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12.03.2013

12:21 Uhr

Volks- und Raiffeisenbanken

„Die Zinsen sind viel zu niedrig“

VonMartin Dowideit

Die genossenschaftlichen Geldhäuser wie Sparda- und Volksbanken konnten 2012 Kunden und Einlagen gewinnen. Der Verbandspräsident kritisiert aber die Europäische Zentralbank scharf – deren Politik schade dem Geschäft.

BVR-Präsident Uwe Fröhlich kritisiert die Europäische Zentralbank. dpa/picture alliance

BVR-Präsident Uwe Fröhlich kritisiert die Europäische Zentralbank.

DüsseldorfDie Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken schrumpft weiter, doch die Kundenzahl der Genossenschaftsinstitute steigt. Auch die Summe der Einlagen, die Kunden den Banken anvertrauen, klettere weiter, teilte der Branchenverband BVR am Dienstag mit. „Im Kundengeschäft, vor allem in der Kreditvergabe, gewinnen die Volksbanken und Raiffeisenbanken weiter Marktanteile“, so BVR-Präsident Uwe Fröhlich.

Unter anderem profitieren die 1101 Institute (2011: 1121) davon, dass Baufinanzierungen angesichts des Niedrigzinsumfelds gefragt sind. Sie hatten 2012 ein Volumen von insgesamt 180 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent). Eine Blasenbildung bei den Immobilienpreisen sei aber auf Bundesebene nicht zu sehen.

Dennoch stößt die durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verursachte Zinsentwicklung dem BVR übel auf. „Die Zinsen sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft viel zu niedrig“, warnt Fröhlich. „Das darf kein Dauerzustand bleiben. Für die Finanzstabilität ist es ausgesprochen schädlich.“ Unter anderem gebe es derzeit nur wenig Anreize, Geld zurückzulegen und etwa in die Altersvorsorge zu stecken. Sobald eine konjunkturelle Erholung einsetze, müsse die EZB die Zinsschraube in Richtung „normal“ drehen. Auf die Probleme der Südländer dürfe die Zentralbank nur begrenzt Rücksicht nehmen, um die Preisstabilität zu gewähren.

Die größten Genossenschaftsbanken 2012

Platz 10

Sparda-Bank München

Bilanzsumme: 6,1 Milliarden Euro

Platz 9

Volksbank Mittelhessen

Bilanzsumme: 6,4 Milliarden Euro

Platz 8

Bank für Sozialwirtschaft

Bilanzsumme: 7,3 Milliarden Euro

Platz 7

BB Bank

Bilanzsumme: 7,7 Milliarden Euro

Platz 6

Sparda-Bank West

Bilanzsumme: 8,1 Milliarden Euro

Platz 5

Frankfurter Volksbank

Bilanzsumme: 8,2 Milliarden Euro

Platz 4

Sparda-Bank Südwest

Bilanzsumme: 9,4 Milliarden Euro

Platz 3

Berliner Volksbank

Bilanzsumme: 10 Milliarden Euro

Platz 2

Sparda-Bank Baden-Württemberg

Bilanzsumme: 12,8 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Bilanzsumme: 38 Milliarden Euro

Quelle

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

Auch die Sparkassen hatten jüngst den Druck auf die EZB erhöht, die Politik des billigen Geldes zu beenden. Niedrige Zinsen belasten das Geschäftsmodell von Sparkassen und Volksbanken, da die Geldanlage für ihre Kunden unattraktiver wird. Die Kunden der Genossenschaftsinstitute reagierten auf die Zinsentwicklung. Sie schichteten Geld aus Sparbriefen und Termineinlagen etwa in Tagesgeld um. Die so genannten „täglich fälligen Verbindlichkeiten“ in der Bilanz legten um 14 Prozent auf 268 Milliarden Euro zu.

Den Nachsteuergewinn konnten die Genossen im vergangenen Jahr um fast vier Prozent auf 2,2 Milliarden Euro steigern, die Zahl der Mitglieder kletterte um zwei Prozent auf 17,3 Millionen. Die Volksbanken sehen sich dabei auch als Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft und verweisen darauf, dass sie die Kreditvergabe an Unternehmen um fast sieben Prozent gesteigert hätten, während die gesamte Branche sich vergleichsweise zurückhaltend zeige.

Beim Gewinn profitierten die Banken vor allem davon, dass Staatsanleihen in den Büchern aufgrund der Erholung der Euro-Krise deutlich an Wert zulegten. Allerdings gelang es den Genossen auch, die Provisionseinnahmen annähernd stabil zu halten und die Zinserträge leicht zu steigern.

Für das laufende Jahr rechnen die Banken mit einem Gewinnrückgang. Denn das erwartete weitere Wachstum im Kundengeschäft werde die Belastungen aus dem niedrigen Zinsumfeld voraussichtlich nicht kompensieren.

Der Verband mahnte die Bundesregierung zu mehr Augenmaß bei der Bankenregulierung und kritisierte erneut, das bewährte System der Universalbank dürfe nicht zu einem Trennbankensystem umgebaut werden. Die Volks- und Raiffeisenbanken würden dem Spitzeninstituts des Verbunds, der DZ Bank, notfalls frisches Kapital zuschießen. „Wir werden niemanden in unserer Organisation, sollte er Kapitalbedarf haben, im Regen stehen lassen“, sagte Fröhlich.

„Die DZ Bank plant derzeit aber keine Kapitalerhöhung, die unmittelbar vor der Tür steht", betonte er. Zunächst müsse der regulatorische Rahmen feststehen, der die DZ Bank als genossenschaftliches Spitzeninstitut beträfe. „Dann werden wir über eine saubere Eigenkapitalplanung im Detail überlegen, wie wir diese Herausforderung angehen.“ Aus heutiger Sicht stelle dies den genossenschaftlichen Finanzverbund aber nicht vor „unlösbare Aufgaben“.

Mit Material von Reuters.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

12.03.2013, 11:43 Uhr

Spardabanken und Volks-/Raiffeisenbanken mussten in der Krise nicht gestützt oder verstaatlicht werden. Trotzdem sind diese regionalen Banken die Verlierer der Finanzkrise. Wo leben wir? Welche Politik betreiben wir?

Ameise

12.03.2013, 11:49 Uhr

Der kleine, private Bürger und deutsche Steuerzahler, der ordentlich wirtschaftet, musste in der Krise nicht gestützt werden. Im Gegenteil hat er außerordentlich Griechenland, Portugal, Spanien und Italien gestützt ohne eine Gegenleistung. Er ist der Verlierer. Wo leben wir?

matze

12.03.2013, 13:12 Uhr

@ wo leben wir? gute frage, in der zeit, in der das "westlihe weltimperium der wirtschaft" gerettet werden muss? wohin geht das viele neue geld? fragt taylor duren, der hat es hier beantwortet:

http://www.zerohedge.com/news/2013-02-02/how-feds-latest-qe-just-another-european-bailout-vehicle

einfache korrelationsanalyse - vom feinsten - aber aussagekräftig!

FAZIT: um das imperium zu bewahren, werden die gut vorsorgenden menschen hier und jenseits des "grossen teichs" bestraft! ist/wäre nur zu verhindern gewesen bei einer mutigen strukturellen reformplitik - diesseits und jenseits des grossen ponds. aber keiner traut sich an den fragilen STATUS QUO!

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