete bestimmt. Wird dadurch der Wettbewerb eingeschränkt?

Die Kommission selbst hat das Regionalprinzip als Gemeinwohlverpflichtung anerkannt und die Gewährleistung des Regionalprinzips nach dem maßgeblichen Sparkassenrecht erst jüngst bekräftigt. Die Nähe zum Kunden ermöglicht eine optimale Risikobewertung und individuelle Beratung. Die Kommission selbst betont ja – etwa bei der Überarbeitung der Verbraucherkreditrichtlinie – die Notwendigkeit individueller Beratung.

Auch die Genossenschaftsbanken werden angegangen. Rücken Sie jetzt enger zusammen?Beide Gruppen stehen im Wettbewerb zueinander, arbeiten aber in ähnlichen Strukturen. Insofern werden die gemeinsamen Positionen auch gemeinsam vertreten.

Die EU-Kommissare kritisieren nicht das erste Mal die deutsche Bankenstruktur. Ist die Schmerzgrenze bei den Sparkassen erreicht?

Diese Kritik ist für uns unverständlich, zumaldie Kooperationen der Institute etwa im Bereich der Einlagensicherung oder im Risikomanagement in weiten Teilen sogar auf europäische Vorgaben zurückgehen. Das ist aber nicht das Thema dieser Untersuchung. Das dreigliedrige Banksystem in Deutschland zeichnet sich durch eine hohe Stabilität aus. Das Nebeneinander von global agierenden Bankkonzernen und regional bzw. lokal ausgerichteten Verbünden sichert die flächendeckende Versorgung aller Bevölkerungsgruppen.

Was erwarten Sie jetzt von der Bundesregierung?

Auf den ersten Blick handelt es sich hier um eine Frage des Wettbewerbsrechts. Tatsächlich geht es um ein sehr viel breiter angelegtes wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Thema. Deshalb ist die politische Unterstützung für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr groß. Denn die Zusammenarbeit im Verbund – und dies gilt keineswegs nur für den Bankensektor – ist die Alternative zu großen Konzernstrukturen, um in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs und der Globalisierung betriebswirtschaftliche Effizienz auch in kleinen Einheiten zu organisieren.

Die Fragen stellte Peter Köhler.

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