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08.09.2016

08:12 Uhr

Volks- und Raiffeisenbanken

Aufstand der Genossen

VonArne Storn
Quelle:Zeit Online

Die Genossenschaftsbanken stöhnen über zu viel Regulierung. Von ihrem Verband fühlen sie sich im Stich gelassen. Nun kommt es zum offenen Streit.

Die Genossenschaftsbanken beschweren sich über zu viel Regulierung. dpa

Volksbank

Die Genossenschaftsbanken beschweren sich über zu viel Regulierung.

Mehr als 1000 Genossenschaftsbanken gibt es in Deutschland. Viele von ihnen sind sehr klein und stöhnen über die hohe Last der Regulierung. Ständig, so ihre Klage, müssten sie neue Richtlinien erfüllen, neue Kontrollen einführen oder der Aufsicht neue Daten schicken – das treibe die Kosten in die Höhe und treffe kleine Institute über die Maßen.

Der Unmut ist inzwischen so groß, dass innerhalb der Bankengruppe offen über den richtigen Umgang mit dem Thema gestritten wird. Auf der einen Seite steht dabei die Basis, die von ihren obersten Lobbyisten in Berlin mehr Taten fordert – und auf der anderen Seite der Dachverband, der davon wenig hält. Es ist ein interner Streit, der sich gerade öffentlich verschärft hat.

Zehn größte Banken Deutschlands (nach Bilanzsumme Ende 2015)

Platz 10

Postbank

Bilanzsumme: 149 Milliarden Euro

Platz 9

Helaba

Bilanzsumme: 172 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 182 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 224 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 234 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 314 Milliarden Euro

Platz 4

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: 498 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren.

Platz 3

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 503 Milliarden Euro

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 536 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.740 Milliarden Euro

Erst kürzlich hatten 406 Volks- und Raiffeisenbanken in gemeinsamen Briefen an den Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) öffentliche Proteste und sogar den Schulterschluss mit den traditionell härtesten Wettbewerbern, den Sparkassen, gefordert. Die Belastung aus der Regulierung, verstärkt um das Problem niedriger Zinsen, habe – so hieß es da – „mitunter existenzbedrohende Dimensionen erreicht“.

Existenzbedrohend? So schlimm wollte der Verband die Lage nicht sehen. Der BVR winkte ab: Die Sorgen der kleinen Häuser seien berechtigt, öffentliche Aktionen mit den Sparkassen halte man „zum jetzigen Zeitpunkt“ aber „nicht für zielführend“.

Ihre abwehrende Haltung hat der Verbandsführung nun neue Kritik in Form eines weiteren Briefs eingebracht. Wenn mehr als 400 der gut 1000 Genossenschaftsbanken von ihrem Bundesverband Aktivitäten auf politischer und öffentlicher Ebene einforderten, „kann dieser Wunsch nicht mehr ignoriert werden“, heißt es in dem Schreiben von Anfang dieser Woche, das Zeit Online vorliegt.

Die europäische Regulierung stelle das klassische Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank grundsätzlich in Frage, die Interessensvertreter in Berlin seien aufgefordert, sich mit den „existenziellen Fragestellungen grundlegend auseinanderzusetzen“ und verbandsintern „eine demokratische Willensbildung über die erhobenen Forderungen“ herbeizuführen. Erst dann könne die Bankengruppe der Kontrollbürokratie „geschlossen und wirksam begegnen“.

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