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12.03.2014

15:25 Uhr

Volks- und Raiffeisenbanken

Das neue Selbstbewusstsein der Genossen

VonLukas Bay

Die Volks- und Raiffeisenbanken galten einst als Relikte der alten Bundesrepublik. Doch die Kundennähe und die soliden Geschäfte der Institute haben sich in Zeiten der Krise ausgezahlt. Nun aber drohen Gefahren.

Die Volksbanken wirtschaften meist solider als die private Konkurrenz. PR

Die Volksbanken wirtschaften meist solider als die private Konkurrenz.

DüsseldorfBraucht in Zeiten von Online-Banking noch jemand Bankfilialen? Natürlich, meint Ingo Stockhausen. Als sich immer mehr Konkurrenten aus den Gemeinden und Kleinstädten seines Geschäftsgebiets zurückzogen, baute der Vorstandvorsitzende der Volksbank Oberberg das Filialnetz sogar noch aus. Zwischen Radevormwald und Morsbach betreibt sein Institut mittlerweile 29 Filialen. Drei Filialen sind in den vergangenen fünf Jahren dazu gekommen. Die Zahl der Mitarbeiter in den Filialen hat er von 168 auf 205 erhöht.

„Gerade als Genossenschaftsbank ist uns die räumliche Nähe zum Kunden wichtig“, sagt Stockhausen. Eine Nähe, die sich auch finanziell auszahlt: Mit den neuen Filialen und dem Ausbau der bestehenden Filialen hat seine Bank die Kundenzahl um rund zehn Prozent auf 93.000 gesteigert, die verwalteten Kundenvermögen legten sogar um ein Viertel auf 4,5 Milliarden Euro zu. Das Verhältnis der Kosten zu jeden verdienten Euro ist bei seiner Bank besser als im Branchenschnitt. „Unser Angebot wird von den Kunden honoriert“, sagt er.

Nicht nur im Oberbergischen floriert das Geschäft der Genossenschaftsbanken. Bundesweit können die 1.078 Institute, die im Gegensatz zur privaten Konkurrenz in Mitgliederhand sind, starke Zahlen vorlegen. Nach Steuern erwirtschafteten die Genossen im Jahr 2013 einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro – 15,1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die konsequente Form des Wachstumskurses wollen wir fortsetzen“, sagt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Addiert man die Bilanzsummen kommen die Genossenschaftsbanken auf sagenhafte 763 Milliarden Euro.

„Das Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken ist vor allem die Solidität“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. In der Krise haben die Genossen von ihrem wichtigsten Kapital profitiert – dem Vertrauen ihrer Mitglieder. Mit 17,7 Millionen ist die Zahl der Mitglieder im abgelaufenen Geschäftsjahr um 364.000 Menschen gestiegen. Während Landesbanken und viele private Konkurrenten ohne Staatshilfe untergegangen wären, haben es die Genossen alleine geschafft.

Die größten Genossenschaftsbanken

Platz 10

Sparda-Bank München - 6,05 Milliarden Euro Bilanzsumme

Die Geschichte des bayrischen Instituts begann mit den Eisenbahnern. Die Bank ging 1930 aus der Eisenbahn-Spar- und Darlehnskasse München hervor und gehört heute zu den größten Genossenschaftsbanken Deutschlands.

Platz 9

Volksbank Mittelhessen - 6,37 Milliarden Euro Bilanzsumme

Durch zahlreiche Fusionen gehören auch die Mittelhessen zu den größten Genossen. Das Institut vereint mittlerweile 164 ursprünglich selbstständige Banken.

Platz 8

Bank für Sozialwirtschaft - 7,31 Milliarden Euro Bilanzsumme

Getragen wird das Institut von Sozialverbänden wie der Caritas, dem Diakonischen Werk, der Arbeiterwohlfahrt und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Es soll in erster Linie Kredite für soziale Einrichtungen bereitstellen.

Platz 7

BBBank - 7,59 Milliarden Euro Bilanzsumme

Die einstige Badische Beamtenbank betreut bis heute ausnahmslos Privatkunden. 400.000 Mitglieder kann die Genossenschaftsbank aus Karlsruhe heute vorweisen.

