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13.01.2006

22:30 Uhr

Völkermord im Ersten Weltkrieg

Armenier klagen gegen deutsche Banken

Gut 90 Jahre nach der Ermordung von rund 1,5 Millionen Armeniern durch türkische Truppen haben Hinterbliebene der Opfer in Los Angeles eine Sammelklage gegen zwei deutsche Banken eingereicht. Es geht um verschwundene Guthaben.

HB LOS ANGELES/FRANKFURT. Die Kläger beschuldigten die Deutsche Bank und die Dresdner Bank, damals bei den Instituten angelegte Gelder armenischer Familien zurückgehalten zu haben, teilte die armenischstämmigen Anwälte der Kläger am Freitag mit. Die Sammelklagen seien in Los Angeles eingereicht worden. Die Banken hätten außerdem Geld, das während des Überfalls des Osmanischen Reiches auf Armenien erbeutet und bei den Banken hinterlegt wurde, nicht an die Opfer zurückgezahlt, teilten die involvierten Kanzleien mit. Einer der Anwälte, Brian Kabateck, sagte der Tageszeitung „Die Welt“ laut einer Vorabmeldung aus der Samstagausgabe, der Streitwert liege vermutlich in Milliardenhöhe. Eine genaue Summe nannten die Kläger allerdings nicht.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Die zur Allianz gehördende Dresdner Bank war am Freitagabend zunächst nicht zu erreichen.

Die Klage wurde im Namen von sieben armenisch-stämmigen Amerikanern eingereicht, die im südlichen Kalifornien leben. Die Guthaben von deren Vorfahren – sowohl Bargeld als auch Gold und Schmuck – wurden laut der Klageschrift entweder von den türkischen Filialen der beklagten Banken beschlagnahmt oder von der Regierung des Osmanischen Reiches auf europäische Konten geschafft. Später hätten die Banken diese Vermögenswerte den Erben der Getöteten bewusst vorenthalten.

Anwalt Mark Geragos, der eine der drei Kanzleien vertritt, sagte, Armenier hätten ihr Geld und ihr Eigentum über Jahrzehnte vergeblich zurückzuerlangen versucht. Das Fehlverhalten der Banken sei erst vor kurzem durch Funde in Archiven in den USA und der Türkei offenbar geworden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Nachkommen ermordeter Armenier in den USA eine Sammelklage einreichen. In zwei Fällen hatten sie damit bereits Erfolg. Die Versicherungsgesellschaft New York Life Insurance Co. erklärte sich zur Zahlung von 20 Mill. Dollar bereit, die französische Axa zahlte 17 Mill. Dollar. Die Anwälte der Kläger im jüngsten Fall zogen Parallelen zum Entschädigungsvergleich zwischen Holocaust-Opfern und Schweizer Banken.

In einem systematischen Völkermord wurden während des Ersten Weltkriegs 1,5 Mill. Armenier von Truppen des Osmanischen Reiches getötet. Die türkische Regierung weist den Vorwurf des Völkermordes bis heute zurück. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern ist durch den Streit schwer belastet.

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