Platz 6

Sparda-Bank West - 8,01 Milliarden Euro Bilanzsumme

Mit der Fusion der Sparda-Banken Essen, Wuppertal und Köln ist eine der größten Genossenschaftsbanken nun in Düsseldorf beheimatet. Derzeit hat die Bank 450.000 Mitglieder und 608.000 Kunden.

Platz 5

Frankfurter Volksbank - 8,12 Milliarden Euro Bilanzsumme

Mit einer Geschichte von 150 Jahren gehört das Institut aus der Bankenmetropole zu den ältesten Genossenschaftsbanken Deutschlands. Durch Fusionen ist das Institut massiv gewachsen. Zuletzt wurde 2012 die Vereinigte Volksbank Griesheim-Weiterstadt in die Bank integriert.

Platz 4

Sparda-Bank Südwest - 9,23 Milliarden Euro Bilanzsumme

Aus der Eisenbahnsparkasse Mainz und Saarbrücken ist ein Institut mit 475.000 Mitgliedern entstanden.

Platz 3

Berliner Volksbank - 9,85 Milliarden Euro Bilanzsumme

Die größte Volksbank der Republik landet im Ranking der größten Genossenschaftsbanken nur auf dem dritten Platz. Schlagzeilen machte das Institut zuletzt, weil eine Filiale im Januar 2013 durch einen Tunnel ausgeraubt wurde.

Platz 2

Sparda-Bank Baden-Württemberg - 12,8 Milliarden Euro Bilanzsumme

Die Fusion der Sparda-Banken Karlsruhe und Stuttgart hat die größte Sparda-Bank Deutschlands hervorgebracht. Das Institu, das im Ursprung Beamten der Eisenbahn, Post und Dampfschifffahrt den Wohlstand sichern sollte, hat mittlerweile 475.900 Mitglieder.

Platz 1

Deutsche Apotheker- und Ärztebank - 37,88 Milliarden Euro Bilanzsumme

Anders als andere genossenschaftliche Banken ist die Apobank bundesweit vertreten und steht vor allem Ärzten, Zahnärzten und Apothekern, sowie deren Familienangehörigen offen.

Besonders im Geschäft mit Privatkunden machen die Genossen Geschäfte, vor allem in der Baufinanzierung. Die Kreditbestände im Privatkundengeschäft sind auf 242 Milliarden Euro angewachsen und damit 4,4 Prozent höher als im Vorjahr. 22,8 Prozent aller privaten Krediten werden damit von den Volks- und Raiffeisenbanken vergeben. Dem gegenüber stehen Kundeneinlagen von 561 Milliarden Euro. Obwohl anhaltende Niedrigzinsen die Marge drücken, erwirtschaften die Volksbanken einen Zinsüberschuss von 16,7 Milliarden Euro, das sind gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Man würden auch keine existenzielle Probleme bekommen, wenn die Zinsen noch mehrere Jahre so niedrig blieben, sagt fröhlich. Die Bausparverträge, Versicherungspolice und Investmentfonds der Tochterfirmen Schwäbisch Hall, R+V-Versicherung und Union Investment verkaufen sich blendend.

Auch im Firmengeschäft sind die Genossen führend. Während die private Konkurrenz bei der Kreditvergabe immer vorsichtiger geworden sind, haben sie ihre Marktanteile sogar ausgebaut. Im vergangenen Jahr vergaben die Volks- und Raiffeisenbanken rund vier Prozent mehr Kredite Kredite an Unternehmen und Selbstständige – und das in einem schrumpfenden Markt. Der Marktanteil der Genossenschaftsbanken beträgt mittlerweile 17,2 Prozent. Damit vergeben sie sogar mehr Kredite an Unternehmen als die Großbanken.

Kommentare (4)

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12.03.2014, 17:30 Uhr

Wenn alle Banken so gewirtschaftet hätten wie die Genossen, dann hätten wir keine Finanz- und Schuldenkrise!!!!!

Account gelöscht!

12.03.2014, 20:19 Uhr

Wenn alle Banken so gewirtschaftet hätten, hätten wir nicht den jetzigen Wohlstand den wir haben.

Account gelöscht!

13.03.2014, 07:37 Uhr

Den sogenannten "Wohlstand" - denn ja zunehmend nur einige Wenige haben - haben "wir" wohl eher trotz der Banken. Darf ich kurz an 2008 und 100te Mrd. Steuergelder, die für die Bankenrettungen draufgegangen sind, erinnern?

